/ Wort zum Tag

Matthäus 27,39-40

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Die aber vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz!

Matthäus 27,39-40

Die Kreuzigung war die schlimmste Art der Todesstrafe, die das Römische Reich kannte. Nur Schwerstverbrecher und entlaufene Sklaven wurden auf diese grausame Weise hingerichtet. Der Mensch, der ans Kreuz geschlagen wurde, erstickte langsam und unter furchtbaren Schmerzen, die durch die Wunden der vorangegangenen Geisselung noch verschlimmert wurden. Der Anblick eines Gekreuzigten war so schrecklich, dass der römische Schriftsteller und Philosoph Cicero schrieb, man solle die römischen Bürger davor bewahren.

Was könnte man beim Anblick eines Gekreuzigten anderes empfinden als tiefes Mitleid? Und doch berichtet der Evangelist Matthäus von der Kreuzigung Jesu: „Die aber vorübergingen, lästerten, schüttelten die Köpfe und sprachen: ‚Der Du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf Dir selber, wenn Du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz!‘“ Spott und Häme waren alles, was sie für Jesus empfanden. So erfüllte sich, was der Prophet Jesaja rund 700 Jahre zuvor über ihn vorausgesagt hatte: „Er war der Allerverachtetste!“ Kein Mensch kann mehr Verachtung erfahren als der, der am Kreuz hängt und verspottet wird.

Dabei war es nur wenige Tage her, als Jesus unter dem Jubel der Menschen von Jerusalem in die Stadt eingezogen war. „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ hatten sie zu seinem Empfang geschrien. Sie hatten Kleider und Ölzweige auf die Straßen gelegt, auf denen Jesus durch die Stadt ging, als empfingen sie einen königlichen Helden. „So sieht ein Sieger aus!“ hatten sie hoffnungsvoll gedacht. Aber anstatt sich zum König von Israel aufzuschwingen, war Jesus gefangengenommen und zum Tode verurteilt worden.

Für so einen, der sich in den Augen der Masse erst als Held präsentiert und dann als Verlierer entpuppt, hatten die Menschen von Jerusalem nur Verachtung übrig. Können Menschen so grausam sein? Sie können! Der Journalist Alexander Görlach beobachtet in seinem Buch „Wir wollen Euch scheitern sehen!“, wie die deutsche Öffentlichkeit mit Menschen umgeht, die, zuerst allgemein bewundert und verehrt, plötzlich am Boden liegen und all ihren Glanz verloren haben. Spott, Häme und Verachtung wird ihnen allenthalben zuteil; mancher tritt nochmal richtig nach. Die Häme, urteilt Görlach, zerfrisst unser Land.

Bevor wir also die Menschen verurteilen, die damals am Kreuz Jesu vorbeigingen und spotteten, prüfen wir uns einmal selbst. Wie denken und reden wir über gefallene Prominente, oder über die Großen in unseren Familien oder unter unseren Kollegen, wenn sie plötzlich verwundet am Boden liegen? Menschen, die gerade noch unsere Helden waren, ernten Spott anstelle unserer Barmherzigkeit, wenn sie sich auf einmal als genauso schwach erweisen, wie wir selbst. Es ist Neid, der sich in Verachtung verwandelt. Und hinter dem Neid steht die Sünde, die uns von Gott trennt und unser Leben zerfrisst.

Jesus, den diese Verachtung schlimmer getroffen hat als jeden anderen, ist am Kreuz gestorben, um die Sünde und den Tod, den sie bewirkt, zu besiegen. Sein Tod und seine Auferstehung überwinden auch die menschliche Neigung zu Neid gegenüber den Großen und zu Unbarmherzigkeit gegenüber denen, die am Boden liegen. Wenn wir an ihn glauben, erkennen wir, wer wir sind und wie nötig wir Gottes Gnade haben, und werden frei zur Liebe zu allen Menschen, denen, die über uns stehen, denen, die uns gleich sind, und denen, die tiefer gefallen sind als wir. Wer an  Jesus Christus glaubt, schaut dankbar auf den Gekreuzigten, weil er weiß: So sieht der größte aller Sieger aus.     


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