/ Wort zum Tag

Psalm 42,9

Bibelvers

"Am Tage sendet der Herr seine Güte, und des Nachts singe ich ihm und bete zu dem Gott meines Lebens."

Psalm 42,9

Ist das nicht wunderbar!? Der Beter erzählt davon, wie er Gott persönlich erlebt hat, nämlich voller Güte. Er bekennt: auf die Güte meines Gottes antworte ich mit Gebet und Lobgesang.

Gottes Güte gilt rund um die Uhr. Und beten darf ich Tag und Nacht. Vielleicht ist das Singen im Blick auf Begabung und Nachbarschaft eher eine Äußerung, die tagsüber ihren guten Platz hat. Aber natürlich kann ich immer summen, denn ein Lob-Lied verändert und trägt mich hindurch.

Wenn Sie nun heute gefragt würden, wie sich das mit der Güte Gottes verhält, ob man was davon spürt und falls ja, in welcher Weise? Was würden sie demjenigen antworten?

Das hier würde ich entgegnen: Zunächst freue ich mich, dass es wieder Tag wurde.
Ich bin froh, dass ich am Leben bin, staune über das Licht und die klare Luft.
Ein neuer Tag ist doch alles andere als eine Selbstverständlichkeit.
Und ein neuer Morgen, in einem Land wie dem Unseren, beginnt von den äußeren Umständen her in Frieden. Auf den meisten Frühstückstischen steht zudem die duftende Tasse Kaffee. Knusprige Brötchen, herzhaftes Brot liegen im Korb und Aufstrich gibt es genug. Ist das nicht schon allein ein Grund, ein Fest der Dankbarkeit zu feiern?!

So groß ist Gottes Güte, dass der Start in den Tag schon von den Lebensumständen her reich gesegnet beginnt! Nun ahne ich, dass manche gleich einwenden werden: Wie geht es den Kranken am Morgen? Wie den Schwachen? Den Ausgegrenzten? Denen, die ohne Arbeit sind?
Hat Gott vergessen, sich auch ihnen gütig zu zeigen?

Ich will einmal so darauf antworten:
Der äußere Frieden ist ein Abbild dessen, was der Herr in jedes Herz legen möchte. Nämlich die tiefe Gewissheit seines Namens. Und sein Name heißt im übertragenen Sinne: „Ich bin mit dir!“ Ich bin bei dir. Heute. Jetzt. Bis zuletzt. Komme, was mag. Du bleibst nicht allein. Du bist nicht vergessen. Worauf du dich verlassen kannst.

Eine ältere Frau erzählt aus ihrem Leben. Es ist eine Geschichte von Einsamkeit, Trauer. Ärztliche Behandlung brachte zwar den Teilerfolg, das Leben wieder in den Griff zu bekommen. Aber es fehlte die Freude. Der Sinn war noch „hinter einer hohen Mauer“ – wie sie sich ausdrückte – verborgen.

Dann hielt eines Tages der Möbelwagen vor dem Haus. Eine junge Frau zieht ein. Fleißige Helfer trugen alles herein, bauten auf, bohrten, hämmerten bis alles fertig war.
Am Abend zog auch die Ruhe ein.
Doch im Treppenhaus hört man ein leises Schluchzen. Sie, die in diesem Hause schon viele Jahre lebt, fasst sich ein Herz und klingelt bei ihrer jungen Nachbarin. Zuerst im Türrahmen, später drin, auf dem Küchenstuhl, schüttet diese ihr Herz aus. Wie schlimm das Heimweh sei, wie groß die Angst vor dem, was jetzt mit der Ausbildung beginnen würde -  hier, in der fremden Stadt.

Beide trinken einen Tee. Die alte Dame fasst nach der Hand der Verzweifelten und sagt:
„Ich bete für Sie!“ Sie guckt erstaunt: „Beten? Das hat noch niemand für mich gemacht.“

Aus jener ersten Begegnung wird eine lange Freundschaft. Heute meint die Schülerin von damals, ihre Nachbarin sei wie ein Engel gewesen. „Engel sind Gottes Güte zum Anfassen!“ spricht sie überzeugt. Und die ältere der beiden Freundinnen meint: „Seit ich Sabine kennengelernt habe, hat mein Leben wieder einen Sinn. Gottes Güte braucht Helfer. Ich freue mich, gebraucht zu sein.“

Heute sitzen die beiden Frauen oft noch spät am Abend zusammen und reden über den Tag, danken und beten gemeinsam. Und dann kann es auch sein, dass aus der kleinen Wohnung im 1. Stock ein Lied zu hören ist. „Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen...“

Der strenge Hausmeister bleibt auf dem Treppenabsatz stehen. Er sorgt für Ruhe und Ordnung.  Aber jetzt lauscht er – und -  ein Lächeln huscht über sein Gesicht. 

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