/ Wort zum Tag

Römer 9,20

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

„Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst?“

Römer 9,20

Da schickt mir ein Freund eine witzige Spruchkarte. Ich sehe die Karikatur eines preußischen Polizisten mit Pickelhaube, und ich lese einen kessen Spruch.

„Es ziemt dem Untertanen nicht, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen des Staatsoberhauptes anzulegen und sich in dünkelhaftem Übermute ein öffentliches Urteil über die Rechtmäßigkeit derselben anzumaßen“

Aus einem amtlichen Verweis des Königlich Preußischen Innenministers Gustav von Rochow aus dem Jahr 1838.

Ich schmunzele und denke: Ja, ja, die schlechten alten Zeiten. Ja, ja, die alten autoritären und autoritätshörigen Preußen. In ihrem Staat hat das noch so funktioniert. Wir heute sind gewohnt, dass wir uns nicht mehr so einfach etwas vorschreiben lassen, weil alle Macht vom Volk ausgeht, also von uns. D. h.: Dass wir mitreden und mitbestimmen und mitentscheiden.

Menschen in anderen Ländern allerdings würden kaum schmunzeln. Bei ihnen nämlich gilt das auch heute noch. Was das Staatsoberhaupt sagt und tut, duldet keinen Widerspruch. Wer’s trotzdem wagt, wandert ins Gefängnis.

„Es ziemt dem Untertanen nicht, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen des Staatsoberhauptes anzulegen …“

Ich lese den Satz noch einmal. Als mich plötzlich eine merkwürdige Frage überfällt. Klingt das nicht fast so wie mancher Vers aus der Bibel? Ist Gott am Ende so etwas wie ein preußisches Staatsoberhaupt?

Paulus zum Beispiel formuliert im Römerbrief auch so etwas wie einen amtlichen Verweis:

„Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst?“ (Römer 9,20)

Ich sperre mich. So ein Satz passt aber nun wirklich nicht in unsere Zeit. Und er passt auch nicht zu dem Bild, das ich mir von Gott gemacht habe. Ist Gott ist nicht der liebevolle, verständnisvolle Vater? Und Jesus der gute Freund an meiner Seite, mit dem ich seit langem per Du bin?

Aber vielleicht ist er nötig, dieser Kontrapunkt, den Paulus hier setzt.

Denn Gott Vater ist mehr. Er ist der auch Schöpfer des Universums. Die Majestät aller Majestäten. Und Gott Jesus ist mehr. Er ist auch der gerechte und unbestechliche Weltrichter.

Ja, Gott ist ein naher Gott. Aber er ist auch ein ferner Gott. Ja, Gott ist auf Augenhöhe gekommen. Aber er wohnt in einem Licht, zu dem wir keinen Zutritt haben. Ja, wir dürfen Papa zu Gott sagen, oder - auf hebräisch - Abba. Aber er lässt sich nicht von uns um den Finger wickeln. Wir dürfen niemals vergessen, mit wem wir es zu tun haben. Gott ist und bleibt der ganz andere. Der Heilige. Wir sehen immer nur das, was er uns zeigt. Wir hören immer nur das, was er uns sagt. Wir verstehen immer nur das, was er uns offenbart.

Aber dann ist Gott doch wieder ganz anders als ein preußisches Staatsoberhaupt. Zum Glück.
Wir können mit Gott rechten. Wir dürfen es sogar. Gottes Autorität ist dadurch nicht gefährdet. Aber verstehen, ja, so ein bisschen verstehen werden wir ihn nur, wenn wir uns ihm ehrfürchtig nähern. Wenn wir ihn mit dem, was wir singen und sagen und leben, loben und anbeten und ihm so die Ehre erweisen, die ihm zusteht. Vielleicht können wir dann am Ende sogar akzeptieren, dass vieles unverständlich bleibt. Wir müssen nicht verstehen. Wir sind verstanden.

So will ich ihm heute auch meine Fragen geben. Nicht vorwurfsvoll allerdings. Sondern vertrauensvoll. Und mit Martin Luther sagen: „ Dieweil er Gott ist, so kann und weiß er, wie er's mit mir aufs Beste machen soll. Dieweil er Vater ist, so will er's auch tun.“


Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Cookies helfen uns, Ihr Benutzererlebnis zu verbessern. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie unseren Datenschutz und Cookie Richtlinien sowie der Speicherung von Daten im Rahmen des EU-US Privacy Shield zu. Mehr erfahren