/ Wort zum Tag

Psalm 81,2

Bibelvers

Singet fröhlich Gott, der unsre Stärke ist, jauchzet dem Gott Jakobs!

Psalm 81,2

Kann Fröhlichkeit, kann Dankbarkeit, kann Jubel eigentlich befohlen oder verordnet werden? So frage ich mich immer wieder, wenn ich Aufrufe dieser Art in der Bibel lese. Gerade die Psalmen sind voll davon. Wie auch das Wort zum heutigen Tag aus Psalm 81,2, wo es heisst: „Singet fröhlich Gott, der unsre Stärke ist, jauchzet dem Gott Jakobs!“ Kann man das so anordnen? Und kann man das befolgen, also auf Befehl fröhlich jauchzen?

Keine Frage – Gott gebührt die Dankbarkeit seiner Geschöpfe. Wir verdanken ihm alles: unser Dasein; alles, was wir zum Leben brauchen; Freunde; Bewahrungen; Führungen; die Erfahrung, selbst in schwierigsten Zeiten, nicht verloren zu gehen, sondern in seiner Nähe geborgen und getragen zu sein … Dennoch: Ich bin nicht immer in Stimmung zum fröhlich Singen und Jauchzen, nicht einmal an einem Sonntag wie heute. Und es kann sogar sein, dass mich ein allzu fröhlicher Moderator im Gottesdienst zunächst einmal erschreckt und abstösst. Nein, ich kann nicht jederzeit auf Befehl fröhlich in den Lobpreis Gottes einstimmen. Das geriete bisweilen ziemlich verkrampft und unecht, so dass Gott bestimmt auch keine Freude daran hätte.

Und doch glaube ich, dass der Psalmbeter 100%-ig Recht hat mit seiner Einladung: „Singet fröhlich Gott, der unsre Stärke ist, jauchzet dem Gott Jakobs!“ Nur brauche ich manchmal Zeit, um einen Zugang dazu zu finden. Es geht mir dann wie dem Dichter von Psalm 103, der sich selbst auffordern muss: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Es passiert so leicht, dass vieles von dem, was ich Gott verdanke, vergessen geht oder jedenfalls in den Hintergrund rückt. Sorgen, Pflichten und unerfüllte Wünsche dagegen drängen sich in den Vordergrund. Sie können fröhlichen, dankbaren Jubel im Keim ersticken. So wird es auch vom Volk Israel auf seiner Wüstenwanderung immer wieder erzählt: Wie oft hat das Volk wunderbare Hilfe durch Gott erfahren. Doch Und wie schnell das dann wieder vergessen war, wenn hinter der nächsten Kurve ein neues Problem auftauchte. Schon ging es wieder los mit Murren. - Diese Neigung zum Jammern und Klagen steckt auch in uns drin. Dagegen kommen wir nur an, wenn wir uns immer wieder neu bewusst machen, was wir Gott zu verdanken haben. Ein paar Minuten inne halten und für sich aufzählen, manchmal sogar aufschreiben: Dafür will ich Gott danken … und dafür … und dafür … So verschwinden – jedenfalls bei mir – innere Widerstände gegen das Loben und Danken. Und wenn ich dann anfange zu danken und zu singen, dann wächst auch die Fröhlichkeit. Und mit der Zeit kann sogar ganz natürlich und echt ein Jauchzer entstehen.

So habe ich gelernt, mit Aufforderungen zur Freude und zur Dankbarkeit umzugehen. Ich muss mir Zeit lassen, mir neu ins Bewusstsein rufen, was ich Gott alles verdanke. Dann ist das Wort zum heutigen Tag nicht mehr ein unmöglicher Befehl; es wird wird zur Einladung, die ich herzlich gerne annehme: „Singet fröhlich Gott, der unsre Stärke ist, jauchzet dem Gott Jakobs!“ Das zu tun, lohnt sich und lässt mich Gott tatsächlich als meine Stärke wahrnehmen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen fröhlichen Sonntag – voller Lieder und vielleicht sogar mit dem einen oder andern Jauchzer.

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