/ Wort zum Tag

Apostelgeschichte 21,14

Des Herrn Wille geschehe!

Dieses Gebet kann man sehr unterschiedlich betonen und unterschiedlich verstehen. Und wenn ich selbst es bete: Wie soll ich es meinen? Resignierend oder als Kampfansage oder voller Vertrauen?

So ganz sicher waren sich die Reisebegleiter des Paulus auch nicht, als ihnen der Apostel eröffnete, er wolle nach Jerusalem gehen. Und er ließ sich nicht davon abbringen, obwohl es prophetische Hinweise gab, dass er dort gefangengenommen und möglicherweise sogar getötet werden würde.

Wir lesen in Apostelgeschichte 21, 14: „Da er sich aber nicht überreden ließ, schwiegen wir und sprachen: Des Herrn Wille geschehe!“Das kommt sogar unter Christen vor, dass man sich nicht einig ist, was denn wohl der Wille Gottes ist. Bei Lehrfragen mag das ja noch nicht ganz so dramatisch sein, vor allem, wenn es nur darum geht, wer Recht hat. Aber hier ging es um Leben und Tod. Hier ging es darum, entweder für Jesus zu sterben oder für Jesus weiterzuleben.

Paulus war der Heidenapostel. Er war der größte Missionar der Kirchengeschichte. Durch sein Zeugnis von Christus kam das Evangelium zu den Nichtjuden und lief um die Welt. Konnte es da eine Option sein, sehenden Auges in den Tod zu laufen und für Jesus zu sterben?

Viele von uns Christen in der westlichen Welt hören vom „Sterben um Christi Willen“ allenfalls einmal in einem Missionsabend etwas. Und bei den Berichten aus einer weit entfernten Welt voller Christenverfolgung sind wir dann ganz betroffen und beten bewegt um Gottes Eingreifen und Hilfe. Vielleicht legen wir auch Unterschriftenlisten aus, um uns für unsere verfolgten Geschwister und für die Freilassung inhaftierter Christen einzusetzen.

Aber kann „Sterben für Jesus“ auch Teil des Zeugnisses eines Christen sein? Könnte das vielleicht sogar auf uns in Europa einmal zukommen? Das erscheint uns vermutlich doch sehr fremd und kaum dem Willen Gottes entsprechend, oder?

In meiner Gemeinde ist uns diese Wirklichkeit näher gekommen durch die Gemeinschaft mit afghanischen und iranischen Christen, die wegen ihres Glaubens an Christus fliehen mussten. Seit ungefähr zwei Jahren versuchen wir sie zu begleiten und zu integrieren und sind Gott von Herzen für sie dankbar. Einige von ihnen haben sogar in unserem Land schon aufgrund ihres Christseins Anfeindungen und sogar Bedrohung erlebt. Ihr Erleben lässt uns über unser eigenes Christuszeugnis nachdenken. Mancher von uns fragt sich, was uns unser Bekenntnis zu Jesus vielleicht einmal kosten könnte. Aber kann „Sterben für Jesus“ der Wille Gottes sein?

Für Paulus und sein Missionsteam war das keine theoretische Frage, sondern eine, die konkret und bedrohlich über ihrem Leben und ihrem Dienst stand – und sie waren sich nicht einig über die Antwort. Paulus war bereit, auf sein Leben keine Rücksicht zu nehmen um Christi Willen. Seine Reisebegleiter versuchten, ihn von der Jerusalemreise abzubringen, aber sie konnten ihm seine Verantwortung nicht abnehmen.

Doch dann hörten sie irgendwann auf zu reden und einander zu bedrängen. Sie bargen sich in der Erkenntnis, in der schon Jesus geborgen war und in der wir heute uns auch bergen können: Des Herrn Wille geschehe! Wenn der Wille Gottes geschieht, dann ist es gut. Etwas Besseres kann uns nicht geschehen, und sinnvoller kann man gar nicht leben – so schwer es zunächst auch aussehen mag. Und sie sprachen: „Des Herrn Wille geschehe!“

Das könnte auch unser Gebet für heute sein, egal, was uns das Bekenntnis zu Jesus heute vielleicht auch kosten mag:Dein Wille geschehe, himmlischer Vater, nicht nur im Himmel, sondern auch hier auf der Erde, hier bei mir und in meiner Umgebung. Dein Wille geschehe, ich vertraue Dir!

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