/ Wort zum Tag

Kolosser 2,14

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

„Gott hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet“.

Kolosser 2,14

 „Dead man walking – Sein letzter Gang“ heißt ein amerikanischer Film von 1995. Er entstand nach wahren Begebenheiten, die die Ordensschwester Helen, gespielt von Susan Sarandon, in ihrem gleichnamigen Buch schildert. Sean Penn als Matthew Poncelet, gemeinsam mit seinem Freund wegen Vergewaltigung und Mordes an einem jugendlichen Paar angeklagt, steht die Todesstrafe bevor. In der Begegnung mit der Nonne, die Poncelet begleitet, steht neben der Auseinandersetzung mit der Todesstrafe die Frage nach Schuld und Umkehr im Vordergrund. Um die Auseinandersetzung mit der Schuld geht es auch Paulus im Brief an die Christen in Kolossä. Er schreibt: „Gott hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet“. Ich frage: Kann so eine Schuld überhaupt vergeben werden? Zwei junge, hoffnungsvolle Leben – brutal ausgelöscht. Und dabei bleibt es ja nicht. Zwei Familien sind zerstört. Freunde, Bekannte bleiben ohne Antwort auf drängende Fragen zurück. Und der Todeskandidat ist sich noch nicht einmal seiner Schuld bewusst. Er findet immer neue Argumente und Ausreden.

Aber so einfach ist es nicht mit der Vergebung. Es gibt nämlich einen Schuldbrief, eine Urkunde gewissermaßen, auf der genau eingetragen wurde, was passiert ist. Hier steht es schwarz auf weiß: „Das hast du getan und das ist deine Strafe dafür.“ So war es auch mit dem Schuldbrief von Matthew Poncelet. Gottes Vergebung ist nicht billig zu haben. Sie ist kein Blanko-Scheck. Schwester Helen konfrontiert den Todeskandidaten mit der Botschaft Jesu Christi. Sie ist auf diesem schweren Weg an seiner Seite. Aber sie bleibt beharrlich und lässt nicht locker, bis er sich mit seiner Tat und seiner Schuld auseinandersetzt. Es ist ein schwerer Kampf bis der Todeskandidat sich seinen eigenen Ängsten und der Wahrheit stellen kann. Schließlich aber kann Poncelet im Angesicht des Todes die Eltern der Opfer um Vergebung bitten. Und er kann Gott im Gebet um Vergebung bitten. „Du bist ein Sohn Gottes“, sagt Schwester Helen zu ihm, „und diese Würde kannst du niemals mehr verlieren, auch nicht durch das Sterben in der Todeszelle“. 

„Gott hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war.“

Der Bibelvers aus dem Kolosserbrief bringt zum Ausdruck: Ja, das ist möglich. Gott vergibt – auch da, wo Menschen es nicht mehr können. Wo die Kraft zur Vergebung bei den Angehörigen nicht mehr ausreicht, da ist seine Kraft noch lange nicht am Ende.

Und nun ist der Schuldbrief zerrissen. Er ist ans Kreuz geheftet, wohin Jesus Christus alle Schuld der Welt mitgenommen und auf sich genommen hat. Die Forderungen sind getilgt.

Die eigene Schuld einzugestehen, das fällt keinem Menschen leicht. Auch wenn es um weniger Gravierendes als in dem Film „Dead man walking“ geht. Erfahrungen mit Neid oder mit Taten und Worten, die andere verletzen, habe ich aber auch schon mehrfach gemacht. Sich der Wahrheit zu stellen, „Ja“ dazu zu sagen, dass hier etwas grundlegend falsch gelaufen ist, sich nicht in Ausflüchten und billigen Argumenten für die eigene Unschuld zu verlieren, darauf kommt es an. Und wer durch so einen Kampf hindurch gegangen ist, wer vor anderen und vor Gott zu seinem Fehlverhalten stehen kann, der erkennt erst wirklich, was es heißt, dass der Schuldbrief getilgt ist.


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