/ Wort zum Tag

5. Mose 6,5

Bibelvers

"Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft."

5. Mose 6,5

Als ich die heutige Losung für dieses Andachtswort gelesen habe, fiel mir sofort das Doppelgebot der Liebe ein. Es wird in allen vier Evangelien überliefert. Im Matthäusevangelium steht es in Kapitel 22: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten, sagt Jesus Christus.

Ich erinnere mich an meine Kinderzeit. „Das ist der Kern der Botschaft Jesu“, sagte damals meine Sonntagschultante. Diese beiden Gebote sind zusammengefasst ganz kurz und knapp der Inhalt des christlichen Glaubens. Liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie dich selbst. So hat es Jesus verkündet. Das hat er gelebt. Dafür ist Jesus gestorben und auch wieder auferweckt worden.

Im biblischen Unterricht meiner Gemeinde und später noch genauer in meinem Theologiestudium habe ich gelernt, dass Jesus seine Botschaft so kurz und knapp zusammen fassen kann, weil er im alten Testament zu Hause ist. Jesus kennt sich aus in seiner jüdischen Bibel. Er kennt die Thora und die Propheten. Er liest seine Bibel mit Herz und Verstand.

Jesus hat ganz sicher den Text gelesen, den die Herrnhuter Brüdergemeine für diesen Tag als Tageslosung ausgelost hat: „Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft (5. Mose 6,5).“ Der erste Teil des Doppelgebotes der Liebe findet sich wortwörtlich im Alten Testament.

Als ich mir das zum ersten Mal bewusst gemacht habe, da hat sich mein Bild vom jüdischen Glauben verändert. Aus der Sonntagschulzeit hatte ich verinnerlicht, dass der jüdische Glaube ein starrer Gesetzesglaube ist mit einer starken Tendenz zur Werkgerechtigkeit. Das Bibelwort für diesen Tag macht deutlich, dass es Gott schon im alten Testament um eine Liebesbeziehung zu seinen Menschen geht. Gott sehnt sich danach, von uns Menschen geliebt zu werden (geliebt und nicht nur gefürchtet und verehrt.). Gott will als erstes geliebt werden.

Juden haben das wohl immer schon gesehen. Im Lukasevangelium wird der Zusammenhang  des Doppelgebotes der Liebe so erzählt: Ein Gesetzeslehrer kommt zu Jesus und fragt ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen. Jesus stellt die Gegenfrage: Was liest du im Gesetz – also in der Thora und bei den Propheten. Da zitiert der Gesetzeslehrer das Doppelgebot der Liebe. Jesus sagt daraufhin: Du hast richtig geantwortet. Handle danach und du wirst leben. Für einen jüdischen Menschen zur Zeit Jesu drückte sich also die Liebe zu Gott im Halten seiner Gebote aus. Dieser Gedanke beschäftigt mich seither immer wieder: Liebe zu Gott drückt sich – oder – ich sage es vorsichtiger – kann sich im Halten der Gebote Gottes ausdrücken.

Ich wünsche Ihnen an diesem Tag zweierlei: einmal, dass sie Gottes Liebe selbst erfahren in ihrer Lebenssituation; dass Sie spüren: Gott ist mir nah - so, wie Jesus es verheißen hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.“

Zum anderen wünsche ich Ihnen,, dass Sie eine Möglichkeit finden, Gottes Liebe zu erwidern; Gott Ihre Liebe zeigen. Vom alten Volk Israel lerne ich, dass das Halten der Gebote Gottes ein Weg dafür sein kann Gott zu zeigen: Ich liebe Dich. Ich vertraue Dir. Ich gehöre Dir.

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