/ Wort zum Tag

Jeremia 31,16

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

„Lass dein Schreien und Weinen und die Tränen deiner Augen; denn deine Mühe wird noch belohnt werden, spricht der Herr.“

Jeremia 31,16

Es gab in der Tat reichlich Grund zum Schreien und Weinen und die Tränen in den Augen hatten sich nicht umsonst angehäuft. Im Jahr 587 vor Christi Geburt war die Stadt Jerusalem in Schutt und Asche gelegt worden und das jüdische Volk in die babylonische Gefangenschaft weggeführt. Dabei war das alles kein blind zuschlagendes Schicksal gewesen, sondern Folge einer endlosen Gleichgültigkeit dem lebendigen Gott gegenüber. Das Volk hatte die warnenden Worte aus dem Mund des Propheten Jeremia in den Wind geschlagen, ihn selbst gefangengenommen und misshandelt.  Israel hatte die berechtigten Drohungen Gottes einfach nicht wahrhaben wollen, bis es die Wirklichkeit dort im fernen Babylon eingeholt hatte. Gottes auserwähltes Volk geschlagen, geschunden, gefangen weggeführt und dazu das ständige Gefühl unsagbarer Gottesferne. „Wie könnten wir des Herrn Lied singen im fremden Land?“,  so klagten die Israeliten und verharrten in Selbstmitleid und nicht enden wollendem Jammer. Nein, die eigentliche Ursache ihrer  Niederlage, ihres Untergangs war nicht das falsch eingeschätzte Kräftespiel der politischen Lage gewesen, nicht einmal die hoffnungslose militärische Unterlegenheit, sondern schlichtweg:  sie haben die Gebote Gottes wieder und wieder missachtet, waren radikal ungehorsam gegenüber dem einen Gott. Hinter ihnen liegt die bittere Erfahrung: „Es geht ohne Gott in die Dunkelheit.“
Doch wo das Volk die Zukunftsperspektive verloren hat und in Schreien und Weinen verharrt, ist Gott noch nicht am Ende. Gottes Barmherzigkeit, seine Liebe, seine Güte finden Wege selbst,  wenn offensichtlich alles ausweglos erscheint. Gott will nicht unseren Untergang, er will unser Leben. Gott verspricht, dass er das ungehorsame Volk, das jetzt noch in der Zerstreuung lebt, wieder zusammenführen und ihm Sicherheit und neues Leben schenken wird. Und dieses soll nicht klammheimlich und ganz im Stillen geschehen, sondern vor den Augen der ganzen Welt soll Israel wieder in die Heimat zurückkehren. „Deine Mühe soll noch belohnt werden“, spricht der Herr.
Gerade in diesen Tagen und Wochen denken wir daran, dass Gott unserem Volk solch einen grundlegenden Neuanfang ermöglichte.  Deutsche hatten Krieg geführt und eine unsagbar große Schuld auf  sich geladen. Nur äußerst wenige hatten den Mut zum Protest gegen das grauenhafte Unrecht der Nazis gehabt. Eine 40-jährige Gefangenschaft für einen großen Teil Deutschlands folgte. Viele Tränen wurden geweint. Zerrissenheit und Elend gab es zuhauf. Doch dann das völlig Überraschende: die trennende Mauer fiel, ohne Frage ein Wunder. Die Großmächte einigten sich und plötzlich wurde der Weg zur deutschen Einheit frei. Das alles war kein Verdienst des deutschen Volkes, letztlich auch nicht einzelner Politiker. Es war die Gnade des Neubeginns. „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Dies gilt auch 25 Jahre nach dem Fall der Mauer.
Aber auch jedem einzelnen unter uns will Gott Hoffnung und Zuversicht ins Herz legen.“ Lass dein Schreien und Weinen und die Tränen deiner Augen.“ Dies gilt auch
heute für uns. Gott will nicht unseren Untergang, er will auch unserem Leben Glanz und Hoffnung schenken, und das trotz aller unserer Schuld, trotz aller Gottesferne, trotz manchen geschossenen Selbsttores. Es bleibt gültig, was der Prophet Jesaja im Blick auf den von Gott gesandten Erlöser in die Worte fasst: “Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ Dieser Heiland und Erretter hat all unsere Lasten auf sich genommen und er wird einmal all unsere Tränen von unseren Augen abwischen. Er hat uns zugesagt: “Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ Dies ist Grund genug, mit Zuversicht und voller Gottvertrauen dankbar nicht nur in diesen Tag zu gehen. Es ist und bleibt wahr: „ Es geht ohne Gott in die Dunkelheit, aber mit ihm gehen wir ins Licht.“  Amen.
 


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