/ Wort zum Tag

Hebräer 4,10

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken, so wie Gott von den seinen.

Hebräer 4,10

Ich bin im Emmental aufgewachsen. Dort gibt es viele abgelegene Bauernhöfe. Der Hof auf der oberen Schattseite gehört dazu. Der alte Schattseiten-Bauer hat mich als Kind beeindruckt. Die Spuren der Arbeit und des Lebens waren dem Gesicht und den Händen des Bauern anzusehen. Falten, Furchen und Schwielen zeugten davon.

Ja, Arbeit hatte er genug gehabt. Sein Leben lang. Das Land war steil und unwegsam und nur mit viel Schweiß zu beackern. Doch am Sonntag ruhten seine Hände. Und wohl auch seine Seele. Die Tiere versorgte er natürlich auch dann. Und für seine Leute war er auch sonntags ein fürsorglicher Hausvater. Aber mehr tat er nicht. Die Arbeit auf den Feldern und Äckern ließ er ruhen. In jedem Fall. Und seine Frau hielt es gleich. Sonntag war Sonntag.

Am Vormittag gingen seine Frau und er dann „ds Predig“, also in die Kirche. Am Nachmittag spazierten sie über Land oder saßen in trauter Zweisamkeit auf der Bank vor dem Hof. Manchmal war die Stube auch voll mit Kindern und Kindeskindern. Zufrieden sah er dann aus, der alte Schattseiten-Bauer. Ja fast heiter. Und gelassen. Sogar wenn sich am Horizont Gewitterwolken auftürmten und sein Heu noch draußen auf dem Feld lag. Und immer wieder faltete er am Sonntag seine schwieligen Hände zum Gebet. Dann legte er seiner Hände Werk und sein Leben in Gottes Hände.

Ja, so war er, dieser alte Bauer. An ihn denke ich, wenn ich den heutigen Lehrvers aus dem Hebräerbrief 4,10 lese: „Wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken, so wie Gott von den seinen.“Dieser einfache Mann war „zu Gottes Ruhe gekommen“. Von ihm habe ich gelernt, dass diese Ruhe nicht vorab ein Gebot, sondern eine Verheißung ist. So wie es der vorhergehende Vers ankündigt: „Es ist also noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes.“

Dieser alte Bauer hat diese Ruhe zeitlebens gesucht und erhalten. Er hat sie als Gnadengeschenk Gottes angenommen. Er war sich dieser Ruhe, dieser Zuwendung Gottes sicher. Nein, nicht um seiner selbst oder seiner Werke willen, sondern um Gottes willen. Deshalb war es ihm auch wichtig, sich für den Sonntag herauszuputzen. Dazu gehörte in seiner Kindheit das Bad im Waschzuber. Dazu gehörten ein Leben lang die Sonntagskleider. Dazu gehörte aber vor allem auch eine innere Haltung:

Gott anvertrauen, was letztlich ohnehin in seinen Händen liegt.Im Wissen um die eigene stetige Arbeit während der Woche, konnte er am Sonntag getrost ruhen. Und er ließ auch seine Leute ruhen. Er konnte auf seine Felder schauen und ganz bewusst Gott sein Werk tun lassen: Wachsen und Gedeihen liegen ja in Gottes Händen. Das gilt. Nicht nur in der Landwirtschaft. Sondern auch in unseren Leben. Selbst dann, wenn Gewitter die Felder des Lebens zerzausen.

Wenn mein Herz und meine Hände heute unruhig und rastlos sind, dann will ich an den alten Bauer von der oberen Schattseite denken und still innehalten. Und dann will ich, so wie er, meine Hände falten. Weil ich darauf vertraue: „Wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken, so wie Gott von den seinen.“


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