/ Wort zum Tag

1. Könige 8,27

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

"Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?"

1. Könige 8,27

»Hier, Meister,« sagt Elihu, »unsere Wiederherstellung von Texten der Einweihungsfeier-lichkeiten am Tempel des Herrn sind bereits sehr weit voran gekommen.«
Nach dem Lesen wendet sich Menachem wieder an Elihu: »Ihr habt gute Arbeit geleistet. Über Einzelheiten wird man noch reden müssen. Zum Beispiel hier, die Frage König Salomos im Weihegebet: 'Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen?' Diese Formulierung trifft die Anhänger des Heiligtums an einer empfindlichen Stelle. Verstehst du das?«
»O ja, Meister, das verstehe ich wohl. Es ist uns auch nicht leicht gefallen, diesen kritischen Einwand des Fürsten gegen den Tempel in Jerusalem als Salomos eigene Worte hinzunehmen. Wir haben sie hin und her bedacht. Aber endlich haben wir uns gemeinsam entschieden: Sie müssen wohl tatsächlich an diese Stelle gehören. Unsere Argumente dafür und dagegen haben wir aufgeschrieben. Wir wären sehr froh, wenn du sie mitnehmen und in die weitere Arbeit einbringen möchtest.«
»Lass mich einmal sehen«, meint Menachem interessiert. »Mhm, da habt ihr ja noch einmal sehr sorgfältig vorgearbeitet. Ich bin richtig stolz auf meine Schule.«
Elihu senkt respektvoll den Kopf, um die Freude über das Lob nicht wie Hochmut aussehen zu lassen.
»Wir haben uns sehr bemüht, unsere strenge Ausbildung bei dir in den vergangenen Jahren für ein gutes Ergebnis bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe zu nutzen. Es macht uns Freude, wenn du darüber einigermaßen zufrieden sein kannst. Trotzdem erkennen wir an, dass unser Verständnis davon nicht das einzig mögliche sein wird.«
»Schauen wir noch einmal in eure Erläuterungen hinein.« Der Priester Menachem nimmt das entsprechende Papyrus wieder zur Hand:
»Ihr stellt einander gegenüber, was für und was gegen die Tempelkritik spricht. - Elihu, ich übernehme daraus die Ablehnung und du antwortest mit der Zustimmung in eurer Arbeit.«
Menachem trägt vor: »In diesem feierlichen Augenblick scheint es unpassend, den neuerbauten Tempel vor der festlich gestimmten Volksversammlung durch eine kritische Rückfrage in Zweifel zu ziehen.«
Elihu hält dagegen: »Die Weihe vereint König, Priesterschaft, Würdenträger und Volk.
In dieser Gemeinschaft muss es neben dem Hochgefühl über das gelungene Werk auch Raum geben für Besinnung. Die Ehrfurcht vor der Größe des Erhabenen gegenüber der Niedrigkeit des Menschen verlangt nach diesem deutlichen Wort.«
Menachem bohrt nach: »Gerade aus dem Mund des betenden Königs kann man sich eine derartige Zurücksetzung des Heiligtums nicht vorstellen.«
Elihu entgegnet: »Salomo zeigt sich in seiner Weihehandlung als aufrichtiger Vertreter Israels. Menschliche Verfehlungen und Schwächen werden mehrfach ausgesprochen. Davon nimmt sich auch der irdische Herrscher nicht aus. Die Vergänglichkeit trennt alles Geschaffene vom Ewigen.«
Noch einmal holt Menachem aus: »Der König hat für den Tempelbau ungeheure Mittel zur Verfügung gestellt. Warum sollte er ausgerechnet im liturgischen Weihegebet den Zweiflern an diesem Aufwand Recht geben?«
Elihu bekräftigt: »Die Platzierung an dieser prominenten Stelle macht den sperrigen Satz umso vertrauenswürdiger. Salomo fordert mit seiner Aufrichtigkeit von sich und allen Menschenkindern lebendige Hingabe. Er begründet einen anhaltenden Gottesdienst, der sich nicht auf heilige Tage und Ereignisse beschränkt. Die Liebe der Menschen zu Gott muss ausdauernd sein, wie die Liebe des Himmlischen zu den Irdischen ist.«
 


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