/ Wort zum Tag

Psalm 27,1

Bibelvers

Der Herr ist mein Licht und mein Heil.

Psalm 27,1

„Nicht schon wieder!“ … seufzte ich, als ich die heutige Tageslosung zum ersten Mal las. Viermal im Jahr spreche ich das Wort zum Tag. Und jedes zweite Mal – so mein Bauchgefühl – geht es um Angst und Furcht, und darum, dass ich mich mit Gott nicht mehr fürchten muss.

Diesmal wird das mit Worten aus Psalm 27,1 gesagt:
„Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?“.

So beginnt dieser Psalm. Er ermuntert Bedrängte und Bedrückte, ihre Sache vor Gott zu bringen. Der Schlussvers unterstreicht das nochmals: „Harre des Herrn. Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn.“

Auch von Feinden ist in diesem Psalm die Rede. Da heisst es etwa: „Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde.“

Ich habe Glück. Ich gehöre weder zu den Bedrängten noch zu den Verfolgten. Ich muss mich momentan wirklich vor niemandem fürchten. Gott sei Dank. Und doch fürchte ich mich. Gerade jetzt.

Davor, dass ich zwar dieses Wort zum Tag spreche, aber eigentlich nichts zu sagen habe. Jedenfalls nichts, was Sie heute irgendwie ermutigt, stärkt oder zum Nachdenken bringt. Ich fürchte mich davor, dass diese vier Minuten für Sie letztlich nur Zeitverschwendung sind.

Dahinter steckt wohl eine viel grundsätzlichere Furcht. Jene, dass mein Reden und Handeln, ja mein Leben und Sein, letztlich wirkungslos verpufft, dass es nicht mehr als ein Haschen nach Wind ist. Nett und gut gemeint, aber letztlich ohne Bedeutung.

Das ist eine Furcht, die mich persönlich als Mensch, Christ und Pfarrer immer wieder umtreibt. Dabei geht es nicht nur um mich und meine Mitmenschen, sondern auch um Gott. Ist mein Dienst für Gott wirklich mehr als ein Haschen nach Wind und einige nette Worte?

Vielleicht kennen Sie diese Furcht auch.

Psalm 27 beginnt aber gerade nicht mit der Furcht, sondern mit Gott. „Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?“ heisst es.

Dieser Herr ist für den Psalmbeter keine schwer fassbare Grösse, sondern „mein Licht und mein Heil“. Das ist ein starkes Bild für den Beter. Denn er kennt ja das Dunkle und Unheilvolle gut.

Die Feinde des Psalmbeters haben ein Gesicht. Seine Furcht hat Namen. Er könnte sie als sein Schicksal bezeichnen, denen er machtlos ausgeliefert ist. Stattdessen beginnt er: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil.“ Das ist seine Hoffnung, sein Halt. Das kommt zuerst. Der Beter zerrt seine Furcht vor den Feinden in dieses Licht. Immer wieder. Ins Licht, das Gott ist. Und das darf ich mit meiner Furcht auch tun.

Und wie der Psalmbeter darf ich glauben, dass das Heil, das Gott uns schenken will, dieser Furcht letztlich keinen Platz lässt.

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