/ Wort zum Tag

Jeremia 31,25

Bibelvers

"Denn ich will die Müden erquicken und die Verschmachtenden sättigen."

Jeremia 31,25

Es war vor vielen Jahren im Engadin: Als Familie waren wir zur Wildbeobachtung ein langes Tal hinauf gewandert. Und es hatte sich gelohnt, es gab aufregende und spannende Szenen mit Hirschen, Steinböcken und Gämsen! Aber dann auf dem Rückweg sagte unsere Jüngste: „Papa, ich bin müde und kann nicht mehr!“. Damals ging das noch: Ich legte sie quer auf meine Schultern, wanderte weiter – und schon nach wenigen Minuten war sie friedlich eingeschlafen.

Dieses kindliche Urvertrauen in den Vater blieb mir unvergesslich. Es hat mich schon oft daran erinnert, was uns Gott für unsere Lebenswanderung versprochen hat. Im Propheten Jeremia heisst es:

„Ich will die Müden erquicken und die Verschmachtenden sättigen!“

Dieses Wort ruft der Prophet Jeremia seinem Volk zu, als es nach seiner Deportation in Babylonien weiterleben muss – als Ausländer verachtet und ausgenutzt.

Das Heimweh in der Fremde blieb von Generation zu Generation stark, aber die Realität erstickte je länger je mehr die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr. Da gab es viele, die einfach nicht mehr weiter machen und aufgeben wollten.

Die allgemeine Stimmung war himmeltraurig: „Jetzt können wir nicht mehr!“ Kennen Sie das auch? „Wir sind jetzt einfach nur noch müde, wir wollen nur noch unsere Ruhe, mehr nicht!“ - „Es hat doch alles keinen Sinn mehr, wir geben auf!“ Diese Sätze kennen wir doch, diese fatale Resignation, wenn wir in einer Sackgasse fest sitzen!

Ja, wenn alle Lebensenergie verschwunden ist und wir geradezu „verschmachten“, wenn wir keinen Sinn und keine Perspektive mehr sehen – dann wird‘s gefährlich!

Damals drückte noch ein weiterer Faktor auf die Stimmung der Deportierten: Die „Schuld“ ihrer Vorfahren! Denn alle wussten es noch ganz genau: Ein ausschweifender Lebensstil, ausgelassene Götzenfeste, soziale Lieblosigkeit und korrupte Ungerechtigkeit hatten die Volksgemeinschaft so geschwächt, dass kam, was kommen musste: Trotz der Warnungen einiger Propheten verkalkulierte sich die damalige marode Führung politisch derart, dass sie die Eroberung ihres Landes durch die Babylonier geradezu naiv provozierte.

Drei Generationen später schmerzten diese Wunden und die Trauer über das schuldhafte Versagen immer noch. Man hörte Klagegeschrei und bitteres Weinen, die Leute wollten sich nicht trösten lassen, die Augen waren voller Tränen. Die Menschen waren müde geworden durch die Mühen und Lasten in der Verbannung! So beschreibt Jeremia die traurige Situation eindrücklich (Kap.31)!

Aber der Prophet kann noch etwas anderes vermelden: Das alles ist Gott zu Ohren gekommen. Was sein Volk auf seinen selbst gewählten Irrwegen erleiden muss, hat ihm das Herz gebrochen. Trotz vergangener Schuld: Gott will seinem geschundenen Volk helfen, „denn ich will die Müden erquicken und die Verschmachtenden erquicken“.

Gott begegnet uns hier als der barmherzige Vater, so wie wir ihn durch Jesu Geschichte von den verlorenen Söhnen kennen! Er lässt uns zwar die Freiheit, krumme Wege zu gehen. Und er lässt uns auch die oft schmerzhaften Konsequenzen unserer Sünden tragen. Aber wenn wir damit nicht mehr fertig werden und kaum noch die Energie aufbringen, die Last unserer Schuld und Irrwege zu tragen – dann dürfen wir das getrost vor Gott bringen und uns „ausklagen“!

Genauso dürfen Sie – wie ein Kind – von Gott erwarten, dass Er Sie wieder heilt, tröstet und annimmt. Denn im selben Zusammenhang sagt der Prophet: „Gott will euer Trauern in Freude verwandeln!“ (v.13). Diese Botschaft Jeremias gilt auch Ihnen heute.

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