/ Wort zum Tag

Esra 8,21

Bibelvers

"Und ich ließ dort am Fluss bei Ahawa ein Fasten ausrufen, damit wir uns vor unserm Gott demütigten, um von ihm eine Reise ohne Gefahren zu erbitten für uns und unsere Kinder und alle unsere Habe. ..."

Esra 8,21

Es ist eine schöne Gewohnheit, dass man vor einer Reise Gott um Schutz und Bewahrung bittet. Und eigentlich wollte ich jetzt etwas über den Nutzen solcher schönen Gewohnheiten sagen. Aber dann habe ich diesen Vers mal in der Bibel nachgelesen, wie er im Buch Esra steht. Und auch noch den folgenden Vers, und habe gestaunt. Da steht nämlich:

„Und ich [also Esra] ließ dort am Fluss bei Ahawa ein Fasten ausrufen, damit wir uns vor unserem Gott demütigten, um von ihm eine Reise ohne Gefahren zu erbitten für uns und unsere Kinder und alle unsere Habe. Denn ich schämte mich, vom König Geleit und Reiter zu fordern, um uns auf dem Wege vor Feinden zu helfen. Denn wir hatten dem König gesagt: Die Hand unseres Gottes ist zum Besten über allen, die ihn suchen, und seine Stärke und sein Zorn gegen alle, die ihn verlassen.“

Aha. Der Priester Esra pflegt hier nicht nur eine schöne Gewohnheit. Hier geht es ans Eingemachte. Esra hat vor dem persischen König von der Macht und Stärke Gottes erzählt, der viel größer ist als alle Götter der Perser. Und jetzt kommt es drauf an, ob das nun auch wirklich wahr ist oder nicht. Da steht er, der Priester, mit hunderten von Menschen, die er auf eine lange Reise durch gefährliches Gebiet führen soll. Sie sind alle eher mangelhaft dafür ausgerüstet. Und Esra merkt, dass er sich mit diesem tollen Zeugnis vor dem König ein ganz schön großes Ei gelegt hat. Der König würde ihm ja militärische Begleitung mitgeben. Das wäre angesichts der Route sicher auch ganz sinnvoll. Aber – wie würde das denn aussehen? Wenn Esra erst sagt, dass sein Gott ihn beschützt, und dann doch wieder auf die Hilfe des Königs und seiner Streitmächte zurückgreift, dann kann ja nicht so viel dran sein an seinem Gott.

Tja, es sagt sich so leicht, dass unser Gott ein großer Gott ist. Wie oft habe ich schon Lieder gesungen, in denen es heißt, dass Gott stark und mächtig ist und Wunder tut. Und dann? Wie oft war ich schon froh, dass das wieder keiner mitgekriegt hat? Das erspart mir peinliche und heikle Situationen wie die, in der sich Esra hier befindet. Oder wann hat mich zum letzten Mal jemand gefragt, wo denn nun mein starker Gott ist? Und hat jemand genau hingeschaut, wie ich mich denn jetzt verhalte, wo ich doch an diesen Gott glaube?

Esra macht in dieser Situation jedenfalls das einzig Richtige: er betet, und alle seine Leute beten mit. Denn wenn Gott nicht der starke und mächtige Gott ist, als den Esra ihn verkündigt, dann begeben sie sich alle gleich in höchste Lebensgefahr. Dann ist ihre Reise gefährlicher Leichtsinn, das reinste Himmelfahrtskommando. Ich kann mir vorstellen, wie Esra hier zweifelt und sich fragt, ob er sich da nicht in etwas verrannt hat und ob er nicht doch den König um Geleit bitten soll. Aber nein, er demütigt sich nicht unter den König, sondern unter Gott. Er setzt alles auf eine Karte: Entweder gibt es Gott und er hört uns, oder wir sind wahrscheinlich bald alle tot. Und was jetzt hier gebetet wird, sind sicher keine Gebete aus Gewohnheit. Jetzt wird aus tiefster Seele Gott angefleht.

„Und er erhörte uns“, heißt es noch einen Vers weiter. Esra und seine Leute kommen heil in Jerusalem an. Gott hat sie auf der Reise vor Feinden und Wegelagerern bewahrt. Die Gebete sind erhört , Esras Vertrauen ist belohnt worden. Gott gibt es wirklich.

Esra hat viel riskiert, in der Tat. Aber ein Stückchen von seiner Kühnheit wünsche ich mir doch auch.

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