/ Wort zum Tag

Sprüche 17,5

Bibelvers

„Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer; und wer sich über eines andern Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben.“

Sprüche 17,5

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Schadenfreude hat es als eines von wenigen deutschen Lehnwörtern in die englische Sprache geschafft. Jemand anderem passiert etwas Schlechtes – und wir freuen uns. Dass es ihn getroffen hat. Dass es nicht uns getroffen hat.
Alltagserfahrung von klein auf: Zwischen Geschwistern, wenn dem scheinbar von den Eltern Bevorzugten ein Missgeschick passiert. In der Schule, wenn der Klassenstreber im Sportunterricht versagt. Am Arbeitsplatz, wenn die Chefin den unfähigen Kollegen endlich mal öffentlich auflaufen lässt. „Das geschieht ihm Recht“, sagen wir dann. Oder auch: „Endlich hat er bekommen, was er verdient“ Schadenfreude ist oft Ausdruck einer tiefen Zufriedenheit, dass eine Ungerechtigkeit scheinbar ausgeglichen wird. Dass dem Erfolgreichen, Glücklichen, Wohlhabenden endlich auch einmal etwas Negatives widerfährt.
Ich kann Schadenfreude nachvollziehen als Reaktion auf ein vermeintliches Ungerecht-Behandelt-Werden. Wenn es der andere vermeintlich immer besser hatte als ich selbst und endlich auch einmal auf die Nase fällt. Aber wenn ich ehrlich bin, ist Gerechtigkeitsempfinden nur die Oberfläche von Schadenfreude. Darunter verbergen sich noch andere, unheilige Motive: Stolz. Rachsucht. Vergleichen mit anderen.
„Schadenfreude ist die schönste Freude“, sagt ein anderes deutsches Sprichwort. Die Bibel sagt das Gegenteil – denn sie nimmt auch meine dunklen Motive mit in den Blick. In der Sprichwortsammlung des Alten Testaments heißt es in Sprüche 17, 5:
„Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer; und wer sich über eines andern Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben.“
Wenn das stimmt, dann ist in Gottes Augen Schadenfreude nicht die schönste Freude – sie ist die hässlichste.
Mir leuchtet das auch unmittelbar ein, wenn ich mir eine Familie mit zwei Kindern vorstelle. Wenn nun einem der beiden Kinder ein Missgeschick oder gar ein Unglück widerfährt, und das andere Kind Schadenfreude empfindet – würden die Eltern diese Freude teilen? Unvorstellbar. Egal, welche persönliche Schuld oder Schieflage voraus gegangen sein mag – Eltern würden immer auch den Schaden mitempfinden, das Leid, die Demütigung, die Bloßstellung ihres Kindes.
Genau so ist es mit Gott, sagt unser Bibelvers. Gott hat als Schöpfer jeden Menschen geschaffen, deshalb kann er sich nicht mitfreuen, wenn ich mich am Leid oder dem Unglück eines Mitmenschen freue. Der Vers formuliert das sogar noch schärfer: Gott freut sich nicht nur nicht mit, er fühlt sich gemeinsam mit dem Opfer meiner Schadenfreude verhöhnt, gedemütigt, bloßgestellt. Der Schöpfer kann und wird es nicht hinnehmen, wenn eins seiner Geschöpfe aus dem Leid eines anderen Befriedigung oder sogar Freude zieht.
Kinder zeigen Schadenfreude meistens offen und ungeniert. Als Erwachsener habe ich gelernt, meine Schadenfreude zu verbergen. Sie in den Untergrund meiner Gedanken zu drücken. Und dort, im Untergrund, vergiftet sie meine Seele. Manchmal als klammheimliche Freude über das Scheitern eines Menschen, der mir unsympathisch ist. Manchmal als selbstgerechte Zufriedenheit über das Stolpern eines Menschen, der so ganz anders glaubt als ich. Manchmal als Befriedigung am Schicksal eines Menschen, der Gott ignoriert und dadurch in sein Unglück rennt.
Aber der Text aus Sprüche 17, 5 warnt mich eindringlich: Wie auch immer sich meine Schadenfreude ausdrückt - sie ist nicht in Ordnung. Wer einen anderen Menschen innerlich gering achtet, der achtet in diesem Moment Gott innerlich gering. Egal, wie fromm meine Fassade dabei auch aussieht.
Für Gott ist Schadenfreude die hässlichste Freude.
 

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