/ Wort zum Tag

Lukas 12,15

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

"Und er sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat."

Lukas 12,15

Das Experiment aus dem 13. Jahrhundert ist grausam. Der Stauferkaiser Friedrich II hatte es angeordnet. Er wollte herausfinden, welche Ursprache Babys entwickeln, wenn niemand mit ihnen spricht. Die Säuglinge bekamen alles zum Leben. Die erforderliche Pflege. Die nötige Verpflegung, Milch. Aber sie erfuhren keine persönliche Zuwendung. Kein Schäkern. Kein fröhliches Plappern. Das Ergebnis: Die Kinder starben. Quellen zitieren den Kaiser so: „Sie vermochten nicht zu leben ohne das Händepatschen und das fröhliche Gesichterschneiden und die Koseworte ihrer Ammen“.
Mit anderen Worten: Den körperlichen Bedürfnissen wurde entsprochen. Aber was die Babys an seelischen und geistigen Notwendigkeiten hatten, blieb unberücksichtigt.
Es ist ein Grund zu danken, wenn wir genug zu essen und zu trinken haben. Wohnung und Kleidung. Arbeit und Geld. Aber um sinnvoll zu leben, brauchen wir nicht nur Lebensmittel. Wir benötigen eine Lebensmitte. Nicht nur Dinge, die unser  Leben bereichern. Vielmehr jemanden, der unser Reichtum wird. Der uns verbunden ist. Mit dem wir sprechen und lachen können. Gedanken, Erfahrungen und Erlebnisse austauschen. Einen, der uns kennt und trotzdem liebt. Wir sehnen uns nach einer ungetrübten ICH-DU Gemeinschaft. Aber wir verarmen in einer puren ICH-ES Beziehung.
In dieser aber lebt jener Mensch, von dem Jesus erzählt. Ein Mann, der scheinbar keine Probleme hat. Dem alles gelingt. Ein Großbauer. Reich. Fleißig. Ein tüchtiger Unternehmer und cleverer Manager.
Von der letzten reichen Ernte konnte er günstig gutes Saatgut aussondern. Er hat es akkurat gelagert. Erneut das Feld bestellt. Die Samenkörner fachmännisch ausgesät. Soviel an ihm liegt, hat er somit für günstige Wachstumsbedingungen gesorgt. Das Wetter hat gut mitgespielt. Die Folge: Eine fabelhafte Ernte. Neue Silos, Scheunen und Ersparnisse. Für sein weiteres Leben ist vorgesorgt. Aber er hat keinen, für den er sorgt. Den er versorgt. Niemanden! Keine Frau. Keine Kinder. Keine Enkelkinder. Er hat nur sich. Alles nur für sich. Darum sagt er sich: Ich habe viel geleistet. Jetzt will ich mir viel leisten. Ich will leben. Das Leben genießen. Gut essen. Gut trinken. Ausgiebig feiern. Den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.
Sein Leben gleicht einem Frachtschiff. Voller Güter. Aber „gut“ - „güter“ - am besten - das ist nicht nur sprachlich eine falsche Steigerungsform. Es ist auch eine trügerische Lebensform. Darum spricht Gott: „Du Narr“. Du hast dich getäuscht. Du hast vergessen, dass du einen bedürftigen Nachbarn hast. Du hast vergessen, dass du eine bedürftige Seele hast. Du hast vergessen, dass deine Lebenszeit vergänglich ist. Und du hast den vergessen, der ewig ist. Der vor dir schon da war. Der mit dir nicht endet. Der dich mag. Und der sich nach dir sehnt. Du bist ein reicher Mann. Aber du bist ein armes Geschöpf. Du hast mich vergessen, deinen Schöpfer. Deinen Vater. Deinen Ursprung und dein Ziel. Und somit hast du am eigentlichen Leben vorbei gelebt.
Damit die Tragik dieses Menschen nicht unser Schicksal wird, erzählt Jesus diese Beispielgeschichte. Damit wir im Geflecht unendlich vieler Beziehungsgrößen Jesus nicht aus den Augen verlieren, lässt er uns wissen:
„Niemand lebt davon, dass er viele Güter hat“. So zu finden im Lukasevangelium, Kapitel 12.
 


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