/ Wort zum Tag

2. Korinther 4,7

Bibelvers

"Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns."

2. Korinther 4,7

Vor ein paar Tagen erst bin ich wieder daran vorbeigekommen. In meiner näheren Umgebung ist ein neues Fitness-Studio eröffnet worden. Und wenn ich mit dem Auto einen Moment anhalte, dann kann ich einige Leute sozusagen bei der Arbeit sehen, direkt hinter der Glasscheibe im zweiten Stock eines Neubaus. Sie probieren die neuen Geräte aus und lassen den Schweiß fließen. Und das alles, um Kraft zu tanken, Kraft für den Arbeitstag, Kraft, um fit zu bleiben, Kraft, um gut auszusehen.
Ich habe gar nichts dagegen, wenn ich das sehe. Ich denke dann an meine eigenen Übungen, die ich seit fast 10 Jahren in einem ähnlichen Studio mache. Die helfen mir, dem schleichenden Muskelabbau, dem wir ja alle im Laufe unseres Lebens unterworfen sind, etwas entgegenzusetzen.
Das ist alles gut und hilfreich. Aber etwas anderes beschäftigt mich auch, und das kommt mir, wenn ich das Bibelwort anschaue. Es könnte ja sein, dass wir in unserem Leben allein auf unsere Kraft bauen. Dass Fitness sozusagen zum Götzen wird. Dass ich fast nur noch um das Thema kreise, wie ich meine Kraft vergrößern und ein regelrechter Muskelmann werden kann. „Hauptsache fit und gesund“, heißt eins der Leitworte unserer Zeit.
Dem setzt der Apostel Paulus eine Menge entgegen. Sicher hätte er, wenn es damals solche Studios gegeben hätte, auch so eins besucht. Aber er weiß noch um eine andere Dimension. Er überschaut das ganze Leben, und nicht nur eine bestimmte Phase. Er ist sich bewusst, dass, was auch immer ich dagegen tun will, unser irdischer Körper keinen ewigen Bestand hat. Im Laufe der Zeit kommen auch für den fittesten Menschen harte Zeiten der Neuorientierung, wenn er nämlich merkt, dass die eigene Kraft trotz aller Bemühungen kleiner wird. Ja, „irdene Gefäße“, das sind wir, zerbrechliche Wesen, die nur eine Zeit lang aus der eigenen Dynamik und Kraft leben können.
Aber diese Erkenntnis macht Paulus nicht resignativ! Als er das Bibelwort, das wir hier vor Augen haben, aufschrieb, war er so um die 55 Jahre alt. Er hatte eine Menge an Entbehrungen hinter sich. Und immer mal wieder meldete sich wohl eine Krankheit bei ihm, die einfach nicht wegzukriegen war. Er wird auch gemerkt haben, dass die eigene Kraft allmählich abnahm. Aber was setzt er dieser Einsicht entgegen? Was oder wer bewahrt ihn vor der Resignation?
Paulus hat gemerkt: Da ist ja noch ein anderes Potential, eine andere Kraftquelle. Die Einsicht in die eigenen abnehmenden Kräfte hat ihm die Tür geöffnet zu der anderen tieferen Einsicht, dass ja Gott mit seiner Kraft da ist, dass da der gute Heilige Geist ist, dass da Jesus ist. Und dass diese Kraft viel größer ist als die, die wir uns in Fitness-Studios aneignen können.
Ich muss an meine Schwester denken. Eine Querschnittlähmung hat sie vor fast zehn Jahren total aus der Bahn geworfen.  Diese hoch mobile und ungemein leistungsstarke Frau musste in den Rollstuhl. Dass da viele Körperfunktionen nicht mehr gingen, war offensichtlich. Aber es wuchs etwas anderes in ihr. Wer sie besuchen kommt, staunt über ihre Kraft, mitten in der eigenen Schwachheit. Er staunt über ihre Kraft der Zuwendung und Ermutigung, die sie ausstrahlt. Da strahlt wirklich ein „Schatz“ in dem so angeschlagenen Körper nach außen.  Da spürt man etwas von der überschwänglichen Kraft, die wir nicht aus uns selbst haben.
Diese Kraft, die nicht von uns kommt, die will uns Gott schenken, an jedem neuen Tag, egal wie wir uns fühlen. Es geht nur darum, dass wir ihn darum bitten.  Dass wir aufhören, alles von uns selbst zu erwarten. Dass wir einlösen, wozu der unvergessene frühere Leiter der Fackelträger-Bewegung, der englische Major Thomas einmal in der ihm eigenen Weise aufgefordert hat. „Nehmt die Kraft Christi in Anspruch“, hat er gesagt und hinzugefügt: „Denn er erfreut sich bester Gesundheit.“ Was für ein wunderbares Angebot!
 

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