/ Wort zum Tag

Jesaja 42,16

Bibelvers

"Ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen und das Höckerige zur Ebene."

Jesaja 42,16

Natürlich haben wir alle lieber offene Türen für unsere Anliegen als verschlossene. Je jünger an Lebensjahren, desto weniger mögen wir es, wenn sich eine erwartete Sache hinzieht oder verzögert. Viele werden dann ungeduldig. Das gilt auch für von Gott erbetene Entwicklungen. Gebetserhörungen hätten manche am liebsten sofort - und wir alle zumindest in absehbarer Zeit.
Dabei sind solche Erfahrungen für die Zeugen in der Bibel durchaus normal. Viele haben das Schweigen Gottes ertragen müssen. Andere mussten lange Zeit auf die Erfüllung der Zusagen Gottes warten. „Harren“ sagt die Bibel dazu, also aktives, gespanntes Warten. Der Bibelvers für heute stammt aus einem solchen Zusammenhang. Der Prophet im zweiten Teil des Jesaja-Buchs wartet mit seinem Volk in Babylon schon Jahrzehnte auf die Befreiung und Rückkehr in die Heimat. Nach einer militärischen Niederlage wurde ein größerer Teil der Juden zwangsweise nach Babylon umgesiedelt. Ein größerer Teil der Israeliten hatte offenbar die Hoffnung bereits aufgegeben. Der Prophet spricht in diese Lage hinein die Trostworte Gottes. Er macht den wartenden Juden immer wieder Mut und kündigt das massive Eingreifen Gottes an. Dabei sagt Gott auch, dass er lange Zeit geschwiegen hat. So beginnt der Vers 14: „Ich schwieg wohl eine lange Zeit, war still und hielt an mich.“ Aus der Sicht der verzweifelten oder teils noch hoffenden Juden passierte – nichts. Das soll aber nun zu Ende sein, verspricht Gott ihnen, wenn es in Vers 14 weiter geht: „Nun aber will ich schreien wie eine Gebärende, ich will laut rufen und schreien. Ich will Berge und Hügel zur Wüste machen und all ihr Gras verdorren lassen und will die Wasserströme zu Land machen und die Seen austrocknen. Aber die Blinden will ich auf dem Wege leiten, den sie nicht wissen; ich will sie führen auf den Steigen, die sie nicht kennen. Ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen und das Höckerige zur Ebene. Das alles will ich tun und nicht davon lassen.“
Umwerfende Veränderungen werden da angekündigt. Die Zeit des Harrens und Hoffens ist nun zu Ende. Hoffen und Harren hält eben doch nicht zum Narren! Im Gegenteil: Wer auf Gott baut, muss unter Umständen lange warten, aber er wird am Ende nicht enttäuscht. „Ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen und das Höckerige zur Ebene.“ Wo Blindheit und Dunkel war, soll nun Licht sein. Wo Hindernisse und Barrieren den Weg versperrten, macht Gott eine ebene Bahn. Gott setzt eine Menge in Gang, damit sein geliebtes Volk wieder zurück in die Heimat ziehen kann.
Wir wissen aus der Geschichte: Es ist kurze Zeit später tatsächlich so geschehen. Der Perserkönig Kyros beendete die Herrschaft der Babylonier und verfügte die Rückkehr der Juden nach Jerusalem. Die biblischen Bücher Esra und Nehemia erzählen davon. Wenn wir die Rückkehrer aus der babylonischen Gefangenschaft fragen könnten, ob sich das Warten gelohnt hat, was würden sie wohl antworten? „Aber natürlich! Ja, es war oft schwer und manche von uns wagten gar nicht mehr darauf zu hoffen. Aber nun sind wir glücklich und jubeln, dass unser Gott sein Wort hält. Auch wenn es manchmal sehr lange dauert, er ist verlässlich.“
Und ich fahre im Blick auf unsere eigenen Fragen fort: Wo Verzögerungen uns mürbe gemacht haben, keimt neue Hoffnung auf. Wo immer neue Blockaden uns verzagt gemacht haben, gibt Gottes Zusage uns neue Zuversicht. Warten müssen und Verzögerungen sind kein Argument dafür, dass Gott das Erbetene oder Versprochene nicht erfüllt.
Ich selbst habe es gerade erlebt: Vor acht Jahren erhielt das christliche Stadtnetzwerk, für das ich arbeite, ein überraschendes Geschenk in Form von Grundstücken. Aber vor dem ersehnten Verkauf bauten sich immer neue Hindernisse auf; eine Schwierigkeit nach der anderen tauchte auf. Die Verantwortlichen blieben dennoch beharrlich dran, indem sie immer wieder beteten: „Wenn du, Herr, uns etwas schenkst, wirst du es zum Segen für alle Beteiligten machen.“ Nach inzwischen acht Jahren haben sich die Blockaden fast in Luft aufgelöst. Und der Segen nicht nur für uns, sondern auch für alle anderen Beteiligten ist weit größer als er in früheren Jahren gewesen wäre. Seitdem spreche ich vom „Segen der göttlichen Verzögerungen“. Von daher mache ich Ihnen Mut, im Blick auf Gottes gute Absichten beharrlich dran zu bleiben.
 

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