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Jesaja 43,18-19

Bibelvers

"Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde."

Jesaja 43,18-19

Meiner Familie gehört ein Stück Wald, ein paar Hektar im südlichen Schwarzwald. Die werden schon seit Generationen weitervererbt, mein Urgroßvater muss ein reicher Bauer mit viel Landbesitz gewesen sein. Diesen Wald hat mein Vater in seiner Freizeit noch selbst bewirtschaftet, viele der Fichten hatte er sogar als junger Mann selbst gepflanzt. Das waren inzwischen große Bäume geworden, und als Kind war ich an vielen Samstagen mit dort  und spielte mit den Fichtenzapfen oder mit Grashüpfern auf der Wiese. Irgendwo her dröhnte dabei immer Vaters Motorsäge. Der machte Holz für den Winter.
Aber dann gab es einmal in einem Spätherbst einen furchtbaren Sturm. Der Wind war so stark, dass er die Fichten umgeknickt hat wie Streichhölzer. Kreuz und quer lagen sie durcheinander, als wir später mal nachschauten. Wo vorher dunkler Wald war, schien mir jetzt an vielen Stellen die Sonne ins Gesicht. Viele Wege waren von Stämmen und Ästen versperrt. Unser Wald sah plötzlich ganz anders aus. Ich kannte mich nicht mehr aus. Und mein Vater musste das ganze Bruchholz wegräumen lassen und billig verkaufen. Das hat gedauert. An Aufforsten war erst mal nicht zu denken.
Als ich dann im übernächsten Sommer mal mit meinem großen Bruder dort  war, haben wir mal genauer hingeschaut. Die neu entstandenen Lichtungen waren nicht frei geblieben. Da waren neue Pflanzen gewachsen, überall. Pflanzen, die es da vorher nicht gab. Viel Brombeergestrüpp natürlich. Aber auch Blumen und Kräuter dazwischen, und ein paar kleine Bäume, andere Bäume. Viele Birken. Hier ein kleiner Ahorn. „Und schau mal hier“, sagte er zu mir: „eine Eberesche“.
Mein großer Bruder hat mir dann erklärt, dass man heutzutage eher darauf achtet, was im Wald von selbst wächst, und dass man eher von daher entscheidet, was man dort anpflanzt. Dass es vielleicht gar nicht so gut ist, nur Fichten anzupflanzen. Weil die einem starken Sturm nicht standhalten, und weil so ein Wald an sich noch viel mehr hergibt als nur eine einzige Baumart. Man muss dann halt nur ein paar Jahre länger warten, bis die Bäume groß sind. Das hat mir eingeleuchtet.

Ich habe gestaunt, wie sich unser Wald verändert hat. Er war nun ganz anders, das war schon schade, aber es war auch faszinierend, was da an Neuem entstand. Ganz von selbst waren hier ganz unterschiedliche Pflanzen gewachsen. Alles war viel bunter. Unser Wald war jetzt ein ganz anderer. Und das war tatsächlich auch ganz gut so.
Da habe ich vielleicht zum ersten Mal verstanden, dass die Welt nie so bleibt, wie sie ist. Nicht nur unser Wald verändert sich. Auch alles andere bleibt nie, wie es ist. Und es ist tatsächlich auch gar nicht schlimm, wenn Altes vergeht, auch wenn das vielleicht ganz schön war und ich gerne darin gelebt habe. Dinge gehen vorbei, Dinge gehen kaputt, Dinge gehen verloren – und es kommt wieder Neues. Andere Dinge als früher. Gute Dinge, die Gott für mich schon im Blick hat. Aber ich muss das Gute auch sehen wollen. Ich darf nicht an der Erinnerung an früher kleben bleiben und denken, dass es nie wieder so schön wird wie damals. Dann verpasse ich völlig, was das Neue, das Gott mir schenkt, für mich an Gutem bereithält.
Und schon gar nicht darf ich denken, dass die Welt sowieso nur den Bach runter geht und dass sowieso alles immer schlimmer wird. Das ist nicht das, was Gott über die Welt denkt. Denn es ist ja gerade Gott, der dafür sorgt, dass die Welt sich immer wieder verändert. Und er ist es auch, der Neues schafft. Ich muss es nur sehen wollen. Deshalb sagt der Prophet Jesaja schon in ganz alter Zeit zu Israel, dem Volk Gottes, das nicht mehr in Israel lebte, sondern in Babel: „Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt, ihr´s denn nicht?“

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