/ Wort zum Tag

Hiob 1,21

Bibelvers

" Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren."

Hiob 1,21

Mensch, was war ich stolz. Ich hielt unseren jüngsten Sohn in den Händen. Er war gerade geboren. „Draußen wartet schon dein Bruder zum Fußballspielen.“ Ja, genau, das war mein erster Satz. Zugegeben, es war ein bisschen voreilig. Erstmal musste der Knabe gewaschen, gewogen, vermessen und gewickelt werden. Dieses hilflos schreiende Wesen musste erstmal heranwachsen. Morgen wird er 22 und in einem Monat wird er heiraten. Meine Frau und ich werden uns wieder erinnern, wie das damals war. „Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen.“ So lautet der erste Teil des Wortes für den heutigen Tag. Es steht in Hiob 1,21. Und ich habe das Bild von dem Neugeborenen noch genau vor Augen.
Ja, es kann uns helfen, gelegentlich auf die Anfänge zu schauen. Jeder von uns hat einmal so klein, winzig und hilflos begonnen. Wären da nicht der Arzt, die Hebamme, die Mutter, der Vater gewesen, wir hätten keine Chance gehabt. Das Leben wäre schon bald wieder zu Ende gewesen. Gut, dass es da Menschen gab und gibt, die sich um diese hilflosen Wesen sorgen, sie pflegen und nähren.
Ja, das ist die Wahrheit. Die „nackte Wahrheit“, möchte man sagen. Und die andere ist die: „Nackt werde ich wieder dahinfahren.“ So lautet nämlich der zweite Teil des Wortes aus Hiob 1,21. Zwar wird nach unserer Tradition der Verstorbene nicht nackt beigesetzt. Er trägt zumindest noch das berühmte Totenhemd. Aber von dem heißt es ja bekanntlich, dass es keine Taschen habe. Damit wollen wir sagen: Wir können nichts mitnehmen aus dieser Welt. Von einem sterbenden Menschen erfuhr ich in diesen Tagen, dass er viele ihm wertvolle Gegenstände vorher gezielt an nahestehende Menschen verteilte.   
„Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren.“ So ist das Leben. So beginnt es und so endet es.
Ich frage mich, wie gehe ich mit dieser „nackten Wahrheit“ um. Bringt sie mich ins Nachdenken? Lässt sie mich kalt? Das kann ich mir kaum vorstellen. Das erste, was ich im Leben bekommen habe, ist mir alles geschenkt worden. Nun gut, ich hab es mir vielleicht alles zusammen geschrien. Aber auch ohne Schreien hätte mich die Krankenschwester warm eingepackt. Und am Ende liege ich auch wieder ganz nackt da und andere Menschen umsorgen mich.
Das ist aber nicht so einfach. Was bei den Babys noch so süß und putzig erscheint, ist uns am Ende so schwer. Egal in welchen Verhältnissen wir gelebt haben, am Ende gehen wir alle mit leeren Händen und Taschen. Wir sind auf andere Menschen angewiesen und Wertvolles können wir nicht halten. Sei es das Foto eines lieben Menschen oder das prall gefüllte Bankkonto.
„Es ist dir alles geliehen.“ Ich erinnere mich noch sehr genau, wie ein lieber Mensch sich auf seinem Sterbebett unter anderem mit diesem Satz von mir verabschiedete. Alles nur geliehen. Geliehen von Gott. Angefangen vom ersten Mützchen im Kreissaal bis hin zum flauschigen Kopfkissen auf dem Sterbebett. Und all die anderen Dinge dazwischen. Auch die Menschen, die Begegnungen und der Sonnenschein. Alles nur geliehen von Gott. Die Güte Gottes umgibt uns wie eine wärmende Decke. Das können Sie gerne glauben.
 

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