/ Wort zum Tag

1. Timotheus 1,13

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

„Mir ist Barmherzigkeit widerfahren.“

„Ich danke unserm Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und für treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt, mich, der ich früher ein Lästerer und ein Verfolger und ein Frevler war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren …“. Das ist der Zusammenhang, aus dem unser heutiges kurzes Bibelwort stammt. Der Apostel Paulus gibt dem jungen Timotheus hier eine Kurzversion seines geistlichen Lebenslaufs. Und er beschönigt nichts. Ganz im Gegenteil. Lästerer, Verfolger und Frevler nennt er sich selbst – einen Überzeugungstäter, wenn auch in Unwissenheit, wie es im Brief weiter heißt.

Wenn es jemand nicht verdient hätte, von Gott in Dienst genommen zu werden, dann ich – sagt Paulus. Wenn jemand so gegen das Evangelium gekämpft, Christen verschleppt, misshandelt und in den Tod geschickt hat – wie sollte man dem noch trauen können. Ein Amt anvertrauen können?

Das hat den ersten Christen auch zunächst zu schaffen gemacht, nachdem Paulus sich bekehrt hatte. Ist das nur eine Finte dieses schlauen Fuchses, um sich in unser Vertrauen einzuschleichen und an Insiderinformationen zu kommen – haben wohl manche zunächst geargwöhnt. Eine derartige Veränderung war bis dahin vermutlich beispiellos. Dass jemand so umgedreht wird, so auf den Kopf gestellt und für seine neue, bekehrte Erkenntnis nun auch bereit ist zu leiden und zu sterben, das konnten viele sich nicht vorstellen.

Aber genau das ist Gnade. Sie macht das Unmögliche möglich. Sie stellt uns auf den Kopf, sie macht geistlich Tote lebendig, sie schenkt in der Aussichtslosigkeit wieder neue Perspektiven. „Mir ist Barmherzigkeit widerfahren“ – man könnte hier auch übersetzen: „… ich wurde mit Erbarmen beschenkt!“ Unerwartet ist Gott mit seinem Erbarmen in das Leben des Verfolgers und Frevlers Paulus gebrochen, senkrecht vom Himmel sozusagen. Als ihn das Licht vor Damaskus traf, da bedeutete das die Vollbremsung seines bisherigen Lebenswegs und dann die radikale Umkehr in die andere Richtung. Es war Gottes Gnade, die Paulus bezwungen und neu in Schwung gebracht hat – und was hatte der Mann nachher für einen Elan. Was für Wege und Kämpfe hat er nachher auf sich nehmen müssen. Im 2. Korintherbrief schreibt er mehrfach davon: „Denn wir wollen euch, liebe Brüder, nicht verschweigen die Bedrängnis, die uns in der Provinz Asien widerfahren ist, wo wir über die Massen beschwert waren und über unsere Kraft, so dass wir auch am Leben verzagten und es bei uns selbst für beschlossen hielten, wir müssten sterben.“  So schreibt er in Kapitel 1 und später wird er noch deutlicher (in Kapitel 11): „… Ich habe mehr gearbeitet, ich bin öfter gefangen gewesen, ich habe mehr Schläge erlitten, ich bin oft in Todesnöten gewesen. Von den Juden habe ich fünfmal 39 Geißel-Hiebe erhalten; ich bin dreimal mit Stöcken geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer …“ und so geht das noch weiter. Was hat den Mann dazu bereit gemacht, so für das zu leiden, was er vorher mit allen Mitteln auszurotten versucht hatte? „Mir ist Barmherzigkeit widerfahren.“ Die Gnade hat ihn eingeholt. Diese Gnade, Gottes Erbarmen geht auch Ihnen und mir nach – oder kommt uns entgegen – je nachdem.  Sie wird mit allem und jedem fertig. Es ehrt den Apostel, dass er sich so unvorteilhaft beschreibt, aber sind wir denn besser? Wir leben alle nur davon, dass Gott uns erstmalig und immer wieder seine Barmherzigkeit widerfahren lässt – auch heute.


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