/ Wort zum Tag

Jesaja 53,4

Bibelvers

"Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre."

Jesaja 53,4

»Bruder Johannes, wie kann ich als Soldat dem Christus wahrhaftig nachfolgen?« Der römische Offizier näherte sich wie ein Bittsteller dem durch sein Alter gebeugten Weisen. Der Angesprochene wandte sich dem großen Gerüsteten zu und stützte sich fest auf seinen jungen Begleiter.
»Bruder … ?«
»Sixtus«, ergänzte der Soldat.
»Bruder Sixtus, gibt es Vorgänge in deinem Dienst, die Jesus Christus nicht Ehre erweisen?«
»Oft«, gab der Offizier zu. »Unser Handwerk ist blutig und vielfach werden uns Gewalttaten durch Befehle abverlangt, die ich lieber nicht näher schildern möchte.«
»Wie lange bist du noch verpflichtet?«
»Vier Jahre muss ich noch dienen. Dann kann ich meinen Abschied einreichen. Ich habe schon auf Beförderung verzichtet, um nicht als Befehlshaber noch mehr Menschen zu ungerechtem Handeln anzutreiben. Durch meine Zurückhaltung haben sich bereits jüngere im Rang mokiert, ich sei wohl weibisch geworden oder feige. Das lässt mich kalt. Aber wenn Vorgesetzte von mir bestimmte Taten verlangen, kann ich mich nur nicht recht entziehen.«
Der alte Jünger setzte sich, um dem Fragesteller zu zeigen, dass ihm sein Anliegen wichtig sei und er sich Zeit nehmen wollte. Nachdenklich erhob er wieder den gekrümmten Nacken zu ihm hin. »Du hast spürbaren Kummer durch deinen Stand. Nimm es auf dich, schief angesehen zu werden. Weiche der Gewalt aus, wo du nur kannst, auch wenn dir daraus Nachteile erwachsen. Strebe danach, die unscheinbaren Einsätze zu übernehmen, die andere meiden. Nütze deine Spielräume aus, um Menschenleben zu schonen und Verletzungen zu vermeiden. Studiere die Gesetze, damit du dich gegen Unrecht wehren sowie andere davor bewahren kannst. Sei aufsässig gegen das Böse, wo nur möglich. Jesus Christus ist mit dir und er vergibt dir deine Schuld, Sixtus.«
 »Versteht der Herr, wie es mir ergeht, Johannes?«
»Bruder, der Menschensohn hat wie ein Schwerverbrecher gelitten und er galt seinen Mitmenschen als ein von Gott Verlassener. Die Menschen meinten, er sei verflucht. Wie es im Jesajabuch (53,4) über ihn heißt: 'Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.' Du kannst dir sicher sein, dass ihm unser irdisches Elend nicht unbekannt ist. Er hat den bitteren Kelch des Leides geschmeckt bis zur Neige.«
»Dann gibt es Hoffnung für mich, Johannes. Du verstehst es, zu trösten und richtest mich auf.«
Der lächelnde Alte erhob sich mühsam und die beiden Männer umarmten einander. Danach schaute Johannes dem Sixtus konzentriert in die Augen. »In vier Jahren, wenn ich noch in dieser Welt leben sollte, möchte ich davon hören, dass du zum Tröster geworden bist und Gebeugte aufrichtest. Mir hast du jetzt schon neue Hoffnung gegeben. So starke Kerle wie dich kann die Gemeinde Christi gut gebrauchen. Wir haben mehr Schwache in unseren Reihen als Olympier und brauchen alle Kräfte, um den großen Aufgaben gerecht zu werden.«
»Du berufst mich in einen neuen Dienst, lange bevor meine bisherige Knechtschaft zu Ende geht.«
»Ist das eine zu schwere Last für dich, Sixtus?«
»Nein, Johannes, das ist eine Hoffnung. Das ist etwas, das mich aufrecht gehen lässt, obwohl ich den Druck jetzt noch und einen anderen in der Zukunft schon spüre.«
Die Männer hielten sich an den Händen, bis Johannes sich entschlossen abwandte, seine Rechte wieder auf den Arm seines Begleiters stemmte und mit einem frohen Gesicht den begonnenen Weg wieder aufnahm.

 

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