/ Wort zum Tag

Psalm 16,1

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

„Bewahre mich, Gott; denn ich traue auf dich.“

Psalm 16,1

„Bewahre mich, Gott; denn ich traue auf dich.“  So beginnt der Psalm 16. Darf ich ein paar offene Fragen stellen? Die beiden Satzteile sind nämlich in fast allen Bibelübersetzungen mit einem „denn“ verbunden. Bewahrt Gott mich, weil ich ihm vertraue? Vertrauen die besonders auf Gott, die er bewahrt? Oder steigt mit dem Maß des Vertrauens die Häufigkeit der Bewahrungen?
Eine erste Antwort gibt uns die Bedeutung des Wortes „ich traue auf dich“. Es kann nämlich genau so gut heißen „ich flüchte mich zu dir“ oder „ich nehme Zuflucht bei dir“. Dann ist das Gottvertrauen auf jeden Fall keine Leistung und keine Bedingung für das Erleben von Bewahrung.
Eine noch bessere Erklärung finden wir in Vers 8: „Ich habe den Herrn allezeit vor Augen; steht er mir zur Rechten, so werde ich fest bleiben.“ Heißt also, seine Nähe zu mir und meine Bindung an ihn sind ein untrennbares Ganzes. Ich bin eingeladen und ermutigt, zu 100% mein Vertrauen allein auf ihn zu setzen; er hat sich in seinem Wort und vor allem durch Jesus dazu erklärt, allezeit bei den Seinen zu sein, also ebenfalls zu 100%. Jesus hat denen, die zu ihm gehören, versprochen, sie zu bewahren bis ans Ende der Welt.
Wie so oft bei den Wahrheiten des Glaubens ist es auch hier nicht gut, Gottes Tun und unser Verhalten in einen Wenn-Dann-Zusammenhang zu stellen. Gottes Art, mit uns umzugehen, folgt keinem Schema. Unser Gott ist so vielfältig, wir als seine Geschöpfe sind so unterschiedlich und einzigartig, dass er tausend Weisen hat, aus dem Tod zu retten, wie es ein altes Lied sagt.
Deshalb können wir menschliches Glauben nicht über einen Kamm scheren. Was für Sie passt, muss für mich nicht genau so richtig sein. Was für mich ein großer Vertrauensschritt ist, kann für Sie die tägliche Herausforderung Ihres Glaubens sein. Und würden Sie nicht auch sagen, dass wir in unseren Lebensphasen sehr unterschiedliche Glaubenserfahrungen machen? Im besten Falle wächst unser Glaube mit dem Alter, aber auch das ist nicht sicher. Es kann Einbrüche geben und hoffentlich auch wieder Neuanfänge. Wie gut, dass unser Herr Jesus Christus so ein Ermutiger zu immer neuen Anfängen ist! Er nennt das Umkehr, Buße, Vergebung. Mein Gottvertrauen von vorgestern kann mich zwar ermutigen, es rettet mich aber heute nicht. Für das, was heute oder morgen ansteht, sollen wir es neu durchbuchstabieren: „Bewahre mich, Gott; denn ich traue auf dich.“ So bleiben der Glaube und die Gotteserfahrung frisch. Ich freue mich immer, wenn in einem Gottesdienst jemand ein Erlebnis mit Gott aus der vergangenen Woche erzählt - und nicht von vor zwei Jahren.

Nun mögen Sie denken „Das ist ja leicht, von positiven Erlebnissen und von Bewahrungen Gottes zu berichten. Aber was ist mit den anderen Erfahrungen, wo Gebete nicht erhört wurden, oder wo ein Unglück passierte, obwohl ich um Gottes Bewahrung gebeten habe?“ Sie haben Recht, diese Fragen dürfen und müssen wir stellen. Ich möchte, dass wir ehrlich fragen: Was wurde erhört, was nicht? Gibt es Gründe dafür? Ich sehe mindestens vier unterschiedliche Möglichkeiten:
• Die einen sind mit ihrem Gebet für ein Anliegen beharrlich „dran geblieben“.
• Die anderen können im Blick auf Gottes Weisheit eine Bitte getrost loslassen.
• Die dritten werden getröstet und getragen, obwohl sie das Handeln Gottes nicht oder noch nicht verstehen.
• Und die vierten haben überraschend Gottes wunderbares Eingreifen erlebt.

Wir alle wissen es doch genau: Es gibt keinen Automatismus. Weil Gott eine Person ist und kein Prinzip; ein Vater, der uns liebt und unser Bestes will; der uns aber auch bewahrt und erzieht, wenn es aus seiner Weisheit erforderlich ist. Die Spannung zwischen erhörten und nicht erhörten Gebeten ist in unserer vorläufigen Welt wohl nicht aufzulösen. Viel wichtiger ist es, dass unser Gebet eingebettet ist in die Beziehung zum liebenden Vater-Gott, die Jesus gestiftet hat und die der Heilige Geist wach hält. Und der wirbt immer wieder um unser ganzes Vertrauen, so dass wir von Herzen sagen können: „Bewahre mich, Gott; denn ich traue auf dich.“


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