/ Wort zum Tag

Hebräer 13,4

Bibelvers

Die Ehe soll in Ehren gehalten werden bei allen und das Ehebett unbefleckt; denn die Unzüchtigen und die Ehebrecher wird Gott richten.

Hebräer 13,4

Du sollst nicht ehebrechen - bis dahin und nicht weiter. Der Hebräerbriefschreiber dagegen sagt es positiv: Die Ehe soll bei euch allen in Ehren gehalten werden. Starke Worte am frühen Morgen auf leeren Magen, finde ich jedenfalls. Doch: Nicht wenige winken gleich ab. Das geht mich nichts oder nichts mehr an. Außerdem: Wer redet schon gern über so intime Fragen, zumal in der Öffentlichkeit? Und: Was kann man schon in vier Minuten darüber sagen? Dafür gibt es ganze Bibliotheken. Heerscharen von Spezialisten haben sich dazu geäußert. Für Antworten auf Einzelfragen ist hier also nicht die Zeit und auch nicht der Ort.

Ich stelle fest: Viele unserer Zeitgenossen sind von der Ehe enttäuscht. Sie haben nicht die besten Erfahrungen gemacht. Sie nicken zwar und bestätigen: Ja, es wäre gut, das Eheversprechen zu halten, nicht in die Ehe von anderen einzubrechen. Da bleibt immer ein unschöner Scherbenhaufen zurück - aber eine Lobeshymne auf die Ehe singen, die Ehe in Ehren halten? Nein, das wollen die meisten nicht. Selbst die Paare, die ihre Ehe bejahen, sind eher vorsichtig, wägen ab. Also: Was machen wir dann mit diesen beiden Spitzensätzen der Bibel? Es ist wie so oft: Ich kann skeptisch bleiben, auf Distanz gehen, die Wahrheit der Bibel als Idealismus pur abtun. Ich kann es aber auch wagen, einen neuen Zugang dazu zu suchen.

Was heißt es, die Ehe in Ehren zu halten? Oder biblisch: Ihr das Gewicht geben, das ihr zusteht? Reicht es, klar und deutlich zu formulieren, was nicht sein soll? Reicht es, mehr oder weniger begeistert auf die Ehe zu schwören?

Die Ehe in Ehren zu halten, heißt doch, sie auch in Gottes Sinn zu leben. Das wiederum kann zum Beispiel konkret bedeuten, die Gegensätzlichkeiten zu bejahen, sie auszuhalten, ihnen nicht auszuweichen, die Chance, die darin liegt neu sehen zu lernen. Denn Gegensätzliches erzeugt Spannung, und nur die ermöglicht auch neue Entwicklungen. Weiter: Über alle Gegensätzlichkeiten hinweg ist die Ehe angelegt auf Ergänzung, auf das Gespräch. Das niemals beenden, sondern immer wieder wagen, auch wenn es manchmal mühselig ist, das kann sich positiv auswirken. Die Ehe in Ehren zu halten, heißt auch, die Vergebung zu suchen, Groll und Bitterkeit nicht groß werden zu lassen. Unversöhnlichkeit zerstört eine Ehe unweigerlich. Das Eingeständnis von Fehlern und Versagen und die Bitte um Vergebung dagegen ermöglichen einen Neubeginn.

Mir ist klar: Ich werde mit diesen Überlegungen negative Entwicklungen nicht aufhalten. Aber da, wo die Ehe in Ehren gehalten wird, wird ein Zeichen der Hoffnung gesetzt. Damit wäre schon viel gewonnen. Vielleicht ergibt sich ja für Sie heute eine Gelegenheit zu einem klärenden Gespräch, zu einem konkreten Neubeginn.

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