/ Wort zum Tag

1. Samuel 24,20

Bibelvers

"Saul sprach zu David: Wo ist jemand der seinen Feind findet und lässt ihn mit Frieden seinen Weg gehen? Der HERR vergelte dir Gutes für das, was du heute an mir getan hast!"

1. Samuel 24,20

Mit Worten und Begriffen ist es wie mit dem Geld. Wenn zu viel davon in Umlauf ist, verliert es an Wert. Worte, immer wieder gebraucht, werden entwertet. Sie werden zur hohlen Form, zur leeren Phrase; ihren eigentlichen Inhalt haben sie verloren. Jeder, der sie braucht, gibt ihnen einen eigenen, wandelbaren Sinn, versteht etwas anderes darunter. Gemeinsam ist nur noch der Klang. Zu den abgegriffenen Worten unserer Tage gehört der Begriff „Frieden”. Kaum eine politische Verlautbarung, in der nicht vom Frieden die Rede ist, kaum eine familiäre Auseinandersetzung, in der das Wort nicht strapaziert wird. Wir reden vom sozialen Frieden zwischen den Generationen; wir reden vom Frieden zwischen der Völkern und Volksgruppen, zwischen politischen Systemen und religiösen Bewegungen. Und es ist kein Friede! Friede ist zur schönen Formel geworden, hinter der sich Egoismus und Rechthaberei, ein andermal Bevormundung, Herrschsucht und kaum versteckte Aggressivität verbergen. Wenn jemand zu uns vom Frieden spricht, werden wir vorsichtig. Es könnte sein, dass er uns nur friedlich stimmen will, um uns zu übervorteilen. Frieden? Schön wäre es, wenn wir ohne das Misstrauen leben könnten, mit dem wir einander begegnen; wenn wir es dem andern gönnen könnten, dass er Rückhalt und Schutz in seinem Leben hat; wenn wir ihm vorbehaltlos unsere Hilfe anbieten könnten — und wenn er dasselbe täte. Doch das zu erwarten ist Illusion. Und so tönt es weiter vom Frieden und es herrschen Streit und Krieg und Unrecht.
Die Tageslosung der Herrenhuter Brüdergemeine für heute behauptet: Wir können Frieden haben! Aber wir müssen mutig etwas dafür tun, wie David, der seinen Verfolger Saul nicht umbringt, als er ihn schlafend findet. Das war ein starkes Stück von David. Er nimmt nicht Rache für das Böse, das Saul ihm angetan hat. Er lässt ihn im Frieden heimziehen. Saul war mit dreitausend „auserlesenen Männern” auf der Jagd nach David. Als er abends müde wurde, zog er sich zum Schlaf in eine Felshöhle zurück, ohne zu ahnen, dass David weiter hinten in der selben Höhle übernachtete. Aber David brachte Saul nicht um, wie seine Freunde anregten, sondern schnitt nur vorsichtig einen Stoffzipfel von Sauls Mantel ab. Am Morgen zeigte er Saul den Stoffzipfel. Überrascht und dankbar stellte Saul fest: „Wo ist jemand, der seinen Feind findet und lässt ihn mit Frieden seinen Weg gehen? Der HERR vergelte dir Gutes für das, was du heute an mir getan hast!”
Wer durch Gott mit sich selbst ins Reine gekommen ist, seinen Frieden gefunden hat, der wird auch fähig, Frieden zu gestalten. Denn der Friede Gottes prägt seine Gedanken genauso wie seine Aktionen. Wessen Leben umfriedet ist von der Barmherzigkeit Gottes, der kann auch im Frieden handeln. Er hat den Frieden Gottes als Geschenk empfangen, jetzt spürt er die Verantwortung, ihn weiterzugeben. Das wird ohne große Worte über den Frieden geschehen und ohne dauernden Appell und die Friedensbereitschaft der andern. Dort, wo ein Mensch aus dem Frieden Gottes lebt, kann aus einem Zustand, der mit leeren Friedensphrasen angefüllt ist, ein Verhältnis werden, wo einer den andern versteht, achtet, schützt, wie David seinen Verfolger Saul. Wo ein Friedensträger Gottes steht, ist der Frieden mitten unter uns.
 

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