/ Wort zum Tag

Johannes 13,35

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Woran erkennt man einen Christen? Bei Autos fällt es mir nicht schwer, allein von der Form und vom Design die Automarke zu erkennen. Und ein südbadischer Wein lässt sich durch seinen typischen Geschmack unter Weinen anderer Gegenden ebenso herausschmecken. Gehe ich durch die Stadt und sehe vor mir Frauen oder Männer in einer bestimmten Tracht oder Kleidung, dann kann ich sie einem Orden oder einer Schwesternschaft zuordnen. Wie aber kann ich in meinem Umfeld Christen erkennen?

Ich kenne gut noch die Zeit und die Diskussionen, woran ein Christ zu erkennen sein sollte. Wir haben über Haare, Kleider, Stil und andere Ausdrucksformen hitzig geredet und manchmal oft genug auch gerichtet. Überzeugt hat mich das nie. Aber sind die sogenannten äußeren „Erkennungs- oder Verhaltenszeichen“ nicht ein idealer Nährboden für ein zwanghaftes, heuchlerisches Verhalten? Erschrocken bin ich, als ich das an mir selbst auch plötzlich wahrnahm. Hinter einer schön geputzten Fassade kann ein hartes, selbstgerechtes Herz regieren. Nur – die Fassade wird nicht halten.

Unter Druck kommt immer raus, was drin ist. Aus einer Zitrone kommt dann kein Champagner. Oft genug hat sich in Krisen gezeigt, was einen Menschen innerlich gehalten, erfüllt und geprägt hat. Und genau das war Jesus wichtig. Er setzt völlig anders an. Kurz vor seinem  Tod redete er mit seinen Freunden über die wesentlichen und wichtigen Dinge des Lebens. Er bereitete sie vor auf die Zeit, wo sie das leben sollten, was sie bei ihm gelernt und erlebt hatten. Das entscheidende Kennzeichen, woran Menschen Christen erkennen können ist „Liebe untereinander“. Jesus sagt: „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ Aufgeschrieben von Johannes in seinem Evangelium in Kapitel 13 Vers 35.

An der Liebe erkennt man Menschen, die Jesus folgen wollen. Nun ist Liebe zuerst keine Handlung, sondern eine Haltung. Ein Wert, der Prinzipien des Verhaltens prägen kann. Und das wird erkennbar im Denken, Reden und Handeln eines Menschen. Von Natur aus steckt diese Liebe aber nicht in uns. Eher eine gehörige Portion Egoismus. Ich kenne die Stimmen in mir gut: „Hauptsache ich komme zu meinem Recht. Wichtig ist, dass ich mich gut fühle. Ich kann doch nicht gegen mein Gefühl leben.“ Und viele andere. Die Liebe, von der Jesus spricht bedeutet Veränderung meines Herzens. Aber genau diese Liebe will Jesus ausgießen in unsere Herzen, wie es der Apostel Paulus ausgedrückt hat in Römer 5,5: „…denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist“.

Wenn sich ein Mensch Gott öffnet und Jesus als seinen Herrn bekennt, dann durchdringt die Liebe Gottes sein Leben. Und das wird sichtbar und spürbar. Diese Liebe braucht keine Maske mehr, sondern lebt gelassen aus der Vergebung und Zusage Gottes. Diese Liebe öffnet die Augen, dass ich Menschen um mich in ihrer Bedürftigkeit erkenne und ihnen etwas Gutes tun will. Diese Liebe überwindet die Mauer des Grolls und sucht den Weg wieder aufeinander zu. Diese Liebe redet in der Gemeinde nicht übereinander, sondern miteinander. Sie sucht zu gewinnen, nicht zu verletzten. Diese Liebe ist keine Kleinigkeit, aber sie besteht aus lauter Kleinigkeiten. Liebe ist der Wert, der durch liebende Handlungen verwirklicht wird.

Lieben ist ein „Tun-Wort“. Nun aber nicht angelernt oder befohlen, sondern von Herzen. Und das wird erkennbar. Ob Menschen in meiner Umgebung heute davon etwas spüren? Ich wünsche mir das sehr.


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