/ Wort zum Tag

Sprüche 16,7

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

"Wenn eines Menschen Wege dem HERRN wohlgefallen, so lässt er auch seine Feinde mit ihm Frieden machen."

Sprüche 16,7

"Der Gott des Friedens aber sei mit euch allen! Amen."

Römer 15,33

Also mal ganz ehrlich! Das hört sich für mich zu leicht an: Wenn eines Menschen Wege dem HERRN wohlgefallen, so lässt er auch seine Feinde mit ihm Frieden machen.

Wenn das so ist, dann müssen wohl viele meiner Wege dem Herrn ganz und gar nicht wohlgefallen. Ich habe Feinde im Leben, die mir ganz und gar nicht wohlgesonnen sind und mir das Leben schwer machen. Und ich weiß, dass das vielen anderen Christinnen und Christen auch so geht.

Manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass es gerade anders herum ist, als es der gute und sicherlich sehr weise Salomo in seinen Sprüchen schreibt. Ich weiß um Christinnen und Christen, die, je konsequenter sie im Leben versuchen, Gott zu gefallen, umso mehr Feinde bekommen. Feinde, die sich über ihre Frömmigkeit lustig machen. Feinde, die sie im Beruf wegen ihres Christseins mobben. Feinde, die sie bewusst in Konfliktsituationen bringen, damit ihr Christsein auf die Probe gestellt wird.

Das hat für mich nichts mit Frieden zu tun. Das sind harte Anfechtungen, Feindlichkeiten, die an die Nieren gehen und manchmal auch zum inneren Zerbruch führen.

Gott ist kein Wunschautomat, in welchen ich oben meine Frömmigkeit einwerfe und unten ein glückliches und zufriedenes Leben herauskommt. Das ist auch nicht das, was Jesus mit Leidensnachfolge meinte: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. (Lukas 9,23)

„Täglich sein Kreuz auf sich zu nehmen“ heißt es hier nach dem Lukasevangelium. Täglich!

Wie schwer das sein kann, wissen wir auch von Christinnen und Christen aus Ländern mit starker Christenverfolgung. Ein Christ aus Nordkorea, der nur wegen der Lektüre seiner Bibel in ein Konzentrationslager gesteckt wird, wird die Weisheit Salomos nicht so ohne weiteres bejahen können.

Für mich ist klar: Salomo hat es so erlebt und darum konnte er es auch so schreiben. Er war – zumindest in der Anfangszeit seines Königtums – ganz treu in den Wegen des Herrn. Und er hat erlebt, wie sein Name Programm wurde, er war der Friedenskönig Israels. Nie wieder hat das Volk Israel in seiner Geschichte so viel Frieden erlebt wie zur Zeit König Salomos. Zweifelsohne hat Gott ihm und dem Volk Israel diesen Frieden auch darum geschenkt, weil Salomo Gott fürchtete.

So kann ich die Tageslosung bejahen als eine Erfahrung, die Salomo gemacht hat und sehr wahrscheinlich auch manch andere Juden und Christen in der jüdisch-christlichen Tradition. Aber mindestens genauso viele haben eben auch das andere erlebt.

Sehr wohltuend finde ich darum die Ergänzung durch den letzten Satz des Römerbriefes. Denn auch Paulus war einer, der alles andere erlebt hat als Frieden mit seinen Feinden, nur weil er Christ war. Er erlebte viele Anfeindungen bis dahin, dass sie ihm das Leben nehmen wollten, weil er das Evangelium von Jesus Christus predigte.

Aber Paulus wusste auch: Egal, wie viele Feinde ich auch habe, egal, wie viele mir den Frieden nehmen wollen, eines ist entscheidend: Der Gott des Friedens ist mit mir! Er hat es  so oft in schweren Situationen erlebt.

Und darum sind das auch seine letzten Worte an die Gemeinde in Rom. Die Gemeinde, die in täglicher Auseinandersetzung mit ihren Feinden leben musste. Die Gemeinde, die im Siedepunkt der antiken Abgötterei des römischen Reiches lebte. Die Christen der Gemeinde, die unter Todesandrohung aufgefordert wurden, dem Glauben an Jesus Christus abzuschwören und den Kaiser von Rom als Gott anzubeten.

Nein, Frieden war das nicht, was sie erlebt haben. Aber Paulus spricht es ihnen als Ermutigung zu: Der Gott des Friedens sei mit euch! In allen Auseinandersetzungen sollen sie das wissen: Der Gott des Friedens sei mit euch!

Ich weiß nicht, welchen Herausforderungen Sie heute begegnen müssen, ob es ein leichter oder ein schwerer Tag für sie wird. Aber egal, was geschieht, ich wünsche Ihnen von Herzen: Der Gott des Friedens sei mit Ihnen! Heute und an allen Tagen!


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