/ Wort zum Tag

Jeremia 5,25

Bibelvers

"Aber eure Verschuldungen verhindern das, und eure Sünden halten das Gute von euch fern."

Jeremia 5,25

Haben Sie schon einmal versucht, mit einem Kugelschreiber auf ein fettiges Stück Papier zu schreiben? Sie können sich anstrengen, wie sie wollen – das Papier wird die Farbe nicht annehmen und der Kuli versagt. Oder haben Sie schon einmal probiert, einen imprägnierten Lappen mit Wasser zu tränken? Der Lappen bleibt trocken, auch wenn man ihn ganz unter Wasser taucht.

Mit diesen beiden Bildern könnte man ausdrücken, was der Prophet Jeremia im Namen Gottes dem Volk Israel vorwirft: „Eure Sünden halten das Gute von euch fern“ (Jer. 5,25). Dieser kurze Satz räumt gewaltig auf mit zwei Missverständnissen, die mir immer wieder begegnen, sowohl bei Christen als auch bei Nichtchristen.

Das erste Missverständnis lautet: „Gott gönnt uns nichts. Gott ist knausrig und geizig. Er liebt uns nicht, weil er uns nicht gibt, was wir wollen. Er straft uns, indem er den Himmel und seine Hände verschließt.“ Wenn ich ehrlich bin, wohnt dieser Gedanke auch irgendwo in meinem Herzen. Nicht in Zeiten, wo alles gut geht; nicht in den Phasen meines Lebens, wo ich Grund genug zum Danken und Loben habe. Aber wenn mich Leid trifft, wenn ich von Gott enttäuscht bin, wenn meine Gebete nicht erhört werden – dann nagt heimlich dieser Gedanken an meinem Herzen: „Gott liebt dich nicht wirklich, er gibt dir nicht das Gute, das du so dringend bräuchtest.“

Doch hören wir gut hin: die gute Nachricht, das Evangelium Gottes lautet anders. Und erstaunlicherweise ist es auch in diesem Satz von Jeremia versteckt: „Eure Sünden halten das Gute von euch fern.“ Das heißt doch im Klartext: Gott will schenken. Gott ist freigebig und großzügig. Er wartet nur darauf, uns Gutes zu tun. Doch das Gute kommt nicht bei uns an. Es prallt an uns ab wie die Farbe auf dem fettigen Untergrund. Unser Herz bleibt trocken, obwohl Gott uns über und über mit Gutem überschüttet. Es ist nicht Gott, der seine Hand verschließt – es sind wir mit unseren imprägnierten Herzen, die das Gute von uns fern halten.

Damit kommen wir zum zweiten Missverständnis: Sünde ist kein Kavaliersdelikt, keine Kleinigkeit! Sünde ist kein Problemchen, über das der liebe Gott, wenn er nur wollte, großzügig hinwegsehen könnte. Um es einmal drastisch zu sagen: Sünde ist nicht Gottes Problem – es ist unser Problem! Sie hält das Gute von uns ab. Sie hindert Gott, uns zu segnen. Und deshalb ist sie eine große Gefahr für uns. Ja, Sünde ist lebensgefährlich, weil sie uns vom ewigen Leben Gottes abschneidet. Machen wir uns nichts vor: „Sünde“ ist keine Erfindung der Kirche, um ansonsten ganz ordentliche Menschen schlecht zu machen. Sondern Sünde ist das, was uns von Gott und seinen guten Gaben trennt.

Deshalb hilft uns nur eins: Wir brauchen Vergebung. Und dazu braucht es Umkehr zu Gott hin. Wir dürfen unser verstocktes und verbohrtes Herz zu Gott bringen und ihn bitten: „Vergib mir bitte meine Schuld. Wir dürfen unser fettiges Blatt Papier ihm hinhalten und bitten: Schenk mir bitte ein neues Blatt, ein neues Leben, ein neues Herz, eine neue Gesinnung!“

Ach, wie gern Gott auf diese Bitten eingeht! Denn er will uns ja beschenken. Er will uns ja Gutes tun. Er ist gerne gnädig! Ich habe es immer und immer wieder in meinem eigenen Leben erfahren, wie befreiend es ist, so vor Gott zu treten! Und wissen Sie was? Danach öffneten sich regelmäßig meine verschlossenen Hände, und ich konnte von Gott Dinge annehmen, die mir vorher versagt blieben. Mein bis dahin imprägniertes Herz kann plötzlich wieder empfangen und danken.

Nein, es ist nicht so, dass wir zusätzlich zur Vergebung auch noch alle unsere Wünsche erfüllt bekommen. Aber wir sehen plötzlich Gaben Gottes, wo wir vorher nur den verschlossenen Himmel gesehen haben. Wir empfangen Gott selbst, der in unsere Herzen einzieht. Und mit ihm im Herzen können wir lernen, uns von ihm anders beschenken zu lassen, als wir es erwartet hatten. Probieren Sie es aus.

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