/ Wort zum Tag

1. Johannes 1,8-9

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

„Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt.“

1. Johannes 1,8-9

Mit dem Thema „Sünde“ ist das heute so eine Sache. Viele Menschen kennen das Wort nur noch aus sehr speziellen Zusammenhängen. Natürlich wissen wir um die Verkehrssünderkartei in Flensburg. Überhaupt ist uns das Wort „Verkehrssünder“ durchaus geläufig. Aber sonst? Eher sagen wir manchmal, dass es ja eine Sünde sei, dies oder das z. B. nicht zu essen. Aber ansonsten? Das Wort ist uns fremd geworden. Für viele Menschen hat es keine Bedeutung mehr.
Nun sagt aber die Bibel, dass wir uns selbst betrügen, wenn wir meinen, dass wir ohne Sünde sind. Das klingt so ganz anders. Und anders ist es auch, wenn wir die Wortbedeutung des Wortes „Sünde“ betrachten. Das Wörterbuch, das mir zugänglich ist, beschreibt die Sünde als „Notstand des Seins“. Andere leiten das Wort „Sünde“ von „Sund“ ab. Ein Sund ist eine Meerenge, die zwei Landmassen voneinander absondert oder trennt. So würde Sünde die Absonderung, die Trennung des Menschen von Gott meinen.
Beide Möglichkeiten der Deutung des Wortes sind aufregend aktuell. Denn das meint die Bibel wirklich: Die Ursünde des Menschen ist seine Absonderung, seine Trennung von Gott. Er wollte und will immer wieder Gott los sein, einfach gottlos. Er will selbst wie Gott sein. Und das, so sagt es nun die andere Deutung, hat zur Folge, dass sein Sein gefährdet ist, dass seine ganze Existenz in Gefahr ist.
Wir leben heute in der großen Gefahr, die Sünde zu verdrängen oder sie zu verharmlosen. Dabei ist sie allgegenwärtig. Der Aufruhr des Menschen gegen Gott ist keine Sache von gestern. Wir sehen täglich, wie Gottlosigkeit um sich greift und auch den christlichen Glauben bedroht. Wie Menschen meinen, sie könnten ihr Leben auch ohne Gott leben. Viele Menschen, auch in unserem Land, haben, wie es jemand treffend gesagt hat, „vergessen, dass sie Gott vergessen haben“. Viele lehnen sich auch selbstherrlich auf gegen sein Wort oder deuten es um.
In unserem Bibelwort steckt aber noch mehr drin. Johannes sagt uns, dass wir Christen uns hier nicht ausnehmen dürfen. Auch wenn wir an Christus glauben, sollen wir nicht denken, die Macht des Bösen würde einfach so an uns vorbei gehen und uns aussparen. Auch wir Christinnen und Christen sind gefährdet. Auch wir vergessen oft genug, dass wir einen Gott haben, der unser Lob, unsere Wertschätzung und unseren Gehorsam will. Auch wir neigen dazu, nur auf unsere eigene Kraft zu vertrauen.
Was tun, um diesen Gefahren zu entgehen? Der Evangelist Johannes sagt, dass es darum gehen muss, die eigene Sünde vor Gott zu bekennen und Vergebung zu erbitten. Denn das ist ja Gottes Angebot, um aus der Existenznot herauszukommen. Jesus ist am Kreuz gestorben, damit uns vergeben werden kann. Wer sich an ihn hält, der empfängt Vergebung. Der muss sich nicht mehr ängstigen, denn er ist mit Gott im Reinen. Das gilt grundsätzlich für jeden, der mit Gott wieder klar kommen will. Es gilt aber auch für uns Christen, die wir im Glauben stehen.
Ich habe das sehr persönlich erlebt, viele Jahre lang. Ich hatte einen wunderbaren Seelsorger; zu dem bin ich drei- oder viermal im Jahr gefahren. Da hatten wir dann Zeit zum Gespräch. Da konnte ich bekennen, wo ich Gott und Mitmenschen gegenüber versagt hatte. Am Schluss so eines Treffens haben wir dann nebeneinander gekniet und gebetet. Und dann, ganz am Schluss, hat er mir die Vergebung der Sünden zugesprochen. Das waren immer wieder heilige Momente für mich.
Ich wünsche uns, dass wir Menschen aufsuchen und in Anspruch nehmen, die diesen seelsorgerlichen Dienst an uns tun. Ich wünsche uns, dass wir in unseren christlichen Gemeinden und Gruppen Räume dafür schaffen, dass Sünde bekannt und vergeben werden kann. Ich wünsche uns, dass wir Angebote der Stille und Einkehr, die es im Lande Gott sei Dank gibt, wahrnehmen. Damit unsere Schultern leicht werden und wir aufatmen können.
 


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