/ Wort zum Tag

4. Mose 6,25

Bibelvers

„Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig!“

4. Mose 6,25

„Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig!“ – Ein wunderbarer Wunsch, gerade am Morgen, bevor der Alltag beginnt. Was Sie heute auch erwartet, Gott sei mit ihnen, so wie es in 4. Mose 6,25 steht.

Aaron, Bruder Moses und Priester, segnete einst das Volk Israel auf seiner Wanderschaft von Ägypten ins Land Kanaan und sprach allen zu, dass Gott ihnen gnädig sei. Gnade für den langen Marsch durch wüstes Land.

Ich brauche Gnade für meine Wanderungen durch meine Wüsten. Mein Leben lang, bis ich in meinem Kanaan angekommen bin. Kanaan bedeutet für mich als Christin selbstverständlich nicht das Land Israel. Meine Wanderung endet, einfach gesagt, im himmlischen Kanaan. Da, wo Gott alles sein wird, wonach sich ein Mensch sehnt. Wo es kein Leid und kein Kriegsgeschrei mehr geben wird. Wo man sich liebt und nicht mehr tötet, weder für den eigenen Glauben noch für Geld. Wo man vergisst, dass man weinen musste. Wo Freude herrscht und nicht die Angst. Denn hier und jetzt ist eine andere Zeit. Hier und jetzt herrschen unerlöste, oft unmenschliche Menschen. Deshalb braucht die Welt Gnade. Und abgesehen von den weltweiten Gewalttätern und deren großen Kriegen - die kleinen Welten der Familie und Nachbarschaft oder der Arbeit können auch in friedlichen Ländern zum privaten Kriegsschauplatz werden. Auch deshalb braucht die Welt Gnade.

In einem Gespräch mit meinem damaligen Chef kamen wir auf langjährige Lebensgemeinschaften und Ehen. Ich erwähnte, dass meine Schulkameraden von einst teilweise schon zweimal geschieden sind. Aber ich würde auch „Dinosaurier-Ehen“ kennen, also Paare, die es 25 oder gar 50 Jahre miteinander ausgehalten haben. Lebensgemeinschaften mit Seltenheitswert. „Ich bin schon 33 Jahre mit meinem Mann zusammen“, so meine Schlussbemerkung. – Das hätte ich nicht sagen sollen! Denn mein Chef war schon einmal geschieden und seine jetzige Frau war sterbenskrank. Ich suchte das berühmte Mauseloch, stand da und schämte mich. Wie konnte ich nur! Wie taktlos! – Und keine Löschtaste! Gesagt ist gesagt!

Mein Chef aber blieb gelassen. Er antwortete: „Ja, Rositta, so ist das Leben! Den einen gelingt es, den anderen nicht und bei den dritten schlägt das Schicksal zu.“

„Gott lasse sein Angesicht über meinem einstigen Chef leuchten und sei ihm gnädig!“ – So segne ich ihn heute immer noch. Ich glaube, das wirkt. Ich habe in meinem Christenleben gelernt, Menschen zu segnen. Das dürfen wir. Direkt und ohne Umwege.

„Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig!“ – Dieser Segenswunsch hat etwas Tröstliches, Mut machendes. Besonders Kinder empfinden das wohl so. In einem Kindergottesdienst ging es um den Segen Isaaks an seinen Söhnen Jakob und Esau. Die waren Zwillinge. Esau war der ältere von ihnen, wenn auch nur um ein paar Minuten. Als der ältere stand ihm der Segen des Vaters zu und damit auch das Erbe. Was macht Jakob, der jüngere der Beiden? – Er überlistet Vater Isaak und erschleicht den Erstgeburtssegen vor seinem Bruder Esau. Der merkt das zu spät und geht leer aus. Bitterlich weinend fleht er seinen Vater an, ihn doch auch noch zu segnen. „Hast du denn gar keinen Segen mehr für mich übrig?“, fragt er verzweifelt. Vater Isaak ist untröstlich, aber mehr als einen Erstgeburtssegen hat er nicht zu vergeben. Als moderner Mensch denke ich: Warum denn? Warum nicht auch den Esau beschenken? Wer verbietet denn, die Zwillinge gleich zu behandeln? – Das verbietet das damalige Verständnis vom Segnen. Es wurde ernst genommen. Mit seiner Wirkung wurde gerechnet. Die Menschen im Alten Testament verließen sich darauf.

Und genau das verstanden die Kinder in meinem Kindergottesdienst. Zum Schluss bildeten wir einen Kreis. Mit großem Ernst stellten sie sich einzeln in den Kreis. Wir anderen berührten sie und ich sprach den Segen, den Aaron schon vor einigen tausend Jahren gesprochen hat: „Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“

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