/ Wort zum Tag

1. Könige 8,56

Bibelvers

Es ist nicht eins dahingefallen von allen seinen guten Worten, die er geredet hat durch seinen Knecht Mose.

1. Könige 8,56

Zu einem Jubiläum oder zu einer Einweihung wird jeweils ein Festredner eingeladen. Von ihm werden treffende Formulierungen erwartet, Worte, die man später noch lange zitieren kann. Unter diesem Erwartungsdruck kann es passieren, dass der Redner seine Worte am Festtag allzu schön färbt und die tatsächliche Situation verklärt. Entsprechend werden solche Reden oft zurückhaltend aufgenommen. Viele Zuhörer nehmen eine Festrede nur bedingt für bare Münze.

Das Wort zum heutigen Tag stammt aus einer Festrede. Im Zusammenhang mit der Einweihung des ersten Tempels in Jerusalem sagt König Salomo in 1. Könige 8,56: „Gelobet sei der HERR, der seinem Volk Israel Ruhe gegeben hat, wie er es zugesagt hat. Es ist nicht eins dahingefallen von allen seinen guten Worten, die er geredet hat durch seinen Knecht Mose.“ Auch hier kann man fragen: Meint Salomo das genauso oder hat er sich von der Feststimmung zu einer allzu vollmundigen Aussage hinreissen lassen?

Was nach rhetorischer Schaumschlägerei klingt, ist in Wirklichkeit mehr. Salomo meint genau, was er sagt: Gott hat tatsächlich alle seine Versprechen erfüllt. Im Moment der Tempeleinweihung kann er dies an der Wirklichkeit ablesen. Seit dem Auszug aus Ägypten hat sich Israel an den Versprechen Gottes orientiert, eigenes Land zu finden, sich darin niederzulassen, unter Gottes Führung zu wachsen und von seinen den Nachbarvölkern nicht mehr angefeindet, sondern respektiert zu werden. Das alles ist wahr geworden. Es hat zwar lange gedauert, ging über mehrere Generationen. Aber jetzt lebt das Volk Israel im gelobten Land und ist hier verwurzelt, es geht wirtschaftlich aufwärts und unter König Salomo hat eine lange Phase des Friedens begonnen. Gott hat getan und erfüllt, was er versprochen hat. Salomo kann es an der Situation, in der er und sein Volk leben, Tag für Tag ablesen. Salomo ist es ist wichtig, immer wieder festzuhalten: Es ist nur Gott zu verdanken, dass es uns so gut geht. Dies unterstreicht sein Bekenntnis an diesem Festtag, an dem Israel nun sogar Tempel, ein für die damalige Zeit beeindruckendes Gebäude, zur Ehre Gottes einweihen darf.

Als Salomos Rede viel später zu einem Teil der Bibel wurde, stand dieser Tempel freilich schon lange nicht mehr. Und dem Volk Israel ging es bei weitem nicht mehr so gut. Doch gerade da konnte die Erinnerung daran, wie Gott seine Versprechen erfüllt hatte, neue Hoffnung wecken. Darum wurde Salomos Bekenntnis in die biblische Sammlung von Königsgeschichten aufgenommen. In der Verbannung fanden führende Juden, dass die Erinnerung an die guten Zeiten festgehalten werden musste. In dieser Krise wollte man sich bewusst daran erinnern, dass Gott seine Versprechen schon einmal erfüllt hatte. Daraus konnten die Hoffnung und das Vertrauen wachsen, dass Gott es wieder tun wird, dass er auch jetzt treu zu seinem Volk stehen und ihm eine neue Zukunft schenken werde.

Gott steht zu seinen Versprechen und erfüllt sie. Das Volk Israel hat das in seiner Geschichte immer wieder erlebt. Und wenn es mal anders aussah, wurde die Erinnerung daran neu durchbuchstabiert. So lernte das Volk, auch in der Krise an seinem Gott festzuhalten. Darum ist unser Tagesvers mehr als ein schön formulierter Satz. Er bestätigt eine durch vielfältige Erfahrung erhärtete Zusage. Deshalb können und wollen diese Worte jeden Tag neu Halt geben: „Gelobet sei der HERR … Es ist nicht eins dahingefallen von allen seinen guten Worten, die er geredet hat durch seinen Knecht Mose.“

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