/ Wort zum Tag

1. Korinther 13,4

Bibelvers

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf.

1. Korinther 13,4

Beim Thema Liebe kommt mir immer mal wieder ein alter Schlager in den Sinn. Da heißt es am Anfang: „Die Liebe ist ein seltsames Spiel: sie kommt und geht von einem zum andern. Sie nimmt uns alles, doch sie gibt auch viel zu viel. Die Liebe ist ein seltsames Spiel.“ Was  die damals sehr bekannte Conny Francis da gesungen hat, wirkt immer noch recht modern. Liebe ist schwer zu beschreiben. Plötzlich ist sie da,  schnell ist wie wieder weg. Sie kann Menschen total glücklich, aber auch regelrecht kaputt machen. Ja, es ist seltsam mit der Liebe. Paare, die sich vor Jahrzehnten ewige Liebe geschworen haben, gehen plötzlich auseinander, weil einer von den beiden eine neue Liebe entdeckt hat. Manche wollen sich auf Liebe gar nicht mehr einlassen, weil sie so schwer enttäuscht worden sind. Andere wagen es nicht, sich auf Dauer zu binden, weil sie in ihrer Familiengeschichte soviel Zerbruch in Sachen Liebe kennen lernen mussten.

Fast als Gegenrede kommt uns dieses Wort zum Tag entgegen. Im großen Hohelied der Liebe des Apostels Paulus wird Liebe nicht als ein sprunghaftes Gebilde beschrieben, das kommt und wieder geht. Liebe bekommt das Gütezeichen der Treue, der Dauer, der Fürsorge, der Ausgeglichenheit. Liebe ist ein nachhaltig wirkendes Gut, das Menschen ein Leben lang zufrieden stellen kann. Sie ist eine ungemein starke Kraft bei allem Wandel, und ist dabei eben nicht dem Wandel der Geschmäcker, der Stimmungen und der Bedürfnisse unterworfen. Ja, die Liebe ist so stark, dass Paulus am Schluss des großen Kapitels über die Liebe in 1. Korinther 13 sagen kann: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Widerspricht diese Aussage nicht den Erfahrungen der heutigen Wirklichkeit? Wird da nicht ein Ideal von Liebe an die Wand gemalt, das an der Wirklichkeit scheitert? Ja, das wäre der Fall, wenn einer von uns diese Aussage gemacht hätte oder machen würde. Denn, das könnten wir gar nicht, immer freundlich und geduldig sein, immer maßvoll leben und uns nicht aufregen lassen, wenn uns die Leute zum Zorn treiben.

Aber darum geht es in diesem Wort der Bibel auch gar nicht. Denn hier ist nicht von uns die Rede, sondern von Gott und seiner Liebe zu uns und damit von Jesus, dem Mensch gewordenen Gott, der Gottes Liebe ausgestrahlt hat wie niemand vor ihm. Was ist das für eine Liebe, die uns da entgegenkommt und die so ganz anders ist als unsere sprunghafte Weise zu lieben und geliebt zu werden?

Ich erinnere mich an eine Unterrichtsstunde, die ich zu halten hatte. Wir waren gerade bei einem Text aus dem Römerbrief. Da stand in Röm 5, Vers 8 zu lesen, dass Gott seine Liebe darin gezeigt hat, dass Jesus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Mitten in die eher staubige Arbeit an diesem Wort rief eine Studentin in die Runde: „Ist das schön!“ Alles horchte auf, ich auch. Und was fand sie so schön? Was hat sie regelrecht ergriffen? Dass Jesus sein Leben für uns gegeben hat, obwohl wir es gar nicht wert sind. Dass seine Liebe nicht auf Gegenliebe wartet und sich nicht erst da zeigt, wo er selbst geliebt wird. Nein, Jesus ist ans Kreuz gegangen, obwohl wir Sünder sind, auch wir heute. Er hat alles für uns getan, um uns den Weg zum Vater neu zu bahnen. Nur unser Ja zu ihm ist noch nötig. Was ist das für eine Liebe!  Dietrich Bonhoeffer hat diese Liebe einmal „inkommensurabel“ genannt. Es ist eine unvergleichliche Liebe, unfassbar, aber wahr.

Und so begegnet uns das Wort für diesen Tag ganz neu. Unsere eigene Art zu lieben ist spannungsreich, ist sehr abhängig davon, ob auch der oder die andere uns seine Liebe zeigt. Bei Jesus haben wir einen Garant für eine Liebe, die sich in Treue und Verlässlichkeit auswirkt. Bei ihm können wir lernen, was Liebe eigentlich ist. Zu ihm können wir jeden Tag kommen und uns von seiner Liebe beschenken lassen. Aber er ist uns auch Ansporn und Auftrag, dass wir einander nicht loslassen, den oder die Ehepartner, den Vater, das Kind, die Freundin, den Kollegen. Jesus zeigt uns eine Liebe, die sich durchhält, und er möchte, dass wir ihm nachfolgen und selbst in der Liebe zu ihm und zueinander treu bleiben.

 

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