/ Wort zum Tag

Matthäus 25,45

Bibelvers

„Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan."

Matthäus 25,45

Zuweilen hört man Berichte über Nahtoderfahrungen. Ein öfter wiederkehrendes Element sind Erzählungen davon, dass das ganze Leben wie in einem Film vor Augen abläuft. Und dem vergleichbar berichtet Matthäus vom letzten Gericht. In seinem „Film“ werde ich gewahr, was ich versäumt habe. Was soll das sein? Ich habe mich doch bemüht, ein ehrliches und anständiges Leben zu führen. Doch davon wird im Matthäus-Evangelium berichtet, dass ich sehen muss, was ich den Geringen, ja, den Geringsten gegenüber nicht getan habe.
Da können mir viele einfallen: die eine Milliarde von Menschen, die auf der Schattenseite des Globus leben. Oder die vielen Arbeitslosen und an den Rand Gedrängten.
Da treten aber auch die auf, die beklagen, dass ich mir keine Zeit für sie genommen habe.
Aber es könnte mir auch passieren, dass ich die Geringsten in mir entdecken werde. Da steht zum Beispiel mein Körper vor mir, den ich ohne Maß gefordert habe, mir seine Kräfte zu opfern und den ich ohne Rücksicht mit dem vollgestopft habe, was mir Spaß zu bringen versprach.
Da tritt meine Seele auf, der ich keine Ruhe gegönnt habe, sondern unruhig von Ziel zu Ziel, von Erlebnis zu Erlebnis geeilt bin und ihr leises Sehnen nach Innehalten, nach Stille und Gebet nicht wahrgenommen habe.
Da beklagt sich mein Geist, dass ich ihm keine Wahrheit gegönnt habe, weil ich die Grenzen, die sie setzt, gescheut habe. Ach, es können so viele Versäumnisse sein. Vielleicht erfährt jemand gerade jetzt, wie eines von diesen Versäumnissen aus der Erinnerung hervorsteigt.
Doch wie kann ich nur so viel versäumen, obwohl ich ein aufrichtiges Lebens führen will? –

Ich habe bei Martin Luther eine tiefgründige Antwort gefunden, warum wir Menschen so schnell und so leicht gerade die Geringsten übersehen, verkennen und ihnen gegenüber das Gebotene versäumen. Luther gibt die Antwort seinem Fürsten in der Auslegung des Lobgesangs der Maria, des Magnifikat:
„Was also Maria sagen will, ist das: `Gott hat auf mich armes, verachtetes, unansehnliches Mägdlein gesehen, und hätte doch wohl reiche, hohe, edle, mächtige Königinnen gefunden, Töchter von Fürsten und großen Herren. Er hätte doch wohl des Hannas oder Kaiphas Tochter finden können, welche die Obersten im Lande gewesen wären; aber er hat auf mich seine Augen voll lauterer Güte geworfen und so eine geringe, verschmähte Magd dazu gebraucht.“ (WA 7, 560f).
“Aber die Welt und die Menschenaugen tun das Gegenteil, sie sehen nur über sich, wollen unbedingt hoch fahren ... Das erfahren wir täglich, wie jedermann nur über sich (hinaus) zur Ehre, zur Gewalt, zum Reichtum, zur Gelehrsamkeit, zu gutem Leben und allem, was groß und hoch ist, hinstrebt. Und wo solche Menschen sind, denen hängt jedermann an, da läuft man (hin)zu, da dienet man gern, da will jedermann sein und der Höhe teilhaftig werden ... Umgekehrt will niemand in die Tiefe sehen, wo Armut, Schmach, Not, Jammer und Angst ist, davon wendet jedermann die Augen ab. Und wo solche Leute sind, davon läuft jedermann weg, da fliehet, da scheuet, da (ver)lässt man sie und denkt niemand (daran), ihnen zu helfen, beizustehen und zu machen, dass sie auch etwas sind.“ (WA 7, 547)
Das also ist es – der verkehrte Blick nach oben, der uns die Augen für das verschließt, was zum Geringsten zählt. Doch wie kann ich mich ändern, dass ich wieder das Geringste wahrnehme und ihm gerecht werde? Die Antwort ist verblüffend einfach! Indem ich den Herrn allezeit vor Augen habe und ihm folge, dem Herrn, der seinen Weg bis heute in Niedrigkeit geht und dort die Herrlichkeit Gottes entfaltet.

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