/ Wort zum Tag

Psalm 73,26

Bibelvers

"Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil."

Psalm 73,26

Wir schreiben das Jahr 1826 als Julie Hausmann in der Nähe von Riga im heutigen Lettland geboren wird. Als junge Frau verliebt sie sich in einen Pastor. Dieser Theologe aber will keine Pfarrstelle in seiner Heimat antreten, sondern schon sehr bald als Missionar nach Afrika ausreisen. All seine Vorbereitungen sind abgeschlossen, seine Papiere bereits fertig. So wird noch Verlobung gefeiert und der zukünftige Ehemann fährt los, um in Afrika ein Heim für sich und seine Braut vorzubereiten.

Es dauert eine ganze Zeit bis auch Julie Hausmann alle Papiere zusammen hat und ihrem Bräutigam folgen kann. Nun geht es per Schiff nach Afrika. Am Hafen wartet niemand auf sie, um sie abzuholen. Die junge Frau aber lässt sich nicht davon zurückhalten. Ganz auf sich gestellt muss sie die weitere beschwerliche Reise bis zur Missionsstation organisieren.

Endlich dort angekommen, fragt sie nach ihrem Verlobten. Jemand führt sie auf den Friedhof an ein frisches Grab. Ihr zukünftiger Ehemann ist erst vor wenigen Tagen an einer heimtückischen Krankheit gestorben und begraben worden.

Wie ergeht es einem Menschen in einer solchen Situation? Da bricht einem doch der feste Halt unter den Füßen weg und man fällt in eine bodenlose Tiefe. Solch ein Mensch mag ähnlich empfinden wie der Psalmbeter. Der spürt, dass ihm Leib und Seele vertrocknen. Alles, was sein Leben ausmacht, geht ihm verloren. Sein ganzes Dasein bricht auseinander.

Wenn solch eine Situation eintritt, geht das Leben eben nicht einfach weiter. So wird es zwar manchmal mit einem Satz behauptet. Aber es stimmt nicht. Die Zeit schreitet zwar weiter voran, doch das Leben muss völlig neu geordnet werden. Das ist ein schwerer Weg.

Julie Hausmann hat sich auf eine Hochzeit gefreut und sich für eine gemeinsame Zukunft mit ihrem Mann vorbereitet. Nichts wird davon Wirklichkeit werden. Ganz im Gegenteil. Sie bleibt allein übrig und muss sich mit ihrer Trauer auseinandersetzen. Sie muss ganz neue Perspektiven für die Zukunft gewinnen.

In dieser trostlosen Zeit bringt die junge Frau ihre Gedanken, ihre zerschlagenen Hoffnungen und unerfüllten Wünsche zu Papier und schreibt ein Lied:
 

1. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt; wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

2. In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind; es will die Augen schließen und glauben blind.

3. Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich.

Dies sind keine Worte, die aus dem Hochgefühl eines unbekümmerten Poeten kommen. Ich spüre diesen Zeilen ab, was die Dichterin selbst erlebt und erlitten hat. In all ihrer Trauer weiß sie nur noch dies, dass sie sich in die Hände des barmherzigen Gottes fallen lassen kann. Das ist ihre einzige Möglichkeit.

Mich fasziniert, wie diese Frau den Vers aus Psalm 73 für heute in ihrem Leben umsetzen konnte: In einer neueren Übersetzung lauten diese Worte: Auch wenn ich Leib und Leben verliere, du, Gott, hältst mich; du bleibst mir für immer!

Wenn alles im Leben zerbricht, dann bleibt dennoch Gott. Diese Glaubensgewissheit erbitte ich auch für mich.

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