/ Wort zum Tag

1. Mose 49,18

Zwei Männer stehen am Straßenrand: Sie warten auf einen dritten, der aber nicht kommen will. Fragen steigen auf: Sind die beiden Landstreicher wirklich mit ihm verabredet? Gibt es Godot überhaupt? Was versprechen sich die beiden von ihm? Warum warten sie da eigentlich noch so endlos lange?

Samuel Becketts brachte mit seinem weltberühmten Drama ‚Warten auf Godot‘ die Grundstimmung im Nachkriegseuropa treffend auf die Bühne: Wozu das ganze Leben? Wozu das Auf und Ab? Wozu das ganze chaotische Welttheater? Ist nicht alles total absurd, ein sinnloses Vegetieren im Nirgendwo, ein endloses Karussell?

Typisch für Becket: Die  fünf Personen in seiner Geschichte haben keine Namen und keine Identität, auch Ort und Zeit des Wartens bleiben unbekannt. Die Dialoge, Spielereien und Clownerien der Fünf sind nur diffuser Zeitvertreib: Galgenhumor, um das lange Warten zu ertragen. Becketts Drama wird bis heute gespielt und gehört vielerorts zur Schullektüre! Aus gutem Grund, denn es trifft immer noch den Nerv unserer Zeit.

Die meisten Menschen haben alle Gewissheiten verloren, das lange Warten auf einen imaginären Godot ist beendet. Warten wäre absurd, vergeblich und sinnlos, denn die Welt ist ohne Gott ein unendlicher Zufall und ein Spielball! Das lässt sich nur durch Ablenkung aushalten. Dem dienen der Spaß auf endlosen Fun-Meilen in der Fußgängerzone, die permanente Unterhaltung in den Medien oder eine Privatspiritualität, die für jedermann stimmt.

Diese Erfahrungen sind der Bibel nicht fremd!

Jakob, einer der drei Stammväter Israels, hatte in seinem langen Leben viele Irrungen und Wirrungen in Familie und Gesellschaft erleiden müssen und das in einem unerträglichen Mass. Vor allem menschliche Gemeinheiten hatten ihm schwer zugesetzt. Am Ende seines Lebens rief er seine zwölf Söhne zu sich, um sie mit einem Leitwort in die Zukunft zu entlassen. Während er jeder Familie den Weg prophetisch vorzeichnete, quälte ihn das Urproblem der Menschheit: Wann ist der elende Kampf um Recht und Freiheit vorbei? Wann endlich kommt Frieden in meine Familie und in die Welt? Wann endlich wird das schlangenhaft Böse durch Gott vernichtet? Wann endlich kommt der endgültige Heilsbringer?

Beim siebten Sohn Dan bricht es dann aus seiner gequälten Seele unvermittelt heraus: Ein tiefer Seufzer, ein Stoßgebet, ein Hilfeschrei: „Herr, ich warte auf dein Heil!“

Der müde gewordene Jakob sehnt sich nach Sinn, nach Glück in der Welt, nach Gottes Heil auch für seine Sippe! Denn er sieht für die Zukunft seiner Söhne nicht nur Helles, sondern noch so viel Dunkles.

Aber der alte Mann entscheidet sich trotz seiner schweren Lebensjahre weiter für das „Warten auf Gott“ – irgendwie gewiss und hoffnungsvoll! Sein Warten ist kein eingebildetes "Warten auf Godot", sondern Ausdruck eines tiefen Vertrauens. Jakob glaubt, dass hinter allen bisherigen und noch kommenden Wirren und Nöten der Geschichte Gott regiert und zu seiner Zeit heilend eingreifen wird!

Jakobs Warten auf Gott war tatsächlich keine Illusion! Denn Gottes Heil ist inzwischen angekommen! Es ist in Jesus von Nazareth zu uns gekommen. Der Sohn Gottes hat es proklamiert: „Gottes Reich ist mitten unter euch!“

Wir können deshalb schon heute bei Christus Heilung, Versöhnung mit Gott und Trost für unsere verwundete Seele erfahren! Die Zukunft ewiger Geborgenheit bei Gott kann schon jetzt beginnen, wenn wir uns heute darauf einlassen!

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