/ Wort zum Tag

Lukas 24,15-16

Bibelvers

"Und es geschah, als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten."

Lukas 24,15-16

Es geschah nach Ostern. Kurz nach der Auferstehung Jesu. Zwei Männer, Jünger Jesu, sind auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus. Und dann geschieht es. Der Evangelist Lukas erzählt: „Es geschah, als die Jünger so redeten und sich miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten (Lukas 24, 15 und 16).“

Das jemand den auferstandenen Jesus erkennt, ist demnach alles andere als selbstverständlich. Das war damals schwer und ist heute nicht leichter. Wie sagte schon Johann Wolfgang von Goethe dazu: "Die Osterbotschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ Und Goethe ist ja nicht der einzige Zweifler an der Auferstehung Jesu. Nach Umfragen glauben die meisten Deutschen an ganz viele Dinge. Aber nicht an die Auferstehung Jesu. Auf dem Grabstein eines Arztes lies seine Gattin folgendes schreiben: „Hier liegt mein lieber Gatte, Dr. Grimm, und alle, die er heilte, liegen neben ihm.“ Das klingt sehr lustig. Aber diese Dame wollte damit sagen: Nach dem Tod ist alles aus.

Manchmal wird der wirkliche Tod Jesu am Kreuz auch von Christen verharmlost, weil manche Christen immer schon wissen, wie die Geschichten mit Jesus ausgegangen sind. Bibelkenner erleben die Geschichte Jesu immer rückwärts, während die Menschen, die Jesus damals begegneten, die Geschichte vorwärts erlebten. So waren seine Jünger nach der Kreuzigung Jesu zunächst entsetzt und flohen und versteckten sich. Sie hatten ja die Erfahrung mit dem Auferstandenen noch vor sich.

Dabei bringen Worte allein mir nur Informationen, aber keinen Glauben. Denn obwohl die beiden Jünger von den Frauen, die am Grab gewesen waren, gehört hatten, dass Jesus lebe, hat dieses Wissen die beiden Jünger nicht hoffnungsvoll gestimmt.

Das zeigt, Menschen können über Jesus reden, ohne an ihn zu glauben. Das Großartigste für mich an dem Bericht von den Emmaus-Jüngern ist aber das, was sich ereignet, bevor sie Jesus erkennen. Während sie in tiefster Anfechtung stecken, ist Jesus schon längst neben ihnen. „Da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen“, berichtet Lukas. Das gibt es also, dass Jesus mit mir auf dem Weg ist, ohne dass ich es weiß, dass er jetzt bei mir ist und ich doch nicht mit ihm rechne.

Erst als Jesus später am Abend mit ihnen zusammen saß und das Brot nahm, dankte, es brach und ihnen gab, da erkannten sie ihn. Dass sie ihn ausgerechnet am Brotbrechen erkannten, zeigt: Da geschah wahrscheinlich mehr, als dass sie nur eine typische Handbewegung wieder entdeckten und sich sagten: Das muss er sein. Ich vermute, sie erkannten sein Innerstes. Sie blickten in sein Herz. Ohne Gott gingen sie los. Aber mit Gott kamen sie an.

Anscheinend erwacht der Glaube nicht in erster Linie durch die Botschaft vom leeren Grab, sondern durch die persönliche Begegnung mit dem Auferstandenen. Wo sich Jesus nach seiner Auferstehung unter seinen Jüngern gezeigt hat, ist immer ein Zug der Fremdheit nicht zu verkennen. Jesus gehörte noch zu ihnen und ist doch schon der erste einer neuen Schöpfung. Für diese andere Welt sind irdische Augen eben nicht tauglich. Gott muss den Jüngern die Augen öffnen, damit sie Jesus erkennen können. So liegt es nicht an einer Unwirklichkeit oder Undeutlichkeit der Erscheinung Jesu, sondern an den Augen der Jünger, wenn sie ihn nicht erkennen.

Weil Jesus auferstanden ist, kann ich ihm auch heute begegnen – besonders durch sein Wort und seinen Geist. Während ich noch auf dem Wege bin, tritt Jesus schon an meine Seite, um das Dunkel zu erhellen, das meinen Weg verhüllt. Dann lebe ich zwar noch im Alten, aber ich sehe schon über das Alte hinaus. Zwar lebe ich dann noch in der Welt des Todes, aber seine Auferstehung weist mich auch schon über den Tod hinaus.

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