/ Wort zum Tag

Hiob 2,11.13

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

"Als die drei Freunde Hiobs all das Unglück hörten, das über ihn gekommen war, kamen sie und saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war."

Hiob 2,11.13

„Du warst einfach da. Und das hat mir gut getan“. Mitten im Schmerz jemanden zu spüren, der mit mir aushalten will und nicht davonläuft und sich nicht davor schützen will. Oder zu schützen braucht. Der keine Erklärungen abgeben muss und nichts beschwichtigen. Der das Echo, das ein Schmerz im Gegenüber auslöst, annehmen kann. „Du warst einfach da. Bist nicht geflohen vor meiner Angst“. Wie gut.

Im Buch Hiob wird berichtet, wie drei Männer ihrem Freund Hiob beigestanden haben. Beeindruckend beigestanden haben. In Hiob, Kapitel 2, die Verse 11 und 13, wird festgehalten: „Als die drei Freunde Hiobs all das Unglück hörten, das über ihn gekommen war, kamen sie und saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war“.

Da sein. Aushalten. So lange. Das kann über die Kräfte gehen. Aber sieben Tage und sieben Nächte. Das ist beispielhaft. Dann aber brechen die Freunde ein. Sie reden auf Hiob ein und wollen ihn überzeugen, dass er selbst Ursache seines Leidens sei und dass in dieser Einsicht, die Lösung seines Leidens zu finden sei. Sie versuchen ihn, in ihre Deutung seines Leidens hineinzuziehen. Wem Leid zustößt, der hat die Ursachen bei sich selbst zu suchen, meinen sie. Oder er hat eine Prüfung anzunehmen.

Warum nur schwenken die Freunde um und verlassen die sieben Tage und sieben Nächte?

Vielleicht brauchen sie jetzt auch Schutz. Schutz findet man zum Beispiel in Erklärungen, Theorien, Deutungen. Da gibt es einen Sinn. Mit dem Sinn kann man es besser aushalten. Vielleicht. Sie wollen sich und den Hiob retten in etwas, was Sinn macht und darin Halt gibt.

Hiob muss alle Kraft aufwenden, diesen Weg zurückzuweisen. Am Ende spricht Gott. Spricht sich dem Hiob zu und weist die Sinnkonstruktionen der Freunde zurück.

Mich beschäftigen diese drei Freunde, die zunächst ohne große Reden aushalten. Ich will das würdigen. Und es wird im Bibelwort ja auch ausdrücklich festgehalten. Wie lange kann man schutzlos dem Leid ins Gesicht schauen? Muss man nicht auch nach Erklärungen suchen?  Muss man nicht auch zu Leitlinien zurückfinden, mit denen man sich aus dem tiefen Betroffen-Sein lösen kann?  Ist der Weg, den die Freunde gehen, nicht verständlich nach so langem Schweigen ?

Ja, nur zu verständlich. Und doch kommen mir Menschen in den Sinn, die ihre festen Grundüberzeugungen hinten angestellt haben und sagten: „Für dich würde ich auch etwas gegen meine feste Überzeugung tun“. Einfach, weil es jetzt dran ist und tun, was die Liebe nahelegt. Mitten im Leben auf Herausforderungen stoßen, die durch nichts zu lösen sind außer durch konkretes Hinwenden,  Da-sein und Mit-sein.

Wie gut, dass von Gott selbst später im Hiobbuch berichtet wird.  Er stellt sich auf die Seite des Hiob. Er steht da, wo die Freunde nicht mehr aushalten konnten.  Er steht da, wo die Liebe Spannungen nicht auflösen kann und will. Und auch das ist keine Regel.  Aber es macht denen Mut, die keine Ruhe finden können mit allem, was sich an Erklärungen anbietet. Die bei einem geliebten Menschen aushalten und dem Undurchschaubaren standhalten wollen einfach mit Liebe.


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