/ Wort zum Tag

Römer 2,4

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Weißt du nicht, dass Gottes Güte dich zur Umkehr treibt?

Römer 2,4

Umkehr ist die zentrale Botschaft des Neuen Testaments: sie führt mitten ins Evangelium, obwohl ich damit oft Schweres, ja Düsteres verbinde. Ich sehe vor meinem inneren Auge die mittelalterlichen Büßerzüge, in denen sich verzweifelte Menschen auspeitschten, um das drohende Gericht durch die Pest von sich abzuwenden. Ich erinnere mich an alte Bußkataloge, in denen Sünden aufgezählt wurden, die es zu beichten galt. Und ich erinnere mich an Ablasszahlungen, die zur Zeit Luthers den Menschen viel Geld aus den Taschen zogen, mit dem sie sich von ihrem schlechten Gewissen freikaufen wollten. Da ist nichts von einem frohmachenden Evangelium zu spüren.

Diese Formen der Buße haben gänzlich an Bedeutung verloren. Heute ist davon fast nur noch beim Bußgeld die Rede, wenn ich gegen Verkehrsregeln verstoßen habe. Oder aber ich muss es mit einem überfüllten Magen „büßen“, dass ich zu viel gegessen habe. Doch Buße, Umkehr als frohe Botschaft, als ein Evangelium? So steht sie bei Paulus und bei Jesus im Zentrum der guten Nachricht (Mt 4,17): „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.“ Es ist die Nähe Gottes, seine freundliche Nähe, die mich – so im Griechischen wörtlich: umdenken – umkehren lässt. Auch die erste der 95 Thesen, die Luther am 31. 10. 1517 an die Schlosstüre zu Wittenberg heftete, beginnt mit diesem Satz: „Wenn unser Herr und Meister Jesus Christus sagt: »Tut Buße« usw. (Matth. 4,17), so will er, dass das ganze Leben seiner Gläubigen auf Erden eine stete Buße sein soll.“

Wenn also die Umkehr eine so fröhliche Sache sein soll, warum um alles in der Welt färbt sie sich für mich so düster ein? Ich meine, jede Umkehr hat zwei Seiten: eine Abkehr von dem, was schädlich, ja tödlich ist und einer Hinkehr zu dem, was nützlich, ja lebensschaffend ist.

Ich will zuerst die Abkehr betrachten. Sie fällt mir schwer, weil sie oft mit dem Eingeständnis verbunden ist, dass ich mich geirrt habe. Ich will aber nicht auf der Seite der Verlierer stehen und überspiele daher gern meine Fehlentscheidung. Dazu kann noch die Sorge kommen, vor anderen mein Gesicht zu verlieren und mich lächerlich zu machen: „Wie hat er doch von diesem Plan geschwärmt und ist damit gescheitert!“ Schwerer noch fällt mir oft genug der Verzicht auf das Vergnügen und die Lust, die mir so manches ungesunde, ungute Verhalten bereiten kann.

Bei der Hinkehr ist es umgekehrt. Ich befürchte, dass mir das Tun des Guten keinen Spaß macht. Ich will nicht auf unbekannten, neuen Wegen gehen, wo doch die alten, gebahnten so bequem sind. Ich habe Angst, dass ich das Neue nicht durchhalten kann und deswegen die anderen über mich und meine Inkonsequenz spotten.

Diese und viele andere Gründe mehr machen die Umkehr so schwer. Deswegen setzt das Evangelium an ganz anderer Stelle an: Gott ist in der Nähe. Und mit ihm ist zum Greifen nahe, was ich eigentlich begehre: Erfüllung, Sinn und inneren Frieden. Als der Zöllner Zachäus erlebt, dass ausgerechnet Jesus in Jericho bei ihm als einzigem, dem aus der Synagoge Ausgestoßenen, einkehren will, da wird er von Freude überwältigt. Ohne dass ihn jemand ermahnt oder dazu auffordert, ändert er sein Leben: Die Hälfte seines unrecht erworbenen Reichtums will er aus Freude den Armen geben und wo er Menschen betrogen hat, will er es vierfach zurückerstatten.

Kein Geld der Welt könnte ihm diese Freude ersetzen, als Person nicht nur von Menschen, sondern auch von Gott angesehen und anerkannt zu werden. Und deswegen ist er frei, loszulassen, was er zuvor mit aller Kraft an sich zu raffen versucht hat. Abkehr von der Gier und Hinkehr zu der Gabe – weil ihm Gottes Güte in Jesus nahe gekommen ist. Wo kann ich heute die Güte dieses Herrn an mir selbst erfahren? Und wo kann ich sie einem anderen Menschen nahe bringen? Das gäbe ein fröhliches Umkehren!


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