/ Wort zum Tag

Matthäus 9,13

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

"Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea 6,6): »Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer.« Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten. "

Matthäus 9,13

Ich verstehe die Verwunderung der anständigen Leute, die Entrüstung der ehrbaren Bürger, die Bedenken der ehrlich besorgten Frommen. Ich verstehe, die Verachtung, mit der sie herabsehen auf Mitglieder ihres Volkes, die sich als Juden hergeben, den eigenen Leuten als Zöllner das Geld abzupressen. Die sich als Handlanger, Halsabschneider und Verräter in den Dienst der verhassten Römer stellen. Mit solchen Typen macht Jesus sich gemein.
Ich stelle mir vor, dass die Pharisäer so ähnlich empfinden wie wir, wenn ein Bischof teilnehmen würde an einem Bankett der Mafia. Doch ich lerne aus der Lebensgeschichte des Matthäus, und ich lerne aus Jesu Auftrag ‘lernt Barmherzigkeit’, ich lerne, dass wir nicht solche theoretischen Verhältnisse konstruieren sollten: Kirchenleitung und Mafia…
Ich lerne, dass wir uns selbst fragen sollen, wie wir umgehen mit dem, der durch seine Einsprüche mein Baugesuch behinderte... / mit dem, der mir übel nachredete... / mit dem, der seine Ehe brach... / mit dem, von dem ich denke: Wenn der nach vorne zum Abendmahl geht, dann bleibe ich aber sitzen...
Gibt es nicht Menschen, die hat das Leben misstrauisch und hart gemacht?  Gibt es nicht Menschen, die hat das Leben schwach und zerbrechlich gemacht, so dass sie unsicher, beeinflussbar und abhängig wurden, so dass sie sich selbst nichts Gutes mehr zutrauen? Brauchen nicht gerade solche Menschen ein Übermaß an Liebe? Brauchen nicht solche Menschen den Arzt; den, der zu ihnen geht; den, der sie ansieht; den, der sich um sie kümmert; den, der gerade sie einlädt?
Ich erinnere mich an eine Lebensweisheit meiner Großmutter: „Wenn ein Kind ganz böse ist, braucht es ganz viel Liebe.“ Es braucht dann nicht unerbittliche Strenge. Es muss nicht vorrangig bestraft werden. Es muss nicht weggesperrt werden und auf sich selbst geworfen sein. Das Kind braucht dann ganz viel Nähe und Liebe. So nehme ich die Weisheit der Barmherzigkeit bei Jesus wahr. Und wir Christen sollen auch so handeln wie er. Deshalb trägt er uns auf: Lernt Barmherzigkeit!

Solch ein einladendes, solch ein vergebungsbereites Leben und Handeln stellt sich nicht einfach von selbst ein. Deshalb wendet sich Jesus an die Pharisäer - und er nimmt sie und ihre ehrbaren religiösen Beweggründe ganz ernst. Er nennt sie ganz ohne Ironie ‚Starke und Gesunde’-, deshalb wendet sich Jesus an uns und gibt uns den Auftrag: geht und lernt Barmherzigkeit! „Und Jesus sprach zu den Pharisäern: Nicht die Gesunden und Starken brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Deshalb geht hin und lernt, was es heißt: Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit... So bin auch ich gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.“
Deshalb:

 Lassen Sie uns Barmherzigkeit lernen, die nicht richtet, sondern aufrichtet.
 Barmherzigkeit, die nicht aus-, sondern einschließt.
 Barmherzigkeit, die Sünde beim Namen nennt  (Jesus sagt ja: Ich bin gekommen
    die Sünder zu rufen...) und sich gleichzeitig dem Sünder zuwendet.
 Barmherzigkeit, die nicht Mauern auftürmt, sondern Brücken schlägt.
 Barmherzigkeit, die nicht im Widerspruch verharrt, sondern Grenzen überschreitet.
 Barmherzigkeit, die sich herabbeugt zu Menschen und sie wieder aufrichtet.
 Barmherzigkeit, die die Hand zur Versöhnung ausstreckt.
 Barmherzigkeit, die einladend und seelsorgerlich weitersagt von der unendlich 
    barmherzigen Liebe Jesu.

Solche Barmherzigkeit lassen Sie uns lernen!


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