/ Wort zum Tag

Lukas 2,29-30

Bibelvers

Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen.

Lukas 2,29-30

„Dass ich das noch erleben muss... “ Dieser Satz klingt resigniert. Da läuft gerade etwas aus dem Ruder. Vielleicht droht sogar eine Entlassung.

„Dass ich das noch erleben darf…“ Dieser Ausruf ist dagegen reinweg anders. Hört sich nach einem besonderen „Aha-Erlebnis“ an.

Um ein solches handelt es sich jedenfalls bei Simeon. Vermutlich ist er ein alter Mann. Da hat man normalerweise keine großen Erwartungen mehr. Just in diesem Lebensabschnitt aber erfährt Simeon eine totale Horizonterweiterung. Das geschieht völlig unspektakulär. Aber es ist zutiefst gravierend für ihn. Verblüfft sagt er daher zu Gott:
„Herr, nun kannst du mich ruhig entlassen. Soeben ist mir ein Licht aufgegangen. Jetzt sehe ich alles ganz anders. Im Blick auf die Gegenwart. Auch nach vorne“.

Wie, das? Quasi am Schluss des Lebens eine völlig neue Lebensperspektive?

Bei der Spurensuche nach diesem Geheimnis vermute ich auch bei Simeon zunächst Resignation. Unerfüllte Hoffnung. Als frommer Mann staunt er gewiss über das Handeln Gottes in der Geschichte seines Volkes. Über Sein Retten. Seine Nachsicht. Sein Führen. Über Sein Reden. Aber als empfindsamer Mensch leidet Simeon auch am seltsamen Schweigen Gottes. Bereits 400 Jahre lang hat Gott nun schon nicht mehr von sich hören lassen. Sich seinem Volk nicht mehr mitgeteilt. Wie soll das nur weitergehen. Mit Israel. Mit Simeon persönlich.

In dieses bohrende Fragen hinein bekommt der Betagte eine Verheißung. Die Erfüllung aber lässt auf sich warten. Eine Fatamorgana? Kaum denkbar! Darum lebt Simeon in permanenter Spannung. Bis zu diesem Moment, im Tempel.
Auch hier ist zunächst alles wie gehabt. Im Vorhof werden lautstark die Opfertiere angeboten. Selbst im Gotteshaus geht alles seinen gewohnten Gang. Junge Mütter verrichten nach ihrem Wochenbett das vorgeschriebene Reinigungsopfer. Pharisäer ermahnen die Tempelbesucher, ja nur gründlichst das Gesetz einzuhalten. „Erst dann“, so sagen sie, „kann der Messias kommen“. Nichts Neues also, im Tempel.

Dann aber wird Simeon auf ein junges Paar mit Baby aufmerksam. Eigentlich auch hier alles im grünen Bereich: Glückliche Eltern. Aber arme Leute. Das bekunden die Opfertauben. Dazu das Kind - hilflos. In Windeln. Nichts Außergewöhnliches. Schon gar nichts Außerirdisches. Dennoch kann Simeon sich nicht von dem Anblick lösen. Er nähert sich dem Jungen. Nimmt das Kind der Armen auf seine Arme und sieht in IHM das Ersehnte. Er erkennt: Das ist ER! Der Verheißene. Der Retter. Der Heilsbringer. Der Heiland. Dieses Wickelkind wird einmal das kaputte Verhältnis zwischen Gott und seinem Volk - zwischen Gott und Millionen Menschen aus den vielen Völkern heil machen. Er kann Licht in das Dunkel menschlichen Denkens und Verhaltens bringen.

Bei ihm selber jedenfalls, bei Simeon, hat Gott dieses Wunder soeben getan. ER hat sein Versprechen eingelöst. Der Erlöser ist da. Dass er das noch erleben darf - großartig! Aufgrund solcher Gottesbegegnung tut Simeon, was ein Mensch im Gotteshaus tun soll. Er betet an. Er sagt: In diesem Kind, Herr, in Jesus, bist du mir soeben als Heiland erschienen. Darum kann ich vor dir erscheinen. Kann im Frieden gehen. Du kannst deinen Diener getrost zu dir nehmen“.

Auf diese Weise reiht Simeon sich in die Schar der anbetenden Hirten und Weisen - in die Anbetung Gottes durch Maria und Zacharias, ein. Ich will das ebenfalls tun.

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