/ Wort zum Tag

2. Korinther 13,3

Fast kommt mir dieser Satz vor wie ein Hohn! Wo sehe ich denn, dass Christus unter uns mächtig ist? Wo kommen Menschen zum Glauben, wo blüht die Kirche?

Paulus redet zu den Korinthern in diesem Brief an manchen Stellen ironisch-sarkastisch: „Ihr seid doch die Superhelden, Ihr könnt es ja!“ Aber an dieser Stelle ist das keine Ironie, das meint er wirklich so: „Christus ist mächtig unter euch“, damit treibt man auch keinen Spott! Christus hat mächtig gewirkt unter den Korinthern, denn sie sind ja mal zum Glauben gekommen; und wer mal zum Glauben gekommen ist, den lässt Jesus nicht los... Und auch Paulus lässt sie nicht los, er wäscht ihnen tüchtig den Kopf; er ringt richtig mit Leidenschaft um die Korinther, dass sie ihre Fehler einsehen und umkehren.

Und ich merke: Aha, dass Christus mächtig ist unter uns, das hält mich also nicht davon ab, Fehler zu machen; das hält auch Paulus nicht ab, sie zu ermahnen. Da ist nichts mit: Jesus macht das schon! Ein Mensch verändert sich ja nur mit Jesus zusammen, nicht einfach so, selbsttätig. Und doch hat Paulus dieses Vertrauen: Christus ist mächtig unter euch, er wirkt! Und dieses Vertrauen schöpft er aus der Tatsache, die er im nächsten Vers nennt: „Jesus ist gekreuzigt worden – da war er schwach, doch nun lebt er, in der Kraft Gottes“. Da stimmt das ganz wörtlich, was Paulus sagt: Christus ist mächtig unter euch: am Kreuz war er ganz mächtig unten, auf dem Boden! Aber  darum kann er ja auch bei mir sein, wenn ich da unten lande, in der Tiefe; oder wenn ich mich zumindest so fühle.

Heute war ich in der Schule, bei den Erstklässlern. Es war die erste Stunde nach zwei  Wochen Ferien. Wir sitzen im Stuhlkreis. Ich sage, was ich in der Stunde vorhabe. Pepe meldet sich: „Ich habe eine Frage zu Gott.“ Ich sage: „Das ist prima, Fragen zu Gott sind das allerwichtigste! Sagst Du sie uns?“ – Er sagt “Ich habe eine ganze Nacht lang gebetet, dass ich den Pokal gewinne. Da habe ich an die Frau Schmidt gedacht“ – wohl, dass ich gesagt habe: man kann für alles beten? Er weiter: „Ich hab ihn nicht gewonnen. Und jetzt glaube ich nicht mehr an Gott!“ Ich sage ihm, dass er das tun darf, und dass Gott ihm nicht böse ist. Aber ich bitte ihn, er soll doch weiter beten – und vielleicht merkt er eines Tages, dass es besser war, den Pokal nicht zu gewinnen? – irgendwie so versuche ich meine Antwort.

Ich bin berührt: ein Sechsjähriger, der solche Überlegungen anstellt! Und ich hoffe so sehr, dass er weiter seine Fragen an Gott hat Im Grunde hoffe ich, dass er erfährt „Christus ist mächtig unter euch“, er lebt und hört uns! - Danach machen wir in der Stunde weiter: die Schüler malen ihren Dank an Gott – und das, was sie traurig gemacht hat, auf Postkarten und legen sie ab auf dem Boden in der Mitte. Jeder darf dazu einen Satz sagen. Auch Pepe macht mit...

Gott soll machen, was ich sage! Ich hoffe nur, dass ich ihn nie so bestimme, dass er genau das macht, was ich will. Ich hoffe, dass Christus immer noch „über mir“ ist, dass er mich leitet und bestimmt! Nicht nach dem Motto „Jesus, ich geh voran auf der Lebensbahn, und du wollest nicht verweilen, mir getreulich nachzueilen“ – nein, Christus ist mächtig unter uns, und er soll mein Herr sein in allem.

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