/ Wort zum Tag

1. Mose 1,31

Bibelvers

Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.

1. Mose 1,31

Da war es endlich: unser erstes Kind war geboren. Anstrengend war es gewesen, wie Geburten nun einmal sind. Aber nun lag meine Tochter ganz ruhig und friedlich und entspannt auf meinem Bauch. Es war einer der Augenblicke, in denen man die Welt um sich herum vergisst. So, wie es ist, ist es sehr gut!

Wie wird Gott sich gefreut haben, als er die Erde geschaffen hat! Als alles fertig war, als alle Geschöpfe lebten und sich ernähren konnten, da schaute Gott auf sein Werk und sah, dass es sehr gut war. „Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“

Aber, Gott, ist denn alles sehr gut, was du gemacht hast? Die Hitze diesen Sommer war kaum auszuhalten. Einen Tag nur hab ich vergessen, meine Balkonpflanzen zu gießen – da waren die ersten schon vertrocknet! Und dann wieder die grauen Tage, an denen es Bindfäden regnet. Da könnte ich depressiv drüber werden.

Aber das sind ja noch die harmlosen Sachen. Ich könnte jetzt eine lange Liste schreiben von  entsetzlichen Krankheiten, von Flutkatastrophen, von Erdbeben und Vulkanausbrüchen.

Alles deine Schöpfung, Herr! Hast du dir das wirklich so gedacht? Findest du, das war gut so?

Ich schlage noch einmal die Bibel auf. Gleich auf den ersten Seiten ist beschrieben, wie du die Welt geschaffen hast: die Pflanzen, die Tiere – und dann den Menschen! Und da wird es spannend. Denn der Mensch begnügt sich nicht damit, zu essen und zu trinken und es sich gut gehen zu lassen. Der Mensch denkt und handelt, Adam und Eva, Kain und Abel, und all die anderen Menschen, von denen anschließend in der Bibel berichtet wird. Die Menschen denken und handeln sehr eigenständig, und längst nicht immer so, wie du es dir von ihnen gewünscht hättest. Sie stellen sich gegen dich und können darum nicht im Paradies bleiben, müssen heraus in eine raue Wirklichkeit, müssen sich mit einer Natur auseinandersetzen, die es nicht nur gut mit ihnen meint. Die Menschen müssen sich reiben, müssen lernen, müssen reifen.

Und dann – am Ende: ich schlage die letzten Seiten der Bibel auf und lese, dass du wieder ein neues Paradies auf dieser Erde schaffen wirst. Dort gibst du den Frieden, nach dem wir Menschen uns sehnen. Dort ist Ruhe. Dort bist du uns ganz nahe. Dort ist alles wieder sehr gut.

Ich denke an mein Kind. Was habe ich mir damals nicht alles vorgestellt, wie ich das Leben mit meinem Kind gestalten will, wie das Kind sich entwickeln wird. Meine Tochter hat mir schnell klar gemacht, dass sie ganz eigene Vorstellungen davon hat. Und diese Vorstellungen deckten sich noch längst nicht immer mit meinen Vorstellungen. Ich habe gebraucht, bis ich es zulassen konnte, dass sie eine eigene Persönlichkeit ist mit eigenen Wünschen, eigenen Vorstellungen. Ich habe gebraucht es zuzulassen, dass sie Entscheidungen trifft, die mir so gar nicht passen. Entscheidungen, die nicht immer richtig waren. Aber die Erfahrungen daraus, die musste sie allein machen. Und nach über 20 Jahren erfahre ich, dass das Kind, das so oft gegen mich rebelliert hat, zu mir zurückkehrt und dass wir uns aneinander freuen.

Und so sage ich zu meinem himmlischen Vater:

Gott, ich kann viel von dir lernen, wie man Vater und wie man Mutter ist. Geschaffen hast du die Welt so, dass sie sehr gut ist. Und zugleich hast du dem Menschen die Freiheit gegeben selbst über sein Leben und über die Welt zu entscheiden. Du wusstest, in welchem Chaos und in welchem Leid das enden wird. Aber du hast Geduld, uns reifen zu lassen, bis wir erkennen und von uns aus zu dir zurück kehren. Danke für diese Geduld!

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