/ Wort zum Tag

Psalm 42,3

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

"Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?"

Psalm 42,3

Wir sind bei einer Wanderung in Österreich. Der Großteil der Jugendgruppe, mit der ich unterwegs bin, ist mitgegangen, nur wenige sind in der Unterkunft geblieben. Die vergangenen drei Stunden ging es stetig bergauf, inzwischen hat sich ein prachtvoller Tag entfaltet. Die Sonne steht bereits hoch am Himmel, es ist noch ein gutes Stück bis zum Gipfel. Unser Führer schreitet zügig voran, man merkt, dass er gerne um die Mittagszeit „oben“ angekommen sein will. Nicht ganz so zügig geht es mit der Gruppe. Manche sind das Laufen nicht gewohnt, andere sind zu untrainiert. Unmut macht sich breit. Können wir nicht mal Pause machen? – Diese Frage wird zum lauten Rufen. Der Mann, der uns den Weg führt, zeigt Einsicht. Wir bleiben stehen, einige setzen sich, nach einer Weile geht es weiter. Aber: der Unmut bleibt. Kein Gedanke mehr an den Gipfel, die imposante Schönheit der uns umgebenden Bergwelt scheint nur noch wenige zu interessieren. Es gibt bald in den Gesprächen nur noch ein Thema, das alles andere wie weggewischt hat: Wasser. Viele in der Gruppe haben ihren Vorrat schon getrunken, zu wenig mitgenommen ... auf jeden Fall haben die Jugendlichen Durst.

Seltsam, wie eine Stimmung in solch einer Gruppe umschlagen kann. Noch vor einer guten Stunde waren sie frohgemut, jetzt stöhnen alle. Unser Bergführer lächelt. Er kennt das wohl von vielen anderen Gruppen vor uns und verspricht: „In 20 Minuten kommen wir zu einer Quelle. Frisches, kühles Wasser.“ Die Gruppe ist wie ausgewechselt. Sie laufen jetzt, schauen nach vorne und suchen mit den Augen die Felswände ab. Wann kommt sie endlich, die Quelle? Eine Art Wettstreit entwickelt sich. Wer sieht das Wasser zuerst? Wer kann als Erster trinken? Wann endlich kommen wir zum Wasser?

Es gibt Lebensumstände, die sind ganz ähnlich wie damals bei uns bei dieser Wanderung. Anstrengend der Weg, das Ziel noch lange nicht erreicht und die Reserven sind schon so gut wie verbraucht. Wer kennt das nicht – Durststrecken nennen wir diese Zeiten nicht von ungefähr. Und – Durst ist schlimmer als Heimweh, sagt der Volksmund. Wer schon mal richtig Durst hatte, der kann dem wahrscheinlich zustimmen.

Da wundert es nicht, wenn das Bild vom Durst auch in anderem Zusammenhang gebraucht wird. „Meine Seele hat Durst“, sagte mir mal ein Mann, mit dem ich sprach. „Mein Innerstes, da, wo ich  bin, ist wie ausgetrocknet, verdorrt und öde geworden.“ Wer so spricht, hat auch einen anstrengenden Weg hinter sich, das Ziel nicht nur nicht erreicht, es ist in weiter Ferne. Und die Vorräte sind leer. Wir nennen sie auch Ressourcen. Wie bei den Jugendlichen bei unserer Bergwanderung ist die Lebensstimmung schnell dahin. Lohnt die Anstrengung noch? Kommen wir überhaupt noch ans Ziel? Langt die Kraft und die Motivation?

In der Bibel wird berichtet vom Leben und Glauben vieler Menschen. Wie tröstlich für mich, dass da nicht nur die „Highlights“ berichtet werden, die Erfolge und Errungenschaften, die Fortschritte im Leben und die Siege. Da schreibt doch einer: Meine Seele dürstet. Und er schreibt weiter: Sie dürstet nach dem lebendigen Gott. Der Schreiber dieser Worte hat eine tiefe Sehnsucht nach einer unmittelbaren Gottesbegegnung. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue? Wer diesen Psalm 42 weiterliest, versteht auch, warum er so spricht. Menschen machen ihm zu schaffen. Es geht ihm schlecht und die Leute um ihn herum verspotten ihn: „Wo ist er denn, dein Gott?“ - Durststrecke im Leben, Ressourcen verbraucht, das Ziel nicht mehr im Blick. Aber: Er bleibt nicht bei seiner Erschöpfung stehen, er sucht Gott, der ihm neue Kraft zum Leben geben kann und formuliert das so: Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Die Quelle bei unserer Bergwanderung übrigens kam wie versprochen. Wie gut tat diese frische, klare Wasser.


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