/ Wort zum Tag

Psalm 99,5

Bibelvers

„Erhebet den HERRN, unsern Gott, betet an vor dem Schemel seiner Füße, denn er ist heilig“

Psalm 99,5

Was ist Ihnen heilig? Was geht Ihnen über alles? Das ist die Frage aller Fragen. Denn danach richtet sich unser Verhalten. Wem das Geld heilig ist, der wird darauf bedacht sein, noch mehr davon zu scheffeln. Wem sein Auto heilig ist, der wird jedes Stäubchen an seinem fahrbaren Untersatz einzeln bekämpfen. Und wem die Bildung heilig ist, der wird bei „Faust“ nicht zuerst ans Boxen denken, sondern an Goethe.

Auf das, was uns heilig ist, lassen wir nichts kommen. Das ist uns das Wichtigste und gibt uns den Takt vor. Und genau hier setzt unser Psalm ein: „Erhebet den Herrn, unsern Gott, denn er ist heilig“. Später bringt das Paul Gerhardt in die Liedzeile: „Gott ist das Schönste, das Größte und Beste, aus allen Schätzen der edelste Hort“. Nur Gott verdient es, heilig genannt und als heilig anerkannt zu werden. Nur Gott ist unüberbietbar. Er ist das Maß aller Dinge. Wer ihn ehrt und sich nach ihm richtet, befindet sich an der richtigen Adresse. Der weiß, worauf es wirklich ankommt.

Was mich an unserem Bibelwort besonders anspricht: Es ist „unser Gott“. Also nicht eine ferne, unnahbare und undurchsichtige Gestalt, bei der man nicht weiß, wie man dran ist. „Unser Gott“, das ist der, der Abraham berufen hat, ein Segen für alle Völker zu sein. Das ist der, der das Volk Israel geduldig durch die Wüste führte bis hinein in das Land, das er ihm versprochen hat. „Unser Gott“ ist der, der uns in Jesus Christus ganz nahe gekommen ist, der unser Leben geteilt und unseren Tod erlitten hat. Der jeden von uns liebt über alle Maßen. Das ist „unser Gott“. Wer ihn kennt und ehrt, ist gut dran.

Dieser unser Gott soll, so unser Psalm, von uns „erhoben“ werden. Nun, Gott können wir nicht größer machen als er ist.  Aber indem wir ihn erheben, machen wir uns klar, wo die Glocken hängen und wer das Sagen hat. Nicht Gott braucht das, sondern wir. Weil sich uns so vieles als „heilig“ aufdrängt und weil wir manchmal darauf hereinfallen, brauchen wir immer neue Klarheit darüber, was wirklich dieses Etikett verdient, was anbetungs- und verehrungswürdig ist.

Wir erheben unsern Gott, indem wir zu ihm beten. Wir schütten unser Herz vor ihm aus und trauen ihm viel zu. Wir erwarten von ihm gute Einsichten, Rat und Hilfe. Bei ihm sind wir bestens aufgehoben. Im Beten verbinden wir uns mit unserem Gott – je häufiger, desto besser. Aber unser Gebet braucht noch eine andere Dimension: „Betet an vor dem Schemel seiner Füße“, heißt es in unserem Psalm. Anbetung ist gefragt. Also dass wir absichtslos mit Gott reden, ihm einfach bekunden, wie wir uns an ihm freuen und wie wir über ihn staunen. Und das alles „vor dem Schemel seiner Füße“, also im Wissen, dass Gott nicht unser Kumpel ist, sondern uns über alle Maßen übersteigt. Sich – im Bild des Psalms gesprochen – „am Schemel“ aufzuhalten und nicht auf Augenhöhe, das versteht sich von selbst.

Weiter erheben wir unseren Gott, indem wir von ihm singen. Dazu regen uns die Loblieder der Christenheit an. Nicht nur die von gestern, sondern auch die aus unseren Tagen. Vertrautes und Neues gemeinsam. Paul Gerhardt und Albert Frey passen besser zusammen als mancher meint. Sie überbieten sich darin, Gott zu rühmen und dazu das, was er für uns getan hat und noch tut.

Und wir erheben unseren Gott, indem wir von ihm reden. Gott muss unter die Leute. Er will ins Spiel gebracht werden: in Argumente und Probleme, in Sorgen und Trauer hinein. Wir haben doch den Menschen etwas zu sagen und zu geben! Das sollten wir in allen Variationen nutzen: schriftlich und mündlich, in den Medien aller Art. Christen, die sich still und stumm wegducken, verleugnen ihren Gott.

Deshalb: „Erhebet den HERRN, unsern Gott, betet an vor dem Schemel seiner Füße, denn er ist heilig“. Wie bringt es der Liederdichter auf den Punkt?  „Gott loben, das ist unser Amt“. Dazu sind wir geboren. Dann sind wir in unserem Element. Das bekommt uns und anderen gut.

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