/ Wort zum Tag

Psalm 146,9

Bibelvers

Der HERR behütet die Fremdlinge und erhält Waisen und Witwen.

Psalm 146,9

Der HERR behütet die Fremdlinge und erhält Waisen und Witwen. So heißt es in Psalm 146, Vers 9. Tut er das wirklich? Heute, bei uns? Warum gibt es dann das Flüchtlingselend an den EU-Außengrenzen? Warum schieben deutsche Gerichte Menschen, auch Christen, in Länder ab, wo ihnen Verfolgung droht? Warum wehren wir uns gegen Unterkünfte für Asylsuchende in unserer Nähe? Provozierende und bedrängende Fragen, vor denen wir uns gern drücken.


Nein, natürlich beschränkt sich christlicher Glaube nicht auf den Einsatz für Flüchtlinge und sozial Schwache! Nein, auch ich bin der Überzeugung, dass die Menschen vor allem anderen das Evangelium von Jesus Christus brauchen. Aber das ganze Evangelium schließt auch den Einsatz für die Not der anderen ein. Die Weitergabe der frohen Botschaft von der Retterliebe Gottes befreit uns nicht von der Frage nach den politischen Ursachen der Ungerechtigkeit. Auch weil Gott offenbar eine besondere Liebe für Fremdlinge, Witwen und Waisen hat und ihnen durch die ganze Bibel hindurch seinen Schutz zusagt. Gut, bei Witwen und Waisen sind Christen und Kirchen schon immer engagiert. Auch bei uns, jedenfalls solange sie nicht Zuwanderer sind. Es tut mir Leid es sagen zu müssen: Auch in sogenannten frommen Kreisen begegnet mir öfter Fremdenfeindlichkeit, wenn auch nicht offen, so doch versteckt, also latent. Wir wollen die Ausländer, die Migranten, die Flüchtlinge lieben, sagt man, aber nicht, wenn sie nebenan wohnen. Und nicht, wenn sie Leistungen aus unseren Steuergeldern beziehen.


Darf ich direkt fragen? Hat Gottes Liebe, die durch uns zu anderen Menschen kommen will, ihre Grenze da, wo Menschen fremd sind, wo sie sich anders verhalten oder nicht unsere Kultur haben? Gibt es eine Zweiklassen-Liebe? Sie werden mir zustimmen, dass das nicht sein kann.


Wussten Sie, dass die Bibel viel von Flüchtlingen und ihren Schicksalen erzählt? Menschen wie Abraham, Jakob, David, Paulus und auch Jesus als Kind waren Flüchtlinge und mussten ihre Heimat, Familie und Freunde verlassen. Die Bibel hat einiges über den Umgang mit Fremden und Flüchtlingen zu sagen. Das Wort ‚Fremder‘ ist in der Bibel gleichbedeutend mit ‚Gast‘. Es wird auch mit ‚Ausländer‘ oder ‚Fremdling‘ wiedergegeben. Die stehen unter dem besonderen Schutz Gottes, wie es unser Bibelwort sagt. Deshalb fordert Gott auch von seinem Volk die besondere Achtung der Fremden und Flüchtlinge. Gebote, die für die eigenen Volksgenossen gelten, werden von Gott immer wieder ausdrücklich auf die bei seinem Volk wohnenden Fremden ausgeweitet.


Auch bei Jesus gilt die Aufforderung zur Nächstenliebe genauso für Fremde und Flüchtlinge. Natürlich sind sie uns zunächst einmal nicht vertraut, weil sie aus einem anderen Kulturkreis kommen; weil sie neben einem anderen Aussehen auch andere Sitten und Gebräuche haben. Wer bei uns auf Dauer leben möchte, von dem darf erwartet werden, dass er sich mit der Kultur seines Gastlandes vertraut macht und dessen Gesetze achtet. Wir als die Einheimischen können ihnen dabei helfen, die Fremdheit zu überwinden, indem wir den ersten Schritt auf sie zu tun. Dann wird Integration ein Prozess, in dem wir von beiden Seiten aufeinander zu gehen.


Hinzu kommt, dass Gottes  Wort uns an vielen Stellen ermutigt, gastfreundlich zu sein. Fremde und Flüchtlinge kennenzulernen, sie aufzunehmen, das ist gelebte Gastfreundschaft. Der Begriff ‚Willkommenskultur‘, der seit kurzem von Politik und Medien gebraucht wird, ist also keine neue Erfindung, sondern ist in der Bibel schon lange der Auftrag Gottes an sein Volk.


Die Europäische Union hat im vergangenen Jahrzehnt die Abschottung ihrer Außengrenzen weiter vorangetrieben und zeigt wenig Bereitschaft, ihre Aufnahmekapazitäten zu erweitern. In den vergangenen Jahren sind tausende Flüchtlinge, beim Versuch in die EU zu gelangen, im Mittelmeer ertrunken. Andere leben unter menschenunwürdigen Umständen in Lagern, z.B. in Griechenland. Ihnen allen gilt Gottes Liebe und Schutz. Der HERR behütet die Fremdlinge und erhält Waisen und Witwen. Und wir sind es, die das vermitteln. Eigentlich ist es so leicht, jedenfalls für diejenigen unter uns, die selbst Gottes Liebe erfahren haben und sie täglich erleben. Wir brauchen sie nur weiterzugeben, so wie es in 1. Johannes 4,19 heißt: Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.
 

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