/ Wort zum Tag

Kolosser 1,9

Bibelvers

Wir lassen nicht ab, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht

Kolosser 1,9

Wann ist meine Fürbitte gefragt? Wenn ein anderer in Not geraten ist. Dort, wo die Kunst der Ärzte am Ende ist, erbitte ich Gottes Hilfe. Dort, wo selbst die besten Rettungsdienste hilflos vor einem Unglückfall stehen, wende ich mich an einen Höheren, der diese Not noch wenden könnte. Wenn ich dann in meinen Hilferufen von anderen begleitet werde, die für mich ihre Fürbitte leisten, erfahre ich die Geborgenheit einer betenden Gemeinschaft und oft genug die außerordentliche Hilfe Gottes.

Ich erinnere mich an das Zeugnis eines Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg, der mir sagte: „Hätte ich nicht gebetet und hätte ich mich nicht vom Gebet der Meinen getragen gewusst, ich hätte diesen Krieg nicht lebend überstanden.“ Er konnte sich dabei an so manches Wunder erinnern, wo er dem Tode nur knapp entronnen war.

Doch gibt es auch die anderen, bedrückenden Erfahrungen. Unsere Fürbitte scheint nichts zu fruchten. Obwohl in Gebetsketten und Gebetsnächten Gott um Hilfe angefleht wird, nimmt die Krankheit ihren unerbittlichen Verlauf. Da kann der Glaube an einen helfenden, rettenden Gott ganz und gar ins Wanken geraten. Und noch mehr das Vertrauen ob Fürbitte hilft. Genau dann sind wir im Zentrum der Bitten des Paulus für seine Gemeinde der Kolosser.

Worum bittet der Apostel? Nicht um Glück und Erfolg im täglichen Leben, auch nicht um Gesundheit und Brot, Arbeit und sozialen Frieden. Er bittet auch nicht um Hilfe in den täglichen Nöten, die diese Gemeinde zu tragen hatte. Sondern er bittet für sie um geistliche Weisheit und Einsicht. Wieso das?

Wann immer das Leben anders verläuft als wir erhoffen, geraten wir in eine Krise. Wenn Lebenswirklichkeit und Lebenswünsche auseinandertreten, dann ist eine andere Fürbitte gefordert. Nicht um Besserung des Lebens gilt es zu beten, sondern wie Paulus um geistliche Einsicht und Weisheit in das Unvermeidliche.

Einsicht: Manchmal ist es die Natur, die ihr Recht fordert. Dann kann es das Schicksal sein, das so unabwendbar abrollt. Oder es ist eine Entscheidung, die sich nicht mehr rückgängig machen lässt: kurz das Unabwendbare, das Unvermeidliche, das Unumgängliche im Leben! Das lässt sich nicht mit Fürbitten aus der Welt schaffen. Aber ich kann einsehen lernen, dass ich es hinnehmen muss. Paulus bittet darum, dass die Kolosser den Willen Gottes erkennen und zu geistlicher Weisheit und Einsicht kommen. Ob dies bei jedem meiner Gebete der erste und letzte Satz sein müsste, wie Jesus auch in Gethsemane gebetet hat: „Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst, Vater! Lass mich einsehen, dass ich tragen muss, was du mir in meinem Leben so unumgänglich auferlegst.“ Das Ringen um diese Einsicht kann viel kosten. Das Lukasevangelium berichtet von Jesus in seinem Gethsemanegebet: „Und sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen.“

Zur Einsicht gehört dann auch die Weisheit, die sich in das Verfügte einfügen kann. Deswegen beten wir ja im Vaterunser: „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden!“ Ich will nicht vorschnell aufgeben. Im Gebet bin ich bereit, Gott alles abzuringen. Aber dennoch will ich so weise sein, dass ich mich in das Verfügte einfüge. Dahinter steht ja ein wunderbares Bild von einer Mauer, in die einzelne Steine so eingesetzt werden, dass sie nur eine schmale Fuge trennt. Von den Mauern des Inkabaus in Machu Picchu/Peru berichtet man, dass sie so passgenau zusammengefügt sind, dass nicht einmal eine Messerklinge dazwischen passt. So will Gott mein Leben in seinen großen Bau einfügen. Wenn ich das erkenne und mich dem beuge, dann bin ich wirklich weise. Wo brauche ich heute die Fürbitte eines Paulus, damit auch in mir Weisheit und Einsicht wachsen und ich das Leben hinnehmen kann?

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