/ Wort zum Tag

Lukas 15,20

Bibelvers

Der Sohn machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

Lukas 15,20

Haben sie sich schon einmal lächerlich gemacht? Vor anderen? Nicht, weil ihnen irgend ein Missgeschick passiert ist, oder irgend eine andere Dummheit. Sie haben sich lächerlich gemacht, weil sie einem anderen Menschen ihre Liebe, ihre Zuneigung zeigen wollten. Vielleicht so: Sie sind in einer belebten Einkaufsstraße auf jemanden zugerannt. Auf den Menschen, den sie sehr lieb haben.  Sie haben laut nach ihm gerufen. Die Leute um sie herum haben schon verwundert nach ihnen geschaut, weil sie so laut sind. Aber das hat sie nicht gestört. Sie rennen weiter - rempeln dabei vielleicht Leute an. Aber sie haben nur den Menschen im Blick, den sie lieb haben. Endlich sind sie aufeinander getroffen. Unglaubliche Freude machte sich breit. Sie drücken ihr Gegenüber fest, heben ihn in die Luft. Sie haben ihr Gegenüber gar nicht mehr losgelassen und vor Freude gejuchzt. In dem Augenblick war es ihnen egal, was die Leute denken. Sollen die anderen doch schauen und hinter vorgehaltener Hand tuscheln. Die Person, die sie liebhaben war ihnen in diesem Augenblick wichtiger.  Sie durchbrechen die Verhaltensweisen des allgemeinen Anstandes - und es stört sie nicht.

Vielleicht denken sie: Nein, so etwas habe ich noch nicht gemacht. Das ist nicht mein Ding, mich vor anderen lächerlich zu machen.

Bei Gott ist das anders. Gott hat sich lächerlich gemacht. Und er macht sich immer noch lächerlich. Aus Liebe zu uns.

Der Lehrtext für den heutigen Tag ist einer Geschichte entnommen, in der uns Jesus etwas über die Liebe Gottes erzählen möchte. Es ist das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Diese Geschichte erzählt von einem jungen Mann, der mit einer ziemlichen Kaltschnäuzigkeit Haus und Hof verlässt und sein Erbe einfordert. Der Mann verschwendet das Geld und als er vor dem Scherbenhaufen seines Lebens steht, überlegt er sich, dass es ja doch besser wäre, zum Vater zurückzukehren.

Nach Schweinedreck stinkend macht er sich auf den Heimweg. An dieser Stelle setzt der heutige Lehrtext ein. Da heißt es: Der Sohn machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

Für damalige Hörer war diese Erzählung Jesu ein Skandal. So sollte Gott sein? Wie ein würdiger Patriarch, der alle Formen des Anstands vergisst, sein Gewand anhebt und einfach losrennt? Nicht nur, dass er sich die Blöße gibt und seine nackten Beine zeigt, er küsst auch noch den nach Schweinemist stinkenden Sohn. Das gehörte sich damals nicht. Das war unglaublich.  Ja, sagt Jesus, so ist Gott.

Gott macht sich lächerlich. Es ist ihm egal, was die zuschauenden Besserwisser über ihn denken. Seine Liebe gilt dem Menschen, der zu ihm umkehrt. Da ist ihm jede Peinlichkeit egal. Wenn wir Jesus am Kreuz anschauen, dann können wir etwas von Gottes Liebe ahnen, die bereit ist, sich lächerlich zu machen. Gott stört es nicht, dass die Gelehrten und Theologen der damaligen Zeit unter dem Kreuz stehen und sich Lustig machen. Seine Liebe gilt den verlorenen Menschen, die umkehren wollen.

Der entgegenkommende, liebevolle Gott - in Jesus bekommt er ein Gesicht.

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