/ Wort zum Tag

1. Thessalonicher 5,16

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Dieses kurze Wort für den heutigen Tag – „Seid allezeit fröhlich!“ – hätte mich in den schweren Zeiten meines Lebens ganz schön aufgeregt. Kann man denn die Freude einfach so befehlen? So nach dem Motto „Weil denn heute Sonntag ist, strahlt mal alle recht schön!“? Fröhliche Sonntagschristen, die am Montag wieder zu mühseligen und traurigen Alltagschristen mutieren – das will dieser Aufruf ja ganz offensichtlich nicht! Denn da heisst es klipp und klar „allezeit“, also stets und immer, Tag für Tag!

Was sollen wir bloss mit diesem Appell des Apostels Paulus anfangen? Wie kommt er überhaupt zu dieser extremen Aufforderung?

Dieser Aufruf steht am Ende eines Briefes, den Paulus an eine junge Christengemeinde schreibt. Er hatte sie wenige Monate zuvor in Thessalonich gegründet.

Nach seiner Abreise waren dort Fragen und Probleme aufgetaucht: Wie lebt man denn nun konkret als Christ in einer heidnischen Umgebung? Und was soll man tun, wenn es Schwierigkeiten gibt, weil man die Korruption, die ausschweifenden Orgien und Götzenfeste, das stoische Faulenzen oder die gnadenlose Behandlung der Sklaven nicht mehr mitmachen will? Soll man überhaupt noch arbeiten, ins Geschäft investieren und einen Beruf erlernen, wenn Jesus Christus doch schon bald wiederkommen wird?

Nach ausführlichen Antworten fasst Paulus am Ende seines Briefes in kurzen Merksätzen noch einmal zusammen, was Christen konkret tun sollen:

„Ermahnt die Unordentlichen, tröstet die Kleinmütigen, ertragt die Schwachen, seid mit allen Menschen geduldig, vergeltet nicht Böses mit Bösem, jagt dem Guten nach, seid allezeit fröhlich, betet andauernd und seid in jeder Situation dankbar! Denn das alles ist Gottes Wille. Deshalb dämpft den Heiligen Geist nicht, beachtet die Predigten, prüft alles und behaltet dann das Gute!“ 

Ich weiss: Das war jetzt ganz schön viel auf einmal!

Aber mit diesen Sätzen beschreibt Paulus einen Lebensstil, der von Gottes Geist geprägt wird. Es geht also gerade nicht um moralische Klimmzüge oder um einen Tugendkatalog, den wir krampfhaft abarbeiten sollen! Denn dabei kann man doch nicht  fröhlich sein!

Paulus betont vielmehr, dass Gott Freiheit und Klarheit für das tägliche Zusammenleben in Kirche und Gesellschaft, in Gemeinde, Familie und Beruf schenken will! Diese Freiheit und Klarheit schenkt uns der Heilige Geist!  Das zu wissen, ist befreiend in allen Anforderungen des Alltags und so kommt Freude in unser Leben!

Diese Freude ist mehr als ein kurzes Lachen, ein fröhliches Fest oder ein lustiger Augenblick. Diese Freude ist ein dauerhaftes Gefühl und Bewusstsein dafür, dass ich von Gott „begnadigt, begnadet, begabt und beschenkt“ werde. Das schwingt im griechischen Begriff „chairete-freuet euch“ und „chaira-Freude“ mit: Charis-Gnade!

Gott nahe zu sein, ist tatsächlich ein Glück, wie es die Jahreslosung sagt!

Das ist nicht nur Theorie. Etwa 13 Jahre später, nach einem Leben voller Hingabe, Entbehrungen, Opfer, Leiden und Verfolgungen, schreibt ein kranker und in Rom gefangener Paulus in einem seiner letzten Briefe: „Freut euch im Herrn Jesus allezeit! Ich wiederhole: Freut euch! Begegnet allen Menschen mit Güte, denn Jesus Christus ist nahe! Und in seiner Nähe „habe ich habe gelernt, in jeder Lage zufrieden zu sein: Ich kann niedrig und hoch, satt und hungrig, reich und arm sein! Das alles vermag ich durch Jesus Christus, der mir die Kraft dazu gibt“ (Phil4,4-5;12-13).

Da leuchtet sie wieder auf, diese beglückende, gnädige Nähe Gottes – auch für uns! Sie lässt uns fröhlich sein, sonntags und werktags – eben: Allezeit!


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