/ Wort zum Tag

Psalm 141,3

Bibelvers

„Herr, behüte meinen Mund und bewahre meine Lippen!“

Psalm 141,3

Im 141. Psalm (Vers 3) ist die Bitte zu Gott festgehalten: „Herr, behüte meinen Mund und bewahre meine Lippen!“

Es gehört zum Kennzeichen des frommen Menschen damals, dass er sich vor heftiger Rede hütet und gute Worte spricht. So bittet auch der Beter des Psalms um eine „Wache“ am Tor der Lippen, damit kein verderbliches Wort herausgeht.

Angesichts der möglichen Verführung und Verfolgung durch andere, flieht er ins Gebet. Es kennzeichnet sein Verhalten, dass er weder mit Vorsätzen noch mit selbstbewussten Erklärungen seinen Weg geht, sondern sich mit seiner ganzen Existenz an Gottes Beistand gewiesen weiß. Damit er vor Gott bestehen kann.

Dieser Mann weiß nur zu gut, welchen Weg vorschnelle Worte gehen können.

„Nichts wird so oft versehentlich geöffnet, wie der Mund“, sagt ein chinesisches Sprichwort. Meistens steht am Anfang ganz harmlos ein rausgerutschter Satz. Kaum ist er heraus, wird noch die eine oder andere Aussage hinzugefügt. Und schon entsteht aus diesem kleinen Satz eine ganze Unterstellung. Diese Unterstellung ist jetzt nicht mehr zu stoppen. Im schlimmsten Falle führt sie zum Rufmord.

Der Schriftsteller Max Frisch erzählt die Geschichte eines jungen Mannes aus Andorra, von dem man sich zu erzählen begann, er sei Jude. Folglich dachten die Leute nun, weil sie ein ganz bestimmtes Bild von Juden hatten, dass er alles nur um des Geldes willen tat. Sie begannen, ihm zu misstrauen. Und am Ende wurde der junge Mann selbst unsicher. „Wer bin ich?“, fragte er sich. „Sie sagen, ich tue alles nur für das Geld.“ Schließlich glaubte er diesem Vorwurf selber. So sehr hatte man diese Vorstellung ihm eingeredet. Und immer mehr hassten die Leute ihn. Am Ende fielen sie über ihn her und töteten ihn. Hinterher stellte sich natürlich heraus, dass er wie alle anderen Andorraner war und das Gerücht nicht ein Körnchen Wahrheit enthielt. Wenn man sich den Psalm 141 genau anschaut, stellt man fest, dass der Mann unter dem litt, was wir heute Mobbing nennen.

Das kennen Sie vielleicht auch. Da geht es um eine höhere Aufgabe an Ihrem Arbeitsplatz. Es gibt ein offenes oder verdecktes Gerangel um diese Position. Und Sie spüren, wie Sie hinter Ihrem Rücken schlecht gemacht werden, damit Sie nicht diese Aufgabe bekommen.

So ging es dem Beter damals auch. Die, mit denen er früher noch fröhlich zusammengesessen hat, versuchen jetzt, ihn fertig zu machen. Aber er will nicht mit ihren Waffen zurückschlagen. Vielmehr bittet er Gott, ihm gerade ein Schloss vor den Mund zu legen. Seine bösen Gedanken sollen verschlossen bleiben und nicht die Runde machen. Es soll nicht das passieren, was der Apostel Jakobus in seinem Brief geschrieben hat:

Wenn jemand meint, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern betrügt sein Herz, so ist sein Gottesdienst nichtig.“

Jakobus beschreibt, was für eine große Macht die kleine Zunge hat. Mit dem vergleichsweise kleinen Zaum kann der Reiter das Pferd lenken. Auch die Zunge des Menschen muss entgegenwirkenden Kräften stand halten können. Von Natur aus wollen wir immer Dinge sagen, die wir eigentlich nicht sagen sollten. Zurecht hat der große Denker Blaise Pascal festgestellt: „Wenn nämlich alle Menschen wüssten, was jeder über den anderen denkt, gäbe es keine vier Freunde in der Welt.“

Insofern war es sehr weise von Gott, den Menschen zwei Ohren und nur eine Zunge zu geben, damit er doppelt so viel hören wie reden kann. Doch wenn Jesus Christus unsere Zunge unter Kontrolle hat, dann brauchen wir keine Angst zu haben, dass wir etwas Falsches sagen. Darum will der Beter seine Gedanken nur zu Gott selbst schicken. Gott soll die Abrechnung mit seinen Gegnern in die Hand nehmen. Ihm dürfen wir alles sagen, was uns das Leben schwer macht, was Menschen uns antun,  wie wir uns mit ihnen schwer tun. Wenn ich Gott meine Gedanken über andere sagen, dann werden die bösen Gedanken in eine Richtung gelenkt, in der sie keinen Schaden anrichten können. So kann ich selber wieder durchatmen und Gott die Verantwortung überlassen.

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