/ Wort zum Tag

Römer 8,34

Bibelvers

"Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt."

Römer 8,34

Vermutlich werden Sie sich diese Frage in Ihrem Leben so noch nicht gestellt haben: „Wer will mich verdammen?“ Das klingt doch sehr dramatisch – so, als ob da einer zum Tod verurteilt werden könnte. Und doch glaube ich, dass nicht wenige Menschen heute mit dem Gefühl bzw. der Erfahrung leben, von andern verurteilt, fertig gemacht, ja, verdammt zu werden. Die Medien scheinen geradezu begierig darauf zu sein, immer neue Opfer ausfindig zu machen und sie zum Abschuss frei zu geben. Bevor Gerichte überhaupt ein Urteil fällen konnten, sind ein Bundespräsident, ein des Erwerbs von kinderpornographischen Bildern angeklagter Bundestagsabgeordneter und ein erfolgreicher Fußball-Manager längst zur Strecke gebracht und der aufgeregten Öffentlichkeit zur Verdammnis übergeben worden.

Und auch ohne diese spektakulären Beispiele geschieht es tagtäglich, dass selbst völlig unbescholtene Bürger am Arbeitsplatz gemobbt, ausgegrenzt oder mit Häme überschüttet werden. Wer erleben muss, dass selbst nahestehende Familienangehörige mit einem Male den Daumen senken und der eigenen Tochter zu verstehen geben: „Du bist für uns gestorben!“, der muss sich wie ein Verdammter vorkommen. Dazu gehören Mädchen aus streng muslimischen Familien, die von ihrer Familie wegen ihres Lebenswandels von der eigenen Familie mit dem Tode bedroht werden und unerkannt Zuflucht in einem Frauenhaus suchen, wie auch Ehefrauen und Kinder, die von ihrem Mann und Vater einfach fallen gelassen und verlassen werden, weil der sich in eine andere Frau verliebt hat.

Ja, unsere Gesellschaft ist in mancher Hinsicht wirklich gnadenlos und schnell bereit, andere Menschen zu verdammen. Nur den einen, der als Schöpfer und Herr unseres Lebens wirklich ein Recht hätte, uns wegen fortgesetzten Ungehorsams und permanenter Übertretung seiner Gebote zu verurteilen: diesen einen fürchten heute nur noch die wenigsten Menschen. Geschweige denn, dass sie Angst davor hätten, von ihm verdammt zu werden.

Das war in früheren Zeiten noch anders: Da wurde der junge Mönch Martin Luther in seiner Erfurter Klosterzelle von Gewissensbissen geplagt und von der Frage umgetrieben: „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“ Für Luther war klar: Gott hat einen Anspruch auf mein Leben, doch diesem Anspruch werde ich trotz ehrlichem Bemühens in meinem Leben nie gerecht werden können. Erst die Lektüre des Römerbriefes half ihm aus dem Dilemma heraus, als ihm die Erkenntnis geschenkt wurde, dass Jesus durch sein Sterben am Kreuz die Gerechtigkeit vor Gott erworben hatte, zu der er niemals in der Lage gewesen wäre. Dass Gott ihn in seiner Schuld nicht verdammt, sondern er in Jesus einen wirksamen Fürsprecher gefunden hat: eben diese befreiende Botschaft bringt unser heutiger Bibelvers zum Ausdruck: „Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja viel mehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und vertritt uns“.

Dass wir in Jesus einen solchen Fürsprecher haben, sollte uns allerdings nicht dazu verleiten, den heiligen Gott mit seinem Anspruch auf unser Leben zu einem gut gelaunten Kuschelgott zu erniedrigen, dessen wesentliche Daseinsberechtigung darin besteht, unser Wohlgefühl zu sichern. Nein, das ist eine groteske und zugleich hoch gefährliche Verharmlosung Gottes. Dass wir auf Gottes Barmherzigkeit und sein Erbarmen mit uns zählen dürfen, das haben wir allein Jesus zu verdanken. Der hat dafür allerdings mit dem Opfer seines Lebens einen hohen Preis gezahlt. Billiger war unser Freispruch nicht zu bekommen.

Und weil das so ist, sollten wir einerseits Gott jeden Tag neu dankbar sein für seine Güte und andererseits auch den Mitmenschen mit barmherziger Nachsicht begegnen, die vor dem Gesetz schuldig geworden sind - egal ob es sich um prominente Steuerhinterzieher oder Täter handelt, die andere in die Ecke drängen.

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