/ Wort zum Tag

Apostelgeschichte 18,9-10

Kürzlich saßen wir in einem Restaurant. Am Nebentisch unterhielten sich zwei Paare lautstark buchstäblich über Gott und die Welt. Wir konnten gar nicht anders, als mitzuhören, was die vier sprachen. Es ging um neue Filme, um Fragen der Wissenschaft, um Politik und Religion. Einer der Herren regte sich über den Glauben der Christen auf. Wie könne man denn so dumm sein und glauben, dass Gott in Jesus Christus auf diese Welt gekommen sei. Was für ein Unsinn es sei, der Bibel Glauben zu schenken. Mir war nicht ganz wohl in meiner Haut und ich rutschte auf meinem Stuhl hin und her. Gesagt habe ich nichts. Aber gedacht habe ich: Hier sitzt einer von diesen Dummen, der das glaubt, was du so heftig ablehnst.
Es war sicher nicht der Ort und die Gelegenheit, mit diesen Leuten am Nachbartisch ein Gespräch zu beginnen. Wir waren schließlich zum Essen dort. Ich kannte die vier ja auch gar nicht.
Wenn ich aber dann das Wort lese, das uns durch diesen Tag begleitet, dann trifft mich das durch und durch. Was wäre gewesen, wenn Paulus damals auch seinen Mund gehalten hätte? Was wäre gewesen, wenn er sich gefürchtet und geschwiegen hätte? Dann wäre die Gemeinde in Korinth gar nicht erst entstanden, und der christliche Glaube wäre vielleicht nie nach Europa gekommen. Was wäre gewesen, wenn nicht einfache Gläubige und auch große Prediger mutig und oft unter Lebensgefahr ihren Glauben weitergegeben hätten? Was wäre, wenn wir Christen uns alle so verhielten wie ich kürzlich im Restaurant? Was wäre, wenn wir feige unseren Mund hielten und nichts sagen?
Dieser Satz,  den „der Herr eines nachts dem Paulus in einer Vision“ sagte, ist bis heute einer der grundlegenden Aufträge für unser christliches Zeugnis. „Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin mit dir.“
Ich gestehe, dass ich mich wegen dieses kurzen Erlebnisses im Restaurant schäme. Es war nicht recht, wie ich mich verhalten habe. Es fällt mir nicht schwer meinen Glauben zu bezeugen und auch zu bekennen, wenn ich auf der Kanzel stehe. Ich lade Menschen gerne zum Glauben ein. Das gehört zu meiner Arbeit als Pfarrer und ist sozusagen mein tägliches Brot. Ich gestehe aber auch, dass es mir schwerfällt, in einer anderen Umgebung das Wort zu ergreifen und über meinen Glauben zu reden. Paulus war ja gewiss kein Mensch, dem Mut gefehlt hätte. Was hat er alles auf sich genommen bei seinen Missionsreisen. Offenbar brauchte er in dieser besonderen Situation auch eine besondere Ermutigung. Und die bekam er in dieser Vision von Gott direkt zugesprochen.
Ich habe keine Ahnung, in welcher Situation Sie sich heute befinden. Vielleicht haben Sie Gelegenheit, Ihren Glauben zu bezeugen, und vielleicht ist das Umfeld noch ein ganz anderes als kürzlich das im Restaurant. Vielleicht brauchen Sie eine solche Ermutigung von Gott, weil Ihre Zuhörer eher feindlich gestimmt sind. Machen Sie`s nicht wie ich. Seien Sie nicht so feige wie ich. Seien Sie mutig und kühn. Nehmen Sie die Zusage mit, es ist heute direkt an Sie persönlich gerichtet: „Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin mit dir.“
 

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